Tipps bei PCO-Syndrom und unerfülltem Kinderwunsch

Stand: 06.02.2022 13:41 Uhr

Das PCO-Syndrom kann bei Frauen zu Zyklusstörungen, Haarausfall und Unfruchtbarkeit führen. Gegenmittel sind Medikamente und eine angepasste Ernährung.

Die Haare auf dem Kopf fallen aus, dafür wachsen sie an unliebsamen Stellen, der Körper wird männlicher, Akne kommt hinzu, der Kinderwunsch bleibt unerfüllt: Das Polyzystische Ovarialsyndrom, kurz: PCO-Syndrom, ist eine der häufigsten Ursachen von Unfruchtbarkeit. Und nicht nur deshalb ist es für Betroffene eine psychische Belastung.

Man geht von einer Million betroffenen Frauen in Deutschland aus - zwischen fünf und zehn Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden an dieser Hormonerkrankung. Die namensgebenden "Zysten" in den Eierstöcken (Ovarien) sind eigentlich gar keine. Bei den kleinen Bläschen, die im Ultraschall zu sehen sind, handelt es sich um unreife Eizellen. Und nur 70 Prozent der betroffenen Frauen haben überhaupt dieses Symptom. Beim PCO-Syndrom handelt es sich um eine Störung im hormonellen Regelkreis von Frauen. Männliche Hormone werden überproduziert, weshalb das PCO-Syndrom für viele Betroffene mit männlicher Körperbehaarung und einer männlichen Statur einhergeht.

Ursache für PCOS unklar, Übergewicht oft ein Faktor

Weitere Informationen
Schematische Darstellung: viszerales Fett im Bauchraum. © NDR

Warum das Bauchfett so gefährlich ist

Das viszerale Fett ist besonders aktiv: Die Fettzellen schütten entzündungsfördernde Botenstoffe aus und steigern so unter anderem das Risiko für Arteriosklerose, Diabetes und Krebs. Bildergalerie

Wie die Krankheit entsteht, ist nicht geklärt. Sicher ist, dass die Gene mitentscheiden: Frauen, die betroffen sind, haben oft Mütter mit PCO-Syndrom oder Väter, die hormonell bedingt früh eine Glatze bekommen haben. Außerdem ist der Zusammenhang des Syndroms mit dem Körpergewicht auffällig: Drei von vier Betroffenen sind übergewichtig. Die meisten Frauen, auch die normalgewichtigen, leiden zudem an einer Insulinresistenz: Ihre Zellen reagieren nicht mehr auf das hormonelle Signal des Insulins, den Zucker aus dem Blut aufzunehmen - der Blutzuckerspiegel steigt. Der Körper produziert daraufhin immer mehr Insulin. Deswegen haben Frauen mit PCO-Syndrom ein erhöhtes Risiko, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. Die Insulinresistenz begünstigt wiederum Übergewicht, weil das Hormon den Körper veranlasst, immer mehr Energie zu speichern, zudem fördert es die Produktion männlicher Hormone - ein Teufelskreis. Ist das empfindliche Zusammenspiel der Hormone im weiblichen Körper gestört, kann das PCO-Syndrom Unfruchtbarkeit verursachen.

Symptome des PCO-Syndroms

Beim PCO-Syndrom können folgende Symptome in unterschiedlicher Ausprägung auftreten:

  • unregelmäßige oder ausbleibende Monatsblutungen
  • Haarausfall, ähnlich wie bei Männern (Geheimratsecken, Glatze)
  • fettige Haut, Akne - auch nach der Pubertät
  • Haarwuchs an Oberschenkeln, Bauch, Brust, Rücken, Kinn und Wangen
  • dunkle Hautverfärbungen an Hals, Nacken, unter der Brust oder den Achseln
  • Unfruchtbarkeit
  • Übergewicht

Die körperlichen Beschwerden haben häufig deutliche Auswirkungen auf die Psyche der Betroffenen.

Nach den Wechseljahren gehen die Beschwerden bei vielen deutlich zurück.

PCO-Syndrom: Blutuntersuchungen wichtig für die Diagnose

Die Gynäkologin wird die Krankengeschichte erfragen, eine körperliche Untersuchung mit Beurteilung der Haut und der Körperbehaarung vornehmen und die Eierstöcke im Ultraschall untersuchen. Um den Hormonstatus festzustellen und Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse und der Nebenniere auszuschließen, sind umfangreiche Blutuntersuchungen notwendig: auf männliche Hormone, weibliche (Zyklus-)Hormone und das Anti-Müller-Hormon, das bei Betroffenen häufig erhöht ist. Weil mit dem PCO-Syndrom tiefgreifendere Stoffwechselveränderungen verbunden sind, werden auch die Blutfettwerte bestimmt und gegebenenfalls ein Glukose-Toleranz-Test (oGTT) gemacht. Zudem ist eine Untersuchung der Schilddrüsenhormone angeraten, da etwa jede dritte Betroffene auch an einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse leidet, der sogenannten Hashimoto-Thyreoditis. Diese Schilddrüsenunterfunktion kann, genauso wie das PCO-Syndrom selbst, Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch sein.

Therapie: Ernährung hilft, Hormone einzupegeln

Auch wenn sich die Krankheit nicht heilen lässt, können die Symptome doch deutlich gemildert werden. Bei Übergewicht bewirkt die Gewichtsabnahme allein oft eine deutliche Besserung. Allerdings ist Abnehmen für Betroffene durch die gestörte Hormonkonstellation häufig schwer.

Eine Veränderung des Lebensstils und der Ernährungsgewohnheiten hilft, den gestörten Hormonhaushalt wieder zu regulieren. Denn wenn die Muskeln aktiv sind und insbesondere das hormonproduzierende Bauchfett schmilzt, reagieren die Zellen besser auf Insulin, der Blutzuckerspiegel sinkt - und damit auch die Produktion männlicher Hormone. Daher sollten vor allem Weißmehlprodukte und Süßigkeiten möglichst gemieden werden. Stattdessen gehören mehr Gemüse, Vollkorn und sättigendes Eiweiß auf den Speiseplan, kombiniert mit omega-3-haltigen Ölen wie Walnuss- oder Leinöl.

Diabetes-Medikamente beim PCO-Syndrom

Falls eine Insulinresistenz nachgewiesen ist, kann begleitend zur Ernährungstherapie zumindest vorübergehend auch eine Therapie mit oralen Diabetes-Medikamenten wie Metformin angezeigt sein. Dadurch bessern sich die Probleme mit dem Zuckerstoffwechsel, eventuell aber auch die Zyklusstörungen und andere Symptome.

Bei unerfülltem Kinderwunsch kann der Arzt zusätzlich Medikamente verordnen, die die Eierstöcke stimulieren und den Eisprung fördern (Clomifen). Besteht kein Kinderwunsch, kann dagegen der Zyklus mithilfe der Antibabypille stabilisiert werden. Sie verhindert den Eisprung, einige Präparate wirken zudem anti-androgen, verringern also den Einfluss der männlichen Hormone, sodass Haarausfall, Bartwuchs und Akne nachlassen.

Viel schwerer noch als die körperlichen Probleme wiegen für viele Betroffenen ihre seelischen Nöte. Hier kann ebenfalls eine ärztliche Behandlung nötig sein, falls nicht der Austausch mit anderen Betroffenen hilft.

Weitere Informationen
Verschiedene gesunde Lebensmittel und eine Schürze der Ernährungs-Docs liegen auf einem Tisch. © NDR Foto: Claudia Timmann

Ernährung beim PCO-Syndrom

Eine Veränderung des Lebensstils und der Ernährungsgewohnheiten hilft, den gestörten Hormonhaushalt wieder zu regulieren. mehr

Darmflora © fotolia Foto: Alex

Probiotika und Präbiotika: Gutes für den Darm

Eine gesunde Darmflora wirkt sich positiv auf unsere gesamte Gesundheit und unser Wohlbefinden aus. Wie kan man sie fördern? mehr

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 07.02.2022 | 21:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Medizinische Therapie

Ernährung

Mehr Gesundheitsthemen

Ein Mann hält eine Einmal-Maske an den Gummibändern in den Händen © Colourbox Foto: nito

Corona-Sommerwelle: BA.4 und BA.5 vorherrschend

Warum infizieren sich derzeit so viele Menschen mit dem Coronavirus? Für wen ist die vierte Impfung sinnvoll? mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Podcast mit Christian Drosten & Sandra Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr