Stand: 31.08.2020 17:49 Uhr  - Visite

Reha nach Corona: Der lange Weg zurück

Ein Arzt untersucht den Brustbereich eines jüngeren Mannes © PantherMedia Foto: VitalikRadko
Manche Patienten, die schwer an Covid-19 erkrankt waren, leiden auch nach ihrer Genesung an Folgeerscheinungen wie Lungenschäden.

Nach bisherigen Erkenntnissen scheinen die meisten Menschen eine Infektion mit Sars-CoV-2 relativ unbeschadet zu überstehen. Doch wenn die vom Coronavirus verursachte Erkrankung Covid-19 einen schwereren Verlauf nimmt, können die Folgen dramatisch sein. Denn auch nach Abklingen der Erkrankung ist oftmals die Lungenfunktion noch nicht wiederhergestellt und die Genesenen klagen noch Monate später über eine geringere körperliche Leistungsfähigkeit. Für sie kommt eine gezielte Rehabilitation in Frage.

VIDEO: Reha nach Corona: Der lange Weg zurück (7 Min)

Einige Covid-19-Genesene haben starke Lungenschäden

Als von Covid-19 genesen gelten Menschen, die mindestens 48 Stunden keine Symptome wie Husten oder Fieber zeigen und bei denen im Abstand von 24 Stunden zwei Rachenabstrichtests negativ ausfallen. Die ersten Symptome müssen zudem mindestens zwei Wochen zurückliegen. Doch obwohl sie nicht mehr unter akuten Symptomen leiden, zeigen die CT-Bilder einiger genesener Covid-19-Patienten, dass sie nicht wirklich gesund sind, sondern mehr oder weniger starke Lungenschäden aufweisen.

Videos
Dr. Jördis Frommhold im Studiogespräch.
5 Min

Corona-Folgeschäden: Für wen ist eine Reha sinnvoll?

In Heiligendamm wird eine spezielle Reha für Covid-19-Patienten angeboten. Für welche Patienten sie infrage kommt, erklärt Dr. Jördis Frommhold von der Median Klinik im Interview. 5 Min

Langfristige Corona-Folgen nicht unterschätzen

Einige Erkrankte sind nach Wochen noch nicht wieder vollständig genesen und leiden unter massiven Spätfolgen - nicht nur in der Lunge, sondern auch in anderen Organen. Um sie wieder auf den Alltag vorzubereiten, benötigen sie eine intensive Nachsorge. Je nachdem wie schwer die Covid-19-Erkrankung war und wie lange sie künstlich beatmet werden mussten, werden unterschiedliche Maßnahmen ergriffen. Diese können bei schweren Verläufen eher einer fortgesetzten Akutversorgung ähneln als einer klassischen Rehabilitation und eine Reha in einer Spezialklink erforderlich machen.

Weitere Informationen
Dr. Jördis Frommhold im Studiogespräch.

Chat-Protokoll: Reha nach Corona-Infektion

Nach einer Infektion mit Covid-19 fühlen sich viele Menschen schwach und erschöpft. Eine Reha kann helfen. Die Internistin Jördis Frommhold hat Fragen zum Thema beantwortet. mehr

Voraussetzungen für die Reha nach Corona

Vor der Verlegung in die Reha-Klinik müssen die folgenden Bedingungen erfüllt sein:

  • Die akuten Covid-19-Symptome müssen mindestens zwei Tage vor der Verlegung abgeklungen sein.
  • Atmung und Herz-Kreislauf-System sollten so stabil sein, dass eine Rückverlegung in die Akutklinik nicht absehbar ist.
  • Es sollte keine Direktverlegung aus der Intensivstation in die Reha erfolgen.
  • In einem sogenannten PCR-Test müssen zwei zeitgleich durchgeführte Abstriche (aus der Nase und aus dem Rachen) negativ für Sars-CoV-2 sein.

Zunächst müssen die Reha-Mediziner in Belastungstests herausfinden, wie schwer die Lunge geschädigt und die Sauerstoffversorgung des Körpers beeinträchtigt ist. Auf der Intensivstation betreute Covid-19-Patienten wurden meist sehr lange (im Durchschnitt mehr als zwei Wochen) künstlich beatmet. Viele weisen noch Veränderungen in der Lunge auf, die den Gasaustausch behindern. Sie müssen engmaschig beobachtet und gegebenenfalls mit Sauerstoff oder einer nicht-invasiven Beatmung versorgt werden. Außerdem drohen Gerinnsel im Herz- und Gefäßsystem und weitere Komplikationen, die eine Betreuung durch Spezialisten erforderlich machen.

Inhalte der Rehabilitation

Eine stationäre Reha-Behandlung kann drei bis sechs Wochen dauern. Die wichtigsten Ziele der Rehabilitation sind:

  • Verbesserung der Atemnot
  • Verbesserung der Atemmuskelkraft
  • Stärkung der Lungenfunktion
  • allgemeine Kräftigung und Mobilisierung.

Die wichtigsten Therapiekomponenten umfassen:

  • Atemgymnastik
  • Atemmuskeltraining
  • Atemphysiotherapie
  • Lösen der Verschleimung.

Jeder Rehabilitant erhält in der Klinik eigene Therapiegeräte. Dazu gehören zum Beispiel ein Atemübungsgerät, ein Peak-Flow-Gerät zum Überprüfen der Lungenfunktion oder eine Inhalationshilfe. Ergänzt wird das Lungentraining durch Kraft- und Ausdauertraining.

Auch die psychologische Mitbehandlung bei psychomentalen Beeinträchtigungen nach langem Krankheitsverlauf und Isolation gehört zu den zentralen Säulen der Rehabilitation, denn viele Betroffene haben nicht nur Probleme mit ihrer Lunge. Vor allem Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Konzentration sind enorm belastend, die Reha fordert diese Patienten jeden Tag aufs Neue.

Weitere Informationen
Doktor Jördis Frommhold gibt Tipps für das Lungentraining.
3 Min

Zu Hause fit bleiben: Training für die Lunge

Wer trainierte Atemmuskeln hat, übersteht Krankheiten wie Lungenentzündungen bedeutend schneller und besser. Fünf Tipps vom Team der Median Reha Klinik in Heiligendamm. 3 Min

Ein Mann hustet. © Fotolia.com Foto: jinga80

Corona: Folgeschäden bei leichtem Krankheitsverlauf

Nach einer Covid-19-Erkrankung mit schwerem Verlauf dauert es oft Monate, bis Genesene sich wieder fit fühlen. Doch auch nach einem leichtem Krankheitsverlauf können offenbar Schäden bleiben. mehr

Proben werden auf das Virus Sars-CoV-2 getestet. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck

Coronavirus: So verläuft die Erkrankung Covid-19

Die Symptome nach einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 sind eher unspezifisch. Im Gegensatz zur Grippe ist der Husten bei Covid-19 aber eher trocken, das Fieber steigt langsam. mehr

Röntgenaufnahme einer Lunge © colourbox Foto: Bunyos

Corona: Begünstigt Feinstaub schwere Covid-19-Verläufe?

Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen der Feinstaubkonzentration in der Luft und dem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf. Umweltschützer fordern strengere Grenzwerte. mehr

Die Bar "Katze" im Hamburger Schanzenviertel. © NDR Foto: Jörn Straehler-Pohl

Corona-Ticker: Infizierte aus der Bar "Katze" auch aus Kreis Pinneberg

Unter den acht bislang bestätigten Infektionen aus dem Umfeld der Hamburger Bar "Katze" sind auch Gäste aus dem Kreis Pinneberg. Mehr Corona-News im Live-Ticker. mehr

Experten zum Thema

Dr. Jördis Frommhold, Chefärztin
Abteilung für Atemwegserkrankungen und Allergien
Median Klinik Heiligendamm
Kinderstrand 1
18209 Heiligendamm
(038203) 44-600
www.median-kliniken.de

Weitere Informationen
Empfehlungen zur pneumologischen Rehabilitation bei Covid-19 (pdf-Dokument)
www.pneumologie.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 01.09.2020 | 20:15 Uhr

Mehr Gesundheitsthemen

Mann hält sich ein schmerzendes Knie, das schematisch rot eingefärbt ist. © Fotolia.com Foto: underdogstudio

Zweitmeinung: Unnötige OP an Rücken und Gelenken verhindern

Vor Operationen an Gelenken und am Rücken sollten Betroffene eine Zweitmeinung einholen. Denn nicht immer führt eine OP zum gewünschten Ergebnis. Welche Alternativen gibt es? mehr

Aus einer Plastikflasche wird Wasser in ein Glas eingeschenkt. © Fotolia.com Foto: Kaesler Media

Richtig trinken: Wann und wie viel?

Der Körper braucht eineinhalb bis zwei Liter Flüssigkeit am Tag. Richtig über den Tag verteilt, kann Trinken sogar beim Abnehmen helfen. Was ist dabei zu beachten? mehr

Physiotherapeutin arbeitet mit einem Patienten. © WavebreakmediaMicro/fotolia Foto: WavebreakmediaMicro

Wie manuelle Therapie bei Rückenschmerzen hilft

Bei chronischen Rückenschmerzen ist die manuelle Therapie so wirkungsvoll wie Schmerzmittel und Spritzen. Wie funktioniert die Behandlung? Und was bezahlen die Krankenkassen? mehr

Symbolbild für Sodbrennen. © Colourbox Foto: #72771

Stiller Reflux: Was bei Sodbrennen hilft

Sodbrennen kann zu Husten, Heiserkeit und ständigem Räuspern führen. Gegen die Beschwerden helfen oft Medikamente - und eine Umstellung der Ernährung. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Podcast mit Christian Drosten & Sandra Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr