Eine Frau hält sich den unteren Rücken. © colourbox

Was tun bei einem Hexenschuss?

Stand: 20.12.2020 09:58 Uhr

Typisch für einen Hexenschuss (Lumbago) ist ein reißender, sehr heftiger Schmerz im unteren Rücken. Bewegung und einfache Übungen können helfen.

Bei einem Hexenschuss ist häufig die Lendenwirbelsäule betroffen, weil dort in der tiefen Rückenmuskulatur zahlreiche Nervenbahnen und Muskelstränge verlaufen. Sind die Muskeln zum Beispiel durch viel Sitzen, Bewegungsmangel oder Verspannungen geschwächt, durch Fehlhaltung ungleich belastet oder falsch trainiert, reichen eine abrupte Bewegung, ein falsches Bücken, Drehen oder Heben, dass die Muskulatur die Wirbelsäule blockiert. Auch Nässe, Kälte und Zugluft können einen Hexenschuss auslösen. Die Schmerzen sind bei einigen Betroffenen so heftig, dass sie sich am liebsten keinen Millimeter bewegen möchten.

Weitere Informationen
Dr. Helge Riepenhof
4 Min

Hexenschuss-Talk: Was tun bei Rückenschmerzen?

Ein Hexenschuss führt zu Rückenschmerzen. Wie kann man die Beschwerden lindern und chronischen Rückenleiden vorbeugen? 4 Min

Diagnose: Bandscheibenvorfall ausschließen

Auch wenn sich hinter einem Hexenschuss in der Regel nur Verspannungen verbergen, muss ein Bandscheibenvorfall ausgeschlossen werden. Eine bildgebende Untersuchung ist dafür aber nicht erforderlich. Ist der Schmerz auf den Rücken beschränkt, handelt es sich um einen normalen Hexenschuss. Zieht er ins Bein, kann es auch nur ein Hexenschuss sein. Kann der Betroffene allerdings das Bein nicht mehr heben, spricht das für einen Bandscheibenvorfall.

Erste Hilfe beim Hexenschuss: Rückenlage und Wärme

Bei einem Hexenschuss können diese schnellen Maßnahmen Beschwerden lindern:

  • Auf den Rücken legen, Beine in Stufenlage (90-Grad-Winkel) ablegen - dabei ist eine gerade Linie des Rückens wichtig. Eine harte Unterlage ist besser als eine weiche.
  • Eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen kann die Schmerzen lindern.

Schmerztherapie mit Ibuprofen und Akupressur

Nach einem Hexenschuss sollten Betroffene so viel wie möglich in Bewegung bleiben. Mittel wie Ibuprofen lindern die Schmerzen, sollten aber nur wenige Tage und nach ärztlicher Beratung genommen werden. Auch eine Triggerpunkt-Akupressur kann hilfreich sein. Reicht das nicht aus, können gezielte Schmerzmittel-Injektionen unter Röntgenkontrolle, die periradikuläre Therapie (PRT) und eine Facettengelenksinfiltration (FGI) rasch für Schmerzfreiheit sorgen. Schmerzspritzen in den Gesäßmuskel werden nicht mehr verabreicht, da Komplikationen wie Abszesse und Nekrosen entstehen können.

Physiotherapie und Bewegung nach einem Hexenschuss

Auch Physiotherapie kann Patienten von akuten Schmerzen befreien und ihnen die normale Beweglichkeit zurückgeben. Langfristig hilft nur viel Bewegung. Vor allem Sportarten, die Gleichgewicht und Koordination schulen, können die kleine, tiefliegende Muskulatur stabilisieren. Und die ist beim Hexenschuss entscheidend. Als falsch erwiesen haben sich frühere Empfehlungen, man solle sich nach einem Hexenschuss schonen.

 

Weitere Informationen
Eine Frau hält sich den unteren Rücken. © fotolia.com Foto: anetlanda

Rückenschmerzen: Therapie beim ISG-Syndrom

Schmerzen im unteren Rücken kommen häufig vor. Oft ist ein blockiertes oder entzündetes Iliosakralgelenk die Ursache. Beim ISG-Syndrom kann eine manuelle Therapie helfen. mehr

Röntgenaufnahmen einer Wirbelsäule © fotolia Foto: digitalefotografien

Bandscheibenvorfall: Operation meist nicht sinnvoll

Beim Bandscheibenvorfall wird oft zu früh operiert. Doch nur in wenigen Fällen ist eine Operation sinnvoll. Welche Therapien empfehlen Ärzte heute? mehr

Eine Frau trainiert auf einer Faszienrolle © Colourbox Foto: Wolfgang Zwanzger

Faszien: Training kann Verspannungen lösen

Faszientraining kann schmerzhafte Verspannungen an Nacken, Schulter, Rücken und Beinen lösen. Jeder kann zu Hause mit Ball und Kunststoffrolle trainieren. mehr

Svea Köhlmoos liegt auf dem Rücken und rollt über eine Faszienrolle. © NDR

Übungen für einen schmerzfreien Rücken

Schuld an Rückenschmerzen ist oft eine Über- oder Fehlbelastung der Muskulatur. Für die Behandlung heißt das: geschwächte Muskeln kräftigen, verspannte und verkürzte dehnen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Visite | 22.09.2020 | 20:15 Uhr

Mehr Gesundheitsthemen

Eine Klinik-Mitarbeiterin zieht einen Covid-19-Impfstoff für eine Impfung auf eine Spritze. © dpa-Bildfunk Foto: Sven Hoppe

Corona: Wie wirkt die Impfung?

Wie wirkt die Impfung gegen das Coronavirus und welche Nebenwirkungen gibt es? mehr

Ein Tropfen hängt an einer Nadelspitze. Dahinter das Wort "Impfung". © picture alliance/Friso Gentsch/dpa Foto: Friso Gentsch

Corona-Impfzentren: Wo und wann wird jetzt geimpft?

Die Impfzentren im Norden sind eingerichtet. Doch wer ist wann an der Reihe und wie kann man sich anmelden? Ein Überblick. mehr

Diagnostik anhand einer Mammodraghie-Aufnahme © dpa/picture alliance Foto: Jan-Peter Kasper

Familiärer Brustkrebs: Krankheitsrisiko durch Genmutation

Eine erbliche Veranlagung für Brustkrebs erhöht das Risiko zu erkranken. Welche Untersuchungen stehen Betroffenen zu? mehr

In einer Grafik sind Lebensmittel in einem Kopf abgebildet. © Colourbox

Essen für die Psyche: Abnehmen hilft bei Depressionen

Forscher vermuten, dass es eine Verbindung zwischen dem Darm und dem Hirn gibt. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Podcast mit Christian Drosten & Sandra Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr