Stand: 18.10.2019 14:06 Uhr  | Archiv

Neue Antibabypillen erhöhen Thrombose-Risiko

Eine Blister der Anti-Baby-Pille © picture alliance / dpa Themendienst Foto: Andrea Warnecke
Pillen der dritten und vierten Generation haben ein besonders stark erhöhtes Thrombose-Risiko.

Moderne Antibabypillen der dritten und vierten Generation werden auch mit positiven Effekten für Haut und Haar beworben und millionenfach verordnet. Doch sie bergen ein bis zu doppelt so hohes Risiko für Thrombose und Lungenembolie wie ältere Pillen.

Die Pille ist eine beliebte Verhütungsmethode. Besonders junge Frauen vertrauen auf den relativ einfachen Schutz vor ungewollter Schwangerschaft. Doch bei jeder hormonellen Verhütung steigt das Risiko, eine Thrombose zu erleiden:

  • Ohne hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille erkranken 2 von 10.000 Frauen im Jahr an einer Thrombose.

  • Mit einer Pille der zweiten Generation sind es 5 bis 7 von 10.000 Frauen.

  • Mit den Pillen der dritten und vierten Generation sind es zwischen 8 bis 11 Betroffene pro 10.000 Frauen.

Rote-Hand-Brief zum Wirkstoff Dienogest

Zum Wirkstoff Dienogest aus der dritten und vierten Generation der Antibabypille gibt es einen Rote-Hand-Brief des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), der Ärzte vor den Nebenwirkungen warnt.

Laut BfArM ergaben Studien ein 1,6-fach erhöhtes Risiko für sogenannte venöse Thromboembolien (VTE) bei Frauen, die kombinierte hormonale Kontrazeptiva (KHK) anwenden, die Dienogest/Ethinylestradiol enthalten. Statistisch erkranken 8 bis 11 von 10.000 Frauen an einer Thrombose. Im Vergleich dazu hatten Kombinationen von Levonorgestrel/Ethinylestradiol‐Kombinatione ein niedrigeres Risiko.

Ignorieren Frauenärzte erhöhtes Thrombose-Risiko?

Viele Frauenärzte verschreiben trotzdem vorwiegend die Pillen der dritten und vierten Generation, obwohl nach einer EU-Vorgabe die Warnungen im Beipackzettel verschärft wurden.

Mögliche Gründe: Gynäkologen sehen das Problem häufig nicht, da es sich um eine seltene Nebenwirkung handelt und die Ärztinnen und Ärzte sie schlichtweg nicht zu Gesicht bekommen, da unter ihren Patientinnen keine erkrankten Frauen sind. Experten monieren außerdem, dass manche Gynäkologinnen und Gynäkologen lieber Hochglanzbroschüren der Firmen berücksichtigen als die Erkenntnisse wissenschaftlicher Veröffentlichungen.

Alternative: Ältere Pillen oder hormonfreie Verhütung

Statt der neuen Antibabypillen können Frauen die altbewährten Präparate der zweiten Generation nehmen oder alternative Verhütungsmittel wie Kupferspiralen oder -ketten verwenden.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Gerd Glaeske
Gesundheitswissenschaftler
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Universität Bremen
Mary-Somerville-Straße 3, 28359 Bremen
www.socium.uni-bremen.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 22.10.2019 | 20:15 Uhr

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