Stand: 12.08.2019 09:59 Uhr  | Archiv

Gefährlichen Muskelabbau erkennen und behandeln

Atmen, laufen oder auch lachen - all dies wäre ohne unsere Muskeln nicht möglich. In einem komplexen Zusammenspiel steuern 656 Muskeln den Körper. Einige, wie der Bizeps oder die Bauchmuskulatur, können wir bewusst aktivieren, andere, zum Beispiel der Herzmuskel, arbeiten von selbst. Lässt die Muskelmasse nach, verringert sich unsere komplette Körperstabilität. Mediziner sprechen bei einem sehr starken Verlust von Muskelmasse und -kraft auch von einer Sarkopenie.

Ursache: Bewegungs- oder Nährstoffmangel

Muskelabbau ist ein normaler physiologischer Vorgang. Bis zu zehn Prozent Muskeln pro Jahr verliert der Mensch ab dem 30. Lebensjahr. Die Muskeln werden nach und nach in Fett umgewandelt. Beschleunigt wird der Muskelabbau durch Bewegungsmangel: Ohne Sport büßen wir bis zum 80. Lebensjahr bis zu 40 Prozent unserer Muskelmasse ein. Wer beispielsweise nach einer Operation eine Woche stramm ans Bett gefesselt ist, kann allein durch das Liegen 20 bis 25 Prozent seiner Muskelmasse einbüßen - es dauert mindestens sechs Wochen, bis diese bei regelmäßigem Training wieder aufgebaut ist.

Aber auch Nährstoffmangel spielt eine wichtige Rolle. Wenn wir die für den täglichen Betrieb unseres Körpers notwendigen Eiweiße nicht durch die Nahrung zu uns nehmen, ist der Körper gezwungen, sie aus unserer Muskulatur abzubauen. Für Fette und Kohlenhydrate haben wir Speicher, für Eiweiße jedoch nicht. Jeder Sportler weiß: Für eine gute Muskulatur muss man genügend Eiweiß aufnehmen. Viele Menschen essen wenig eiweißbetont, besondere Schwierigkeiten bei der Eiweiß-Versorgung haben aber zum Beispiel aufgrund des Dumping-Syndroms Magenbypass-Patienten. Mangelerscheinungen können sich außerdem bei Magen-Darm-Erkrankungen, bestimmten Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Appetitlosigkeit (Anorexie) ergeben.

Verminderter Appetit, Rückenschmerzen oder "Wackeligkeit" mögliche Symptome

Weniger Muskelmasse bedeutet, dass Stoffwechsel und Energieverbrauch heruntergefahren werden. Daraus resultieren ein verringerter Appetit und eine reduzierte Nahrungsaufnahme. Die Folge: Betroffene werden noch schwächer, sie bewegen sich weniger - und die Muskelmasse geht noch weiter zurück. Die fehlende Muskelkraft führt zu Rückenschmerzen, früher Gebrechlichkeit, einem erhöhten Sturzrisiko und Osteoporose.

Diagnose durch Messungen oder "Stuhlaufstehtest"

Finger zeigt auf Bildschirm mit Ergebnissen einer Bioimpedanzmessung. © NDR Foto: nonfictionplanet
Die Bio-Impedanz-Messung ist "das EKG der Körperzusammensetzung".

Durch einfache Messungen wie zum Beispiel die Bio-Impedanz-Analyse (BIA) können Mediziner den Muskelanteil im Körper messen. Oft reicht schon ein Händedruck, um Rückschlüsse auf die gesamte Körperkraft zu bekommen - Greifstärkemesser (sogenannte Dynamometer) kommen hier zum Einsatz.

Mit einem simplen Krafttest kann der Arzt prüfen, wie lange der Patient braucht, um fünf Mal von einem Stuhl aufzustehen: Benötigt er mehr als zehn Sekunden, ist ein Training angezeigt.

Therapie: regelmäßige Bewegung und Belastung

In jedem Alter lässt sich Muskelabbau durch regelmäßige Bewegung aufhalten und sogar umkehren. Die Muskulatur muss dafür aber gezielt trainiert werden. Experten raten zu 140 bis 150 Minuten Training (fünf Mal 30 Minuten) pro Woche. Beim Training ist es wichtig, an die Grenzen zu gehen, um den Muskel auch einen Reiz zum Wachsen zu geben.

Bewegungstherapie
Svea Köhlmoos liegt auf dem Rücken, Beine, angewickelt, ein Ball zwischen den Fußknöcheln. © NDR

Bewegungstherapie bei Muskelabbau

Muskelabbau macht gebrechlich und setzt eine Abwärtsspirale in Gang. Wichtig ist insbesondere ein geeignetes Krafttraining zum Muskelaufbau - und das kann man in jedem Alter beginnen. mehr

Um Risiken auszuschließen und das individuell abgestimmte Training so effektiv wie möglich zu gestalten, sollte vor dem Training eine gründliche Untersuchung stattfinden.

Ernährungstherapie: Eiweiß für den Muskelaufbau

Neben dem regelmäßigen Training spielt die Ernährung einen wichtige Rolle: Eiweißreiche Lebensmittel unterstützen den Muskelaufbau. 1 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht sollten täglich verzehrt werden. Optimal ist es, die Eiweißzufuhr auf die drei Hauptmahlzeiten zu verteilen, denn maximal 30 Gramm Protein pro Mahlzeit kann der Körper effizient verwerten. Besonders gut sind Molkeproteine, die wichtiger Bestandteil der Milch sind.

Ernährungstherapie
Eine Box mit verschiedenen gesunden Lebensmitteln. (Bildmontage) © fotolia.com Foto: pat_hastings, Sphotocrew, valery121283, atoss

Ernährung nach einer Magenverkleinerung

Für Betroffene ist es wichtig, Essen und Trinken zu trennen. Der Speiseplan sollte mehrere kleine, eiweißreiche Mahlzeiten umfassen. Zucker und Fett sind weniger verträglich. mehr

Blühende Ackerbohne © picture alliance/AGRAR-PRESS Foto: Krick

Ackerbohne und Co. - So gesund ist Pflanzen-Eiweiß

Unser Körper braucht das wertvolle Eiweiß aus der Nahrung für den Aufbau und Erhalt der Muskeln. Doch wie viel ist gesund? mehr

Für den Muskelstoffwechsel spielt auch Vitamin D eine wichtige Rolle. Um es zu produzieren, benötigt der Körper Sonnenlicht. Rund 60 Prozent der Deutschen leiden in den Herbst- und Wintermonaten unter Vitamin-D-Mangel. Experten empfehlen deshalb die Einnahme von mindestens 800 IE (internationalen Einheiten) Vitamin D pro Tag.

Weitere Informationen bei Visite
Ältere Frau schält Banane © picture-alliance/chromorange

Gefährliche Mangelernährung bei Senioren

Eine ausreichende und ausgewogene Ernährung ist wichtig für die Gesundheit. Aber alte Menschen sind oft mangelhaft ernährt. Visite gibt Tipps für Ernährung im Alter. mehr

Seniorenpaar trainiert im Fitness-Center mit Kurzhanteln. © fotolia Foto: contrastwerkstatt

Muskelabbau: Das unterschätzte Risiko

Ohne Sport büßt ein Mensch bis zum 80. Lebensjahr bis zu 40 Prozent seiner Muskelmasse ein, mit Folgen für den gesamten Organismus. Bewegung hilft gegen den Muskelabbau. mehr

Dieses Thema im Programm:

Die Bewegungs-Docs | 12.08.2019 | 21:00 Uhr

Mehr Gesundheitsthemen

Diverse Lebensmittel © colourbox Foto: Yuliya Furman

Pegane Ernährung - wie sie funktioniert, was sie bringt

Pegane Ernährung - eine Mischung aus paleo und vegan - trendet zurzeit. Ist sie alltagstauglich und für jeden geeignet? mehr

Junge Frau im Bett schaut verzweifelt und legt die Hand gegen die Stirn. © Fotolia.com Foto: Sergey

Schlafstörungen: Wie kann Naturheilkunde helfen?

Die Naturheilkunde hat verschiedene Methoden, die bei Schlafstörungen helfen können - ganz ohne Nebenwirkungen. mehr

Eine Klinik-Mitarbeiterin zieht einen Covid-19-Impfstoff für eine Impfung auf eine Spritze. © dpa-Bildfunk Foto: Sven Hoppe

Corona: Wie wirkt die Impfung?

Wie wirkt die Impfung gegen das Coronavirus und welche Nebenwirkungen gibt es? mehr

Ein Tropfen hängt an einer Nadelspitze. Dahinter das Wort "Impfung". © picture alliance/Friso Gentsch/dpa Foto: Friso Gentsch

Corona-Impfzentren: Wo und wann wird jetzt geimpft?

Die Impfzentren im Norden sind eingerichtet. Doch wer ist wann an der Reihe und wie kann man sich anmelden? Ein Überblick. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Podcast mit Christian Drosten & Sandra Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr