Stand: 17.03.2019 18:01 Uhr

Potenzstörungen erkennen und behandeln

Kein Mann spricht gern darüber: Erektionsstörungen. Etwa ein Drittel der über 60-Jährigen in Deutschland leidet darunter. Bei den 40- bis 49-Jährigen sind es immerhin schon zehn Prozent. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer weit höher liegt. Denn die erektile Dysfunktion (ED) ist noch immer ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Viele Männer scheuen den Gang zum Arzt. Die Folge: Das Problem verschlimmert sich, und die Betroffenen leiden zunehmend.

Bewegungs-Doc Helge Riepenhof betreut einen Patienten bei Übungen auf der Gymnastikmatte. © NDR/nonfictionplanet

Intervalltraining für mehr Potenz

Die Bewegungs-Docs -

Klaus W. leidet unter Bluthochdruck und, dadurch mitausgelöst, unter einer Erektionsstörung. Bewegungs-Doc Helge Riepenhof verordnet ihm Jogging-Runden und Potenzmuskeltraining.

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Ursache

Eine Erektion entsteht durch eine gesteigerte Blutzufuhr in den Penis. Unter hohem Druck wird das Blut durch erweiterte Arterien in den Schwellkörper gepumpt. Dabei werden die Venen zusammengepresst. Die Folge: Der Druck im Schwellkörper steigt an, und der Penis versteift sich. Dieser Vorgang ist nur durch das komplexe Zusammenspiel von Nerven, Blutgefäßen und Hormonen möglich.

So entsteht eine Erektion

Die Gründe für eine Beeinträchtigung der Erektionsfähigkeit sind vielfältig. Meistens entsteht sie durch körperliche Ursachen, aber auch psychische Faktoren können eine Rolle spielen.

Psychische Gründe wie Stress, Depressionen, Angsterkrankungen oder belastende Ereignisse lösen eher bei jüngeren Männern Potenzstörungen aus. Dennoch sollten sie immer als Ursache mit in Betracht gezogen werden. Ein (natürlicherweise) sinkender Testosteronspiegel kann mit zunehmendem Alter Probleme verursachen. Manchmal ist die Dysfunktion auch eine Folge der Einnahme von Medikamenten, von Verletzungen (etwa einer Beckenfraktur) oder Operationen (an Prostata oder Darm).

Hauptursache ist aber meist der Lebensstil: Rauchen, Alkohol, Übergewicht und Bewegungsmangel können die Blutgefäße schädigen, sodass die Durchblutung im Schwellkörper behindert wird. Potenzstörungen weisen mitunter auf drohende Herzinfarkte und Schlaganfälle hin oder sind auf Krankheiten zurückzuführen, die das zentrale Nervensystem betreffen. Dazu gehören Alzheimer, Morbus Parkinson und Multiple Sklerose. Diabetes mellitus, Bluthochdruck, eine Fettleber oder Fettstoffwechselstörungen fördern Durchblutungsstörungen und damit Erektionsprobleme.

Symptome

Eine Potenzstörung liegt vor, wenn

  • ein Mann keine Erektion bekommen kann oder diese nicht erhalten kann, sodass sie für einen Geschlechtsverkehr ausreicht
  • das Problem in mehr als zwei Dritteln der Fälle auftritt und/oder die Probleme über mehrere Monate bestehen.

Diagnose

Manchmal weisen Potenzstörungen auf eine schwere Erkrankung hin. Bestehen Potenzprobleme über mehrere Monate, sollten Betroffene deshalb ihren Hausarzt oder auch gleich einen Urologen aufsuchen. Der Arzt wird zunächst in einem Gespräch abklären, welche Vorerkrankungen, Verletzungen, Operationen, Medikamente oder Lebensumstände ursächlich für die Erkrankung sein können.

Dann stehen mehrere Untersuchungen an. Der Arzt wird den Testosteron-Spiegel im Blut messen und den Penis mit schwachen elektrischen Impulsen auf eine etwaige Nervenschädigung untersuchen. Zudem kann ein Schwellkörper-Injektionstest Aufschlüsse über die Funktionsfähigkeit des Schwellkörpers geben. Dazu spritzt der Arzt ein Medikament in den Penis, das eine Erektion auslöst.

Auch ein Aufenthalt im Schlaflabor kann helfen, die Ursachen für die Probleme zu finden. Bei einer nächtlichen penilen Tumeszenzmessung werden spontane Erektionen im Schlaf gemessen. Sind die Werte normal, deutet dies eher auf psychische Ursachen für die Erkrankung hin.

Therapie

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Nicht nur für Frauen: Zusätzlich zur Ernährungsumstellung kann Betroffenen regelmäßiges Beckenbodentraining helfen.

Je nach Untersuchungsergebnis wird der Urologe den Patienten an weitere Fachärzte wie Psychologen, Neurologen oder Kardiologen überweisen. Um die Symptome zu behandeln, kann der Experte zahlreiche Therapiemaßnahmen vorschlagen. Infrage kommen Psychotherapie, Medikamente, mechanische Hilfen oder auch operative Maßnahmen.

Häufig wird Testosteron als Gel oder per Spritze verabreicht. Auch Tabletten wie das bekannte Viagra kommen zum Einsatz: Die enthaltenen Substanzen, sogenannte PDE-5-Hemmer, bewirken unter anderem eine Erweiterung der Blutgefäße. Bei der Schwellkörper-Autoinjektions-Therapie (SKAT) spritzt sich der Mann - mit einer sehr dünnen Nadel - ein Medikament in den Penis. Ähnlich wirkt das sogenannte medikamentöse urethrale System zur Erektion (MUSE): Der Wirkstoff gelangt über eine Art Zäpfchen durch die Harnröhre in den Schwellkörper.

Andere Patienten bekommen mittels einer Vakuumpumpe das gewünschte Resultat. Außerdem ist eine Implantation von Silikonkissen in den Schwellkörper möglich. Allerdings ist diese Methode nicht mehr rückgängig zu machen.

Muskelaufbau durch Sport

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Potenzmuskeln gezielt stärken

Das ideale Training sind gleichmäßige Ausdauereinheiten mit Fitness-Komponenten. Dazu kommt ein Potenzmuskeltraining: Beckenbodenübungen für den Mann. mehr

Unerlässlich für eine funktionierende Potenz ist eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung. Kraft- und Ausdauersport stärken Muskeln und Gewebe und führen dadurch zu mehr Testosteron-Ausschüttung. Daneben kann gezieltes Beckenbodentraining hilfreich sein: Das, was Frauen nach einer Schwangerschaft hilft, wirkt bei Männern als natürliches Potenzmittel. Denn im Beckenboden liegen die "Potenzmuskeln", die funktionell mit den Schwellkörpern im Glied verbunden sind.

Potenzförderndes Essen

Wer zu viele Pfunde auf den Rippen hat, profitiert besonders von einer Gewichtsreduktion. Vor allem das Fett im Bauchraum - zwischen den Organen - muss schmelzen, denn es produziert große Mengen an störenden Hormonen.

Generell sollten Betroffene wenig Süßes zu sich nehmen und ihren Fleischkonsum reduzieren. Stattdessen lieber viel blau-rotes Gemüse und Beeren wie Rotkohl, rote Zwiebeln, Blaubeeren und Brombeeren essen: Eine Studie bestätigt die durchblutungsfördernde Kraft der darin enthaltenen Anthozyane. Außerdem ist erwiesen, dass der Eiweißbestandteil L-Arginin ähnlich wirkt wie Viagra: Er hilft, die Gefäße zu erweitern und den Blutfluss zu steigern. L-Arginin findet sich vor allem in Kürbiskernen, Erdnüssen und Mandeln, Rindfleisch, Thunfisch, Huhn und Linsen.

Ernährungstherapie

Rezepte bei Potenzstörungen

Nicht zu viel Weißmehl, dafür mehr Anthozyane und L-Arginin: Bei Potenzstörungen sollten Sie leckere und gesunde Rezepte wie diese in Ihren Speiseplan einbauen. mehr

Potenzfördernde Ernährung

Ein gesundes Gewicht fördert die Potenz, deshalb steht viel Gemüse auf dem Spieseplan. Außerdem bringen die enthaltenen Anthozyane die Durchblutung wieder in Schwung. mehr

Dieses Thema im Programm:

Die Bewegungs-Docs | 18.03.2019 | 21:00 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Potenzstoerung,potenz102.html

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Potenzstörung: Die Therapie-Empfehlungen im DIN-A4-Format (PDF)

Durchblutungsfördernde und gewichtsoptimierende Ernährung: Die wichtigsten Fakten und Lebensmittel im Überblick. Download (43 KB)

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