Nierensteine: Vorbeugung, Symptome und die richtige Behandlung

Stand: 29.01.2021 10:20 Uhr

In Deutschland leiden etwa fünf Prozent der Menschen an Nierensteinen, Männer sind häufiger betroffen als Frauen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Fälle mehr als verdreifacht.

Nierensteine können lange Zeit unbemerkt bleiben, aber auch schmerzhafte Nierenkoliken und Harnstau verursachen. Im schlimmsten Fall droht eine Blutvergiftung.

Nierensteine: Symptome und Diagnose

Nierensteine entstehen meist im Nierenhohlsystem und wandern über das Nierenbecken in die Harnleiter. Wenn sie dort festklemmen, können die typischen kolik- und krampfartigen Schmerzen auftreten, weil der Körper versucht, die Steine durch Muskelkraft weiterzubewegen. Durch den verstopften Harnleiter kann es zu einem behandlungsbedürftigen Harnaufstau kommen: Bakterien können sich dabei sehr schnell vermehren und zu einer Entzündung führen. In einigen Fällen steigen die Entzündungswerte so stark an, dass eine Blutvergiftung droht.

Mit einer Ultraschalluntersuchung kann ein Urologe Nierensteine sicher nachweisen.

Ursache von Nierensteinen

Die Entstehung von Kalziumoxalat- und Harnsäuresteinen in der Niere hängt eng mit der Ernährung zusammen.

Ein Großteil der Erkrankungen ließe sich verhindern. Die Ursachen für die Entwicklung von Nierensteinen  liegen in einer Kombination aus genetischer Veranlagung und dem Lebensstil. Oft entwickeln sich die Steine infolge von ungesunden Ernährungsgewohnheiten, unzureichender Flüssigkeitsaufnahme und Stoffwechselstörungen. Dadurch kristallisieren im Urin gelöste Salze oder Harnstoffe und verklumpen.

Fünf Faktoren begünstigen Nierensteine

Für mehr als die Hälfte der Nierenstein-Fälle sind nach aktuellen Studien fünf Faktoren verantwortlich:

  • zu wenig Wasserkonsum
  • süße Getränke
  • falsche Ernährung (zum Beispiel viel rotes Fleisch)
  • zu viel Kalzium (etwa aus Milchprodukten oder bestimmten Mineralwasser-Sorten)
  • Übergewicht

Ein typischer Nierenstein-Erkrankter ist übergewichtig, bewegt sich zu wenig, isst viel rotes Fleisch und nimmt zu wenig Flüssigkeit zu sich. Eine Veränderung der Ess- und Lebensgewohnheiten kann das Risiko, dass sich ein Nierenstein bildet, um 40 Prozent reduzieren, wie Experten betonen.

Art der Nierensteine für Behandlung wichtig

Für die Behandlung der Nierensteine ist deren Ursache und Art wichtig.

  • 75 Prozent aller Nierensteine sind sogenannte Kalziumoxalatsteine. Sie entstehen durch eine stoffwechselbedingte übermäßige Ausscheidung von Kalzium und Oxalat über den Urin.
  • Bei weiteren zehn Prozent aller Nierensteine handelt es sich um ernährungsbedingte Harnsäuresteine. Sie entstehen vor allem durch die übermäßige Aufnahme von tierischen Eiweißen und Alkohol sowie durch Fastenkuren.
  • Sogenannte Kalziumphosphatsteine werden vor allem durch Harnwegsinfekte verursacht.
  • Sehr selten sind Zystinsteine. Deren Ursache sind angeborene Stoffwechselstörungen, bei denen es zu einer erhöhten Konzentration der schwerlöslichen Aminosäure Zystein im Urin kommt. Betroffenen dieser Stoffwechselerkrankung fehlt ein Transport-Protein im Dünndarm, das bestimmte Stoffe aus dem Verdauungsprodukt herausfiltert (unter anderem Zystein/Zystin). Deshalb gelangt mehr Zystin als bei Gesunden in den Urin und reichert sich dort in 20- bis 30-fach höherer Konzentration an, sodass es auskristallisiert. 

Wann Nierensteine medizinisch behandelt werden müssen

Kleinere Steine gehen in den meisten Fällen spontan ab. Ihre Ausscheidung kann durch eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr und durch körperliche Aktivität gefördert werden.

Werden die Steine nicht spontan ausgeschieden, können sie mithilfe der sogenannten extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie (ESWL) oder mit einem endoskopischen Verfahren wie Ureterorenoskopie und Nephrolithotomie zerstört werden.

  • Bei der ESWL werden die Steine durch elektromagnetische Stoßwellen von außen zertrümmert. Die Bruchstücke werden mit dem Urin ausgeschieden. Die Behandlung kann ohne Narkose erfolgen, ist aber nicht schmerzfrei. Sie dauert je nach Größe und Lokalisation des Steines etwa eine Stunde.

  • Bei der Ureterorenoskopie wird eine Spiegelung des gesamten Harntraktes vorgenommen. Steine können so lokalisiert und schonend entfernt werden. Der Eingriff erfolgt in der Regel in Vollnarkose.

  • Bei der perkutanen Nephrolithotomie erfolgt die Entfernung der Steine durch eine röntgen- oder ultraschallkontrollierte Punktion der betroffenen Niere durch die Haut. Auch dieser Eingriff erfordert eine Vollnarkose.

Nierensteine durch geeignete Ernährung verhindern

In bis zu 50 Prozent der Fälle treten Nierensteine wiederholt auf. Daher sind prophylaktische Maßnahmen unerlässlich, um eine erneute Entstehung zu verhindern. Sinnvoll sind

  • eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme von etwa zwei bis drei Litern pro Tag (bei Zystinsteinen mindestens vier Liter)
  • eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, wenig Alkohol und nicht zu viel Fleisch
  • das Halten beziehungsweise Erreichen eines Normalgewichts.

Bewegung ist ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt: Täglich 10.000 Schritte sollten es mindestens sein.

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 15.02.2021 | 21:00 Uhr

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