Schwarzer Hautkrebs: Früherkennung rettet Leben

Stand: 18.10.2021 11:56 Uhr

Bösartige Hauttumore, sogenannte Melanome, lassen sich bei der Früherkennungsuntersuchung meist gut erkennen. Ab dem 35. Lebensjahr bezahlt die Krankenkasse alle zwei Jahre diese Untersuchung.

Rund 270.000 Menschen erkranken in Deutschland pro Jahr an Hautkrebs - dabei ist der weiße oder helle Hautkrebs mit etwa 250.000 Erkrankten häufiger, der schwarze Hautkrebs mit über 20.000 Neuerkrankten pro Jahr aber viel gefährlicher. Doch nicht alle Menschen tragen das gleiche Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Laut einer australischen Studie haben einige Menschen ein über 100-fach erhöhtes Risiko. Gerade diese sogenannten Hochrisikopatientinnen und -patienten sollten besonders gut kontrolliert werden.

Was ist ein malignes Melanom?

Meistens werden bösartige Hauttumore, sogenannte Melanome, bei der Früherkennung entdeckt, zu der Hautärztinnen und Hautärzte dringend raten. Man sollte die Haut auch selbst gut beobachten und auffällige Stellen, sich verändernde Leberflecke oder nicht heilen wollende Pickel rasch einem Arzt oder einer Ärztin vorstellen.

Das maligne Melanom ist ein bösartiger Hauttumor, der aus den Pigmentzellen der obersten Hautschicht entsteht. Dabei kann er sich entweder aus einem bestehenden Leberfleck entwickeln oder aber sich auch spontan auf gesunder Haut bilden. Melanome können an jeder Stelle des Körpers entstehen - auch an den Augen, zwischen den Zehen oder im Genitalbereich, also auch an Stellen, wo die Sonne gar nicht hingelangt.

Bei Metastasen-Bildung ist Heilung oft schwierig

Bei Nichtbehandlung verläuft die Erkrankung potenziell tödlich. Auf der oberen Hautschicht ist ein Melanom noch ungefährlich - doch sobald es beginnt in die Tiefe zu wachsen, können sich Krebszellen ablösen. Die Gefahr: Die Tumorzellen können sich über das Blut im Körper verteilen, es bilden sich Metastasen und damit verschlechtern sich die Heilungschancen.

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Zur Diagnose manchmal Gewebeuntersuchung notwendig

Etwa zehn bis 15 Prozent aller Melanome können auch von Spezialisten nicht sicher erkannt werden, weil sie zum Beispiel nicht pigmentiert sind oder aussehen wie ein Blutschwamm. Daher sollte man als Betroffene oder Betroffener die auffällige Hautstelle immer entfernen und gründlich untersuchen lassen. Erst nach der feingeweblichen Untersuchung besteht Gewissheit, ob es ein Melanom ist oder nicht.

Wer trägt ein erhöhtes Hautkrebs-Risiko?

Laut der Studie besitzen Menschen mit dunklerem Hauttyp, braunen Haaren und Augen, wenigen Leberflecken, in deren Familie es nie Hautkrebs gab, ein geringes Hautkrebsrisiko. Das Risiko steigt mit der Anzahl der Leberflecken:

  • Bei über 100 kleinen Leberflecken steigt das Risiko um das Siebenfache.
  • Bei fünf großen Leberflecken, steigt das Risiko auf das 20-Fache.
  • Kommen die Faktoren heller Hauttyp, viele Leberflecken und familiäre Vorbelastung zusammen, kann sich das Risiko auf das etwa 120-Fache erhöhen.

Verzicht auf Sonnenbaden und richtiger UV-Schutz

Schon eine minimale UV-Strahlung kann ausreichen, um Melanome entstehen zu lassen. Daher sollte man Sonne meiden, egal welches Hautkrebsrisiko man trägt. Vor allem als Hochrisikopatientin oder -patient gilt es, die Haut konsequent mit Kleidung und Sonnencreme zu schützen: Ein breitkrempiger Hut, langärmlige Hemden und langbeinige Hosen sind der Grundschutz - dazu ist Sonnencreme mit Schutzfaktor 50 empfehlenswert.

Hautkrebsvorsorge: Ab 35 Jahren Anspruch auf Screenings

Jeder zweite Mensch mit einem Hochrisiko entwickelt im Laufe des Lebens ein Melanom. Deshalb müssen diese Personen besonders gut und oft kontrolliert werden. Doch nur 20 Prozent der gesetzlich Versicherten gehen regelmäßig zur Hautkrebsvorsorge. Dabei haben gesetzlich Versicherte ab 35 alle zwei Jahre Anspruch auf ein Hautkrebsscreening - inzwischen auch mit dem Auflichtmikroskop (Dermatoskop). Die Untersuchung mit dem Dermatoskop ist ein großer Fortschritt gegenüber dem bloßen Auge und liefert zuverlässigere Ergebnisse.

Regelmäßge digitale Dermatoskopie bei Risikopatienten

Vor allem bei den Hochrisikopatientinnen und -patienten ist es oft sehr schwierig, Melanome frühzeitig und zuverlässig zu erkennen, da diese bei ihnen häufiger entstehenden. Sie sollten daher laut Expertinnen und Experten mindestens einmal pro Jahr kontrolliert werden - am besten mittels digitaler Dermatoskopie. Dabei werden Betroffene mit einem Ganzkörperscanner abfotografiert. Diese Fotos werden gespeichert und eine Software markiert Veränderungen zu früheren Aufnahmen. Pigmentmale, die sich verändert haben, sind verdächtig. Anhand dieser Verlaufskontrolle kann der Arzt leichter neu auftretende oder wachsende Male und Leberflecken entdecken - und bösartige Veränderungen somit früher erkennen.

Digitale Früherkennung bislang keine Kassenleistung

Doch die digitale Untersuchung zur Früherkennung ist teuer und wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt. Die Kosten können je nach Aufwand und Zahl der Leberflecken weit über 100 Euro betragen. Expertinnen und Experten beklagen das und fordern eine umfassendere Hautkrebsvorsorge, auch schon bei jüngeren Menschen. Wer ein erhöhtes Risiko hat, sollte versuchen, in eine Krankenkasse zu wechseln, die auch unter 35-Jährigen alle zwei Jahre zumindest ein Hautkrebsscreening ermöglicht.

 

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