Morbus Still: Wenn das Immunsystem überreagiert

Stand: 29.09.2022 14:30 Uhr

Der adulte Morbus Still (Still-Syndrom) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem aktiviert wird. Der Körper reagiert, als würde er eine Infektion bekämpfen. Symptome sind Fieber, Gelenkschmerzen und Hautausschläge.

Das Still-Syndrom des Erwachsenen (auf Englisch: Adult-Onset Still's Disease, AOSD) ist eine sehr seltene Erkrankung, die dem sogenannten Still-Syndrom beim Kind (Systemische juvenile idiopathische Arthritis, SJIA), der schwersten rheumatischen Erkrankung im Kindesalter, ähnelt.

Symptome des Morbus Still: Fieber, Hautausschlag, Gelenkschmerzen

Meist leiden die Betroffenen zunächst an einer schmerzhaften Rachenentzündung, wobei sich beim Blick in den Rachen aber keine Auffälligkeiten zeigen. Oft beginnt die Erkrankung als Fieber unklarer Ursache. Typisch für das Still-Syndrom im Erwachsenenalter sind drei Symptome:

  • hohes Fieber, vor allem am späten Nachmittag
  • Lachsfarbener Hautausschlag, der zusammen mit dem Fieber auftritt und nicht juckt.
  • Gelenkschmerzen oder -entzündungen im weiteren Verlauf, ohne dass Rheumafaktoren und sogenannte antinukleäre Faktoren im Serum auffällig werden.

Diagnose: Laborwerte zeigen Entzündungen

Im Labor fallen Entzündungswerte (BSG, CRP) auf, oft sind die weißen Blutkörperchen vermehrt. Weitere mögliche Symptome sind vergrößerte Leber und Milz, geschwollene Lymphknoten und Entzündungen von Rippelfell und Herzbeutel.

Ursache und Verlauf des Morbus Still bei Erwachsenen

Ursache der Symptome ist zuerst eine überschießende Aktivität der Zellen der angeborenen Immunabwehr. Wenn die Erkrankung chronisch die Gelenke angreift, spielt im späteren Verlauf vorwiegend das erworbene Immunsystem eine Rolle. Eine gefährliche Komplikation des Morbus Still beim Erwachsenen ist der sogenannte Zytokinsturm. Dabei aktivieren Botenstoffe (Zytokine) die Fresszellen des Immunsystems im Übermaß, so dass gesundes Gewebe angegriffen wird. Die Auslöser der Erkrankung sind ungeklärt, möglich ist, dass Infektionen mit Viren oder Bakterien als Trigger beteiligt sind.

Therapie: Kortison und Antirheumatika können helfen

Zur Behandlung des Still-Syndroms werden hochdosiertes Kortison und moderne Antirheumatika eingesetzt, wie Wirkstoffe Canakinumab und Anakinra. Dabei handelt es sich um Antikörper, die gezielt die beim Still-Syndrom übersteigerte Aktivität des Botenstoffes IL-1 dämpfen.

Expertinnen und Experten zum Thema

 

Weitere Informationen
Ader mit roten Blutkörperchen © picture alliance Foto: P.Arnold, Inc./Helga Lade

Abenteuer Diagnose: Takayasu-Arteriitis

Die Takayasu-Arteriitis ist eine sehr seltene Autoimmunerkrankung, bei der sich die Aorta und ihre Hauptgefäße entzünden. mehr

Der Oberarm eines Muskelmodells aus Kunsstoff © Colourbox Foto: -

Myositis: Wenn die Muskelkraft nachlässt

Bei einer Myositis greift das Immunsystem die Muskulatur an. Was sind die Symptome, wie wird die Diagnose gestellt? mehr

Dieses Thema im Programm:

Visite | 04.10.2022 | 20:15 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Immunsystem

Mehr Gesundheitsthemen

Junge Frau im Bett schaut wütend auf den Wecker, der auf dem Nachttisch steht. © colourbox

Schlafstörungen: Ursachen und Auswirkungen

Auslöser für schlechten Schlaf können etwa Schichtdienst, eine Depression oder auch die Wechseljahre sein. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Podcast mit Christian Drosten & Sandra Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr