Abenteuer Diagnose: Takayasu-Arteriitis

Stand: 01.11.2021 11:53 Uhr

Bei der Takayasu-Arteriitis greift das körpereigene Immunsystem die Gefäße an. In der Folge können die Organe sowie Gliedmaßen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.

Die Takayasu-Arteriitis ist eine sehr seltene Autoimmunerkrankung, bei der sich die Hauptschlagader (Aorta) und die von ihr abgehenden Gefäße entzünden. Dadurch verengen sich die Gefäße mit der Zeit und es kommt zu Durchblutungsstörungen. Betroffen sind meist junge Frauen unter 40 Jahren - in der Regel beginnt die Takayasu-Arteriitis zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Bislang ist die Erkrankung nicht heilbar und verläuft unbehandelt oder zu spät erkannt meist tödlich.

Ursachen sind nicht bekannt

Die Ursache der Takayasu-Arteriitis ist bislang nicht bekannt. Vermutlich ist Auslöser der Erkrankung eine erbliche Veranlagung in Kombination mit Umweltfaktoren wie Strahlung, Gifte, Stress, Hepatitis-Viren oder einer Infektion mit dem Bakterium Staphylococcus aureus.

Das körpereigene Immunsystem greift die Gefäße an. Dabei sammeln sich knötchenförmige Fresszellen des Immunsystems (Makrophagen) an der Gefäßwand an und zerstören sie. Dadurch vernarbt die Gefäßwand und verdickt sich - es kommt zu Verengungen. Das führt dazu, dass die Organe sowie Gliedmaßen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.

Symptome: Abgeschlagenheit, Fieber, Nachtschweiß

Je nachdem, welche Gefäße befallen sind, kann es bei der Takayasu-Arteriitis zu unterschiedlichen Beschwerden kommen:

  • Abgeschlagenheit
  • Leichtes Fieber
  • Nachtschweiß
  • Appetitlosigkeit
  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Schwäche

Ist die Erkrankung schon weit fortgeschritten, kommt es wegen der verengten Gefäße und der Durchblutungsstörungen zu chronischen Beschwerden. Häufige Symptome sind:

  • Schwindel (Vertigo)
  • Ohnmachtsanfälle
  • Sehstörungen
  • Durchblutungsstörungen in Armen und/oder Beinen
  • Bluthochdruck
  • Schlaganfall
  • Herzinfarkt
  • Aneurysma

Diagnose mit bildgebenden Verfahren

Nach der körperlichen und der Blut-Untersuchung kommen bei der Diagnose der Takayasu-Arteriitis bildgebende Verfahren zum Einsatz: eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie), eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT).
Anhand bestimmter Kriterien kann dann die Diagnose gestellt werden - sind mindestens drei erfüllt, liegt sehr wahrscheinlich eine Takayasu-Arteriitis vor:

  • Betroffene sind unter 40 Jahre alt
  • Durchblutungsstörungen in den Armen und/oder Beinen, mit Hinken oder Muskelschmerzen
  • schwacher Puls (unter 60) an der Hauptarterie des Arms
  • der systolische Blutdruck unterscheidet sich an den Armen um mehr als 10 mmHg
  • Strömungsgeräusche des Blutes sind über der Hauptschlagader (Aorta) oder der Arterie unter dem Schlüsselbein (Arteria subclavia) mit dem Stethoskop hörbar
  • Veränderungen im Arteriogramm (z.B. Gefäßveränderungen an der Hauptschlagader) lassen sich feststellen

Therapie mit Kortison und Immunsuppressiva

Kortison und Medikamente, die das körpereigene Abwehrsystem unterdrücken (Immunsuppressiva), verhindern das Voranschreiten der Erkrankung. Wird Kortison nicht vertragen oder reicht es nicht aus, kommen stärkere Immunsuppressiva wie Methotrexat oder Cyclophosphamid zum Einsatz. Zusätzlich verhindern Blutverdünner die Gefahr von Thrombosen.

Wirken die Immunsuppressiva nicht, helfen TNF-Alpha-Blocker: Diese gentechnisch hergestellten Medikamente (Biologika) richten sich gegen bestimmte Botenstoffe, die die Entzündung an den Gefäßwänden verursachen.

Sind nach längerer Erkrankung die Gefäße schon stark verengt, können sie mit chirurgischen und minimal-invasiven Verfahren wie zum Beispiel Ballondilation, Stents oder einer Bypass-Operation wieder durchgängig gemacht werden.

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Visite | 02.11.2021 | 20:15 Uhr

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