Stand: 02.10.2018 11:07 Uhr

Hüftprothese: Wann ein Austausch nötig ist

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Ein künstliches Hüftgelenk muss gut und fest sitzen.

Wenn die Hüfte bei jedem Schritt schmerzt oder nicht mehr belastbar ist, bleibt oft nur der Einbau eines künstlichen Hüftgelenks, um wieder schmerzfrei beweglich zu werden und moderat Sport treiben zu können. Mehr als 200.000 Hüftprothesen, sogenannte Hüft-Total-Endoprothesen (Hüft-TEP) werden pro Jahr in Deutschland eingesetzt.

Doch die künstlichen Gelenke halten nicht ewig. Im Durchschnitt ist derzeit von einer Haltbarkeit von 15 Jahren und länger auszugehen. Je jünger ein Betroffener zum Zeitpunkt der Gelenkimplantation ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er sich einer Wechseloperation unterziehen muss. Jährlich werden mehr als 20.000 Operationen zum Austausch von Hüftprothesen durchgeführt. Drei häufige Gründe für den Wechsel sind eine Lockerung des künstlichen Hüftgelenks, eine Besiedlung mit Keimen und ein Verschleiß der Prothese.

Eine künstliche Hüfte mit Gelenk.

Hüftprothese: Wann ein Austausch nötig ist

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Ein künstliches Hüftgelenk hat nur eine begrenzte Haltbarkeit. Ein häufger Grund für eine Wechseloperation ist eine lockere Prothese. Was sollten Betroffene beachten?

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Lockere Hüftprothese: Operation nötig

Früher oder später lockert sich die Prothese und verliert ihren festen Halt im Knochen. In den meisten Fällen betrifft das die Pfanne, aber auch der Schaft kann sich mit der Zeit lockern. Die Folge sind Schmerzen in der Leiste bei Belastung. In diesem Fall bleibt nur eine Operation. Sie sollte rechtzeitig erfolgen, um den Knochenverlust so gering wie möglich zu halten. Denn je länger ein Betroffener eine lockere Hüftgelenksprothese belastet, umso mehr wird die umgebende Knochensubstanz geschädigt - und umso schwieriger wird es, einer neuen Prothese sicheren Halt zu verschaffen.

Interview
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Tipps zum Austausch des Hüftgelenks

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Ein künstliches Hüftgelenk hat nur eine begrenzte Haltbarkeit. Was Betroffene beachten sollten, erklärt Orthopäde Professor Karl-Dieter Heller. Video (06:26 min)

Lockere Hüftprothese: Diagnose oft schwierig

Auf Röntgenbildern ist nicht immer deutlich zu erkennen, ob sich ein Implantat gelockert hat. Deshalb ist es schwierig, den richtigen Zeitpunkt für die Wechsel-OP zu erkennen. In einigen Fällen helfen Computer- oder Kernspintomografie weiter. Treten Schmerzen in der Leiste auf, die früher nicht vorhanden waren, sollten Betroffene das vom Arzt abklären lassen und im Zweifel auch eine zweite Meinung einholen.

Lockere Hüfte per Geräuschtest erkennen

Forscher der Universität Rostock arbeiten derzeit an einem neuen Verfahren, mit dem sich lockere Implantate besser und früher erkennen lassen sollen. Dabei wird eine winzige Metallkugel an einer Feder in einer Schraube befestigt und im Inneren des Prothesenschafts versenkt. Hält der Arzt eine Magnetspule von außen an die Hüfte, gerät die Metallkugel in Schwingung. Sie prallt gegen die Innenwand und erzeugt damit ein Geräusch:

  • Ist das Implantat fest im Knochen verankert, klingt das Geräusch dumpf.
  • Sitzt es locker, entsteht ein hellerer Klang.

Kleine Mikrofone zeichnen die Aufprallgeräusche der Kugel auf, ein Computerprogramm analysiert die Frequenzverschiebungen. So sollen Ärzte sehr früh und genau erkennen können, ob sich das Implantat gelockert hat. Die Rostocker Forscher hoffen, dass ihre Erfindung in einigen Jahren auf den Markt kommt - und Betroffenen dann Schmerzen und unnötige Wechseloperationen erspart.

Lockere Hüftprothese: Defekten Knochen aufbauen

Hat sich die Hüftprothese gelockert, können Ärzte Knochendefekte mit Knochenspänen füllen und neue Knochensubstanz um die Prothese herum aufbauen. Sie bestehen aus Knochengerüst, das zum Beispiel aus abgesägten Hüftköpfen gewonnen und aufbereitet wird. Unter moderater körperlicher Belastung wandern körpereigene Knochenzellen in das eingefügte Knochengerüst und bilden neuen, festen Knochen.

Durch das Auffüllen der Defekte mit Knochenmaterial lassen sich Hüftprothesen heute öfter wechseln als früher. Dennoch ist es das Ziel, vorhandene Knochensubstanz zu erhalten und ein möglichst kleines Implantat einzusetzen.

Keime an der Hüftprothese

Gelangen Bakterien an die Gelenkprothese, muss sie entfernt werden. Nach einer Antibiotika-Therapie kann in einer weiteren Operation ein neues Kunstgelenk eingesetzt werden. In den meisten Fällen tritt eine Keimbesiedelung in den ersten Wochen nach der Implantation auf. Risikofaktoren sind

  • eitrige Infektionen im Mund
  • offene Beine
  • Nagelpilz
  • starkes Übergewicht
  • Diabetes

Nur selten tritt eine Infektion an der Gelenkprothese erst längere Zeit nach der Operation auf.

Verschleiß der Hüftprothese

Wie schnell ein künstliches Hüftgelenk verschleißt, hängt vor allem von der Operationsmethode, der Aktivität des Betroffenen und vom verwendeten Material ab. Meist besteht die Kugel aus einer widerstandsfähigen Keramik, die in einer Hüftpfanne aus Keramik oder Polyethylen gleitet. Diese Materialkombination gilt als besonders haltbar. Je besser die Komponenten der künstlichen Gelenks ineinander gleiten, desto länger hält sie. Schon geringe Abweichungen beschleunigen den Verschleiß der Gelenkflächen deutlich.

Der durch den Verschleiß bedingte Abrieb besteht aus winzigen Partikeln, die den Knochen angreifen. In vielen Fällen muss nicht die komplette Prothese ausgetauscht werden, sondern nur die verschlissene Komponente, also das Pfanneninlay oder der mit dem Schaft verschraubte Kugelkopf. Je weiter der Verschleiß vorangeschritten ist, desto aufwendiger ist die Operation. Deshalb sollte der Wechsel nicht zu lange herausgezögert werden.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Karl-Dieter Heller, Chefarzt
Orthopädische Klinik
Herzogin Elisabeth Hospital
Leipziger Straße 24
38124 Braunschweig
(0531) 699-20 01
www.heh-bs.de

Prof. Dr. Christian H. Flamme, Chefarzt
Orthopädie und Unfallchirurgie
Krankenhaus Buchholz
Steinbecker Straße 44
21244 Buchholz
www.krankenhaus-buchholz.de

Weitere Informationen
Informationsportal des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU e.V.)
www.orthinform.de

Deutsches Arthrose Forum
www.deutsches-arthrose-forum.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 02.10.2018 | 20:15 Uhr

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