Wie lassen sich Potenzstörungen behandeln?

Stand: 12.03.2021 18:10 Uhr

Etwa ein Drittel der über 60-jährigen Deutschen leidet an Potenzstörungen. Die Ursachen sind vielfältig. Manchmal steckt eine schwerwiegende Krankheit dahinter.

Kein Mann spricht gern darüber: Erektionsstörungen. Etwa ein Drittel der über 60-Jährigen in Deutschland leidet darunter. Bei den 40- bis 49-Jährigen sind es immerhin schon zehn Prozent. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer weit höher liegt. Denn die erektile Dysfunktion (ED) ist noch immer ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Viele Männer scheuen den Gang zum Arzt. Die Folge: Das Problem verschlimmert sich, und die Betroffenen leiden zunehmend.

Häufige Ursachen von Erektionsstörungen

Eine Erektion entsteht durch eine gesteigerte Blutzufuhr in den Penis. Unter hohem Druck wird das Blut durch erweiterte Arterien in den Schwellkörper gepumpt. Dabei werden die Venen zusammengepresst. Die Folge: Der Druck im Schwellkörper steigt an, und der Penis versteift sich. Dieser Vorgang ist nur durch das komplexe Zusammenspiel von Nerven, Blutgefäßen und Hormonen möglich.

Die Gründe für eine Beeinträchtigung der Erektionsfähigkeit sind vielfältig. Meistens entsteht sie durch körperliche Ursachen, aber auch psychische Faktoren können eine Rolle spielen.

Psychische Gründe für Erektionsprobleme

Psychische Gründe wie Stress, Depressionen, Angsterkrankungen oder belastende Ereignisse lösen eher bei jüngeren Männern Potenzstörungen aus. Dennoch sollten sie immer als Ursache mit in Betracht gezogen werden. Ein (natürlicherweise) sinkender Testosteronspiegel kann mit zunehmendem Alter Probleme verursachen. Manchmal ist die Dysfunktion auch eine Folge der Einnahme von Medikamenten, von Verletzungen (etwa einer Beckenfraktur) oder Operationen (an Prostata oder Darm).

Erektionsstörungen durch Lebensstil und Vorerkrankungen

Hauptursache ist aber meist der Lebensstil: Rauchen, Alkohol, Übergewicht und Bewegungsmangel können die Blutgefäße schädigen, sodass die Durchblutung im Schwellkörper behindert wird. Potenzstörungen weisen mitunter auf drohende Herzinfarkte und Schlaganfälle hin oder sind auf Krankheiten zurückzuführen, die das zentrale Nervensystem betreffen. Dazu gehören Alzheimer, Morbus Parkinson und Multiple Sklerose. Diabetes mellitus, Bluthochdruck, eine Fettleber oder Fettstoffwechselstörungen fördern Durchblutungsstörungen und damit Erektionsprobleme.

Symptome einer erektilen Dsyfunktion

Eine Potenzstörung liegt vor, wenn

  • ein Mann keine Erektion bekommen kann oder diese nicht erhalten kann, sodass sie für einen Geschlechtsverkehr ausreicht
  • das Problem in mehr als zwei Dritteln der Fälle auftritt und/oder die Probleme über mehrere Monate bestehen.

Diagnose der erektilen Dysfunktion

Manchmal weisen Potenzstörungen auf eine schwere Erkrankung hin. Bestehen Potenzprobleme über mehrere Monate, sollten Betroffene deshalb ihren Hausarzt oder auch gleich einen Urologen aufsuchen. Der Arzt wird zunächst in einem Gespräch abklären, welche Vorerkrankungen, Verletzungen, Operationen, Medikamente oder Lebensumstände ursächlich für die Erkrankung sein können.

Dann stehen mehrere Untersuchungen an. Der Arzt wird den Testosteron-Spiegel im Blut messen und den Penis mit schwachen elektrischen Impulsen auf eine etwaige Nervenschädigung untersuchen. Zudem kann ein Schwellkörper-Injektionstest Aufschlüsse über die Funktionsfähigkeit des Schwellkörpers geben. Dazu spritzt der Arzt ein Medikament in den Penis, das eine Erektion auslöst.

Auch ein Aufenthalt im Schlaflabor kann helfen, die Ursachen für die Probleme zu finden. Bei einer nächtlichen penilen Tumeszenzmessung werden spontane Erektionen im Schlaf gemessen. Sind die Werte normal, deutet dies eher auf psychische Ursachen für die Erkrankung hin.

Therapiemöglichkeiten bei Erektionsproblemen

Eine Physiotherapeutin und ihr Patient sitzen auf einem Sitzball © NDR
Nicht nur für Frauen: Zusätzlich zur Ernährungsumstellung kann Betroffenen regelmäßiges Beckenbodentraining helfen.

Je nach Untersuchungsergebnis wird der Urologe den Patienten an weitere Fachärzte wie Psychologen, Neurologen oder Kardiologen überweisen. Um die Symptome zu behandeln, kann der Experte zahlreiche Therapiemaßnahmen vorschlagen. Infrage kommen Psychotherapie, Medikamente, mechanische Hilfen oder auch operative Maßnahmen.

Testosterongabe bei ED

Häufig wird Testosteron als Gel oder per Spritze verabreicht. Auch Tabletten wie das bekannte Viagra kommen zum Einsatz: Die enthaltenen Substanzen, sogenannte PDE-5-Hemmer, bewirken unter anderem eine Erweiterung der Blutgefäße. Bei der Schwellkörper-Autoinjektions-Therapie (SKAT) spritzt sich der Mann - mit einer sehr dünnen Nadel - ein Medikament in den Penis. Ähnlich wirkt das sogenannte medikamentöse urethrale System zur Erektion (MUSE): Der Wirkstoff gelangt über eine Art Zäpfchen durch die Harnröhre in den Schwellkörper.

Andere Patienten bekommen mittels einer Vakuumpumpe das gewünschte Resultat. Außerdem ist eine Implantation von Silikonkissen in den Schwellkörper möglich. Allerdings ist diese Methode nicht mehr rückgängig zu machen.

Medizinischer Sattel bei erektiler Dysfunktion

Für Viel-Fahrradfahrer kann die Anschaffung eines ergonomischen Sattels sinnvoll sein. Beim medizinischen Sattel (auch Prostata-Sattel genannt) fehlt die Sattelspitze. Die spezielle Form verhindert, dass die Nerven in diesem empfindlichen Bereich strapaziert werden.

Muskelaufbau durch Sport

Unerlässlich für eine funktionierende Potenz ist eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung. Kraft- und Ausdauersport stärken Muskeln und Gewebe und führen dadurch zu mehr Testosteron-Ausschüttung. Daneben kann gezieltes Beckenbodentraining hilfreich sein: Das, was Frauen nach einer Schwangerschaft hilft, wirkt bei Männern als natürliches Potenzmittel. Denn im Beckenboden liegen die "Potenzmuskeln", die funktionell mit den Schwellkörpern im Glied verbunden sind.

Potenzförderndes Essen

Wer zu viele Pfunde auf den Rippen hat, profitiert besonders von einer Gewichtsreduktion. Vor allem das Fett im Bauchraum - zwischen den Organen - muss schmelzen, denn es produziert große Mengen an störenden Hormonen.

Generell sollten Betroffene wenig Süßes zu sich nehmen und ihren Fleischkonsum reduzieren. Stattdessen lieber viel blau-rotes Gemüse und Beeren wie Rotkohl, rote Zwiebeln, Blaubeeren und Brombeeren essen: Eine Studie bestätigt die durchblutungsfördernde Kraft der darin enthaltenen Anthozyane. Außerdem ist erwiesen, dass der Eiweißbestandteil L-Arginin ähnlich wirkt wie Viagra: Er hilft, die Gefäße zu erweitern und den Blutfluss zu steigern. L-Arginin findet sich vor allem in Kürbiskernen, Erdnüssen und Mandeln, Rindfleisch, Thunfisch, Huhn und Linsen.

Ernährungstherapie
Bewegungs-Doc Helge Riepenhof betreut einen Patienten bei Übungen auf der Gymnastikmatte. © NDR/nonfictionplanet

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Eine Platte mit Rübli-Kuchenstücken steht auf dem Tisch. © NDR Foto: Claudia Timmann

Rezepte bei Potenzstörungen

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Rotkohl © fotolia Foto: womue

Potenzfördernde Ernährung

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Dieses Thema im Programm:

Die Bewegungs-Docs | 15.03.2021 | 21:00 Uhr

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Holzwegweiser mit den Aufschriften "vielleicht", "falsch", "richtig" und "kommt drauf an". © Chris_pl/fotolia Foto: Chris_pl

Potenzstörung: Die Therapie-Empfehlungen im DIN-A4-Format (PDF)

Durchblutungsfördernde und gewichtsoptimierende Ernährung: Die wichtigsten Fakten und Lebensmittel im Überblick. Download (43 KB)

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