Stand: 14.06.2019 13:01 Uhr

Herzinfarkt: Jede Minute zählt

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Bei einem Herzinfarkt werden Teile des Herzmuskels nicht mehr mit Sauerstoff versorgt.

Bei einem Herzinfarkt kommt es zum plötzlichen und vollständigen Verschluss eines Herzkranzgefäßes. Teile des Herzmuskels werden dann nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, Muskelgewebe stirbt ab. Einen Herzinfarkt erleiden in Deutschland jeden Tag rund 800 Menschen. Ein Herzinfarkt bedeutet immer Lebensgefahr. Bei einem Verdacht sollte man daher nicht zögern, sofort den Rettungsdienst zu alarmieren (Telefon: 112).

Eine Frau hält sich in einem Treppenhaus die Brust. Herzinfarkt.

Herzinfarkt: Jede Minute zählt

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Nach einem Herzinfarkt kann jede Minute über Leben und Tod entscheiden. Doch nicht immer sind die Symptome eindeutig. Wann sollte man einen Notarzt alarmieren?

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Bei Herzinfarkt ist schnelles Handeln wichtig

Bis zu eineinhalb Stunde nach einem Herzinfarkt können Ärzte verstopfte Gefäße wieder öffnen. Doch das wird mit jeder Minute schwerer. Nach sechs Stunden lassen sich verstopfte Gefäße nicht mehr öffnen. Dann besteht die Gefahr einer chronischen Herzschwäche, im schlimmsten Fall versagt das Herz und der Betroffene stirbt.

Drei Viertel der Todesfälle nach einem Herzinfarkt ereignen sich zu Hause - ohne dass die Betroffenen einen Arzt gerufen haben. Schuld daran ist oft die Hemmung, wegen vermeintlich harmloser Brustschmerzen gleich den Notarzt zu rufen.

Im Gespräch
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Symptome eines Herzinfarkts

Bei einem Herzinfarkt haben Frauen oft andere Symptome als Männer. Sie landen deshalb meist später in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Jährlich werden in Deutschland etwa 222.600 Frauen, aber doppelt so viele Männer wegen einer "ischämischen Herzkrankheit" stationär behandelt. Und immer noch sterben relativ gesehen mehr Frauen als Männer an einem Herzinfarkt (43 Prozent gegenüber 37 Prozent).

Statt Brustschmerzen verspüren Frauen bei einem Herzinfarkt häufig Kurzatmigkeit, sehr oft auch starke Übelkeit mit Erbrechen oder Rückenschmerzen, manchmal sogar Zahn- und Kieferschmerzen.

Alarmzeichen für einen Herzinfarkt

Folgende Alarmzeichen können auf einen Herzinfarkt hindeuten: 

  • schwere, länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen in der Brust, die in Arme, Schulter, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen können

  • starkes Engegefühl, heftiger Druck, Brennen in der Brust, Atemnot

  • zusätzlich Übelkeit, Brechreiz, Angst

  • Schwächegefühl, auch ohne Schmerz

  • blasse, fahle Gesichtsfarbe, kalter Schweiß

  • nächtliches Erwachen mit Schmerzen in der Brust ist ein besonderes Alarmzeichen

  • bei Frauen: Atemnot oder Kurzatmigkeit, Übelkeit, Oberbauchschmerz, Brechreiz oder Erbrechen, Rückenschmerzen, Zahnschmerzen oder Kieferschmerzen

Stummer Infarkt wird oft nicht erkannt

Ein Drittel aller Herzinfarkte verläuft unbemerkt - als sogenannter stummer Infarkt, der nur bei routinemäßigen Kontrollen mit EKG, Blutdruck- und Blutuntersuchungen festgestellt wird. Betroffen sind häufig Diabetiker, ältere Menschen und Frauen. Einen Arzt aufsuchen sollte man bei geringerer Belastbarkeit, Übelkeit, Schweißausbrüchen und Kollapsneigung.

Herzinfarkt-Ambulanzen in vielen deutschen Kliniken

In vielen deutschen Kliniken gibt es sogenannte Chest Pain Units, spezielle Ambulanzen für Erkrankte mit akuten Brustschmerzen. Hier sollen Infarkte besonders schnell erkannt und behandelt werden. Die Ambulanzen sind nach US-amerikanischem Vorbild aufgebaut. Dort wurde die Sterblichkeitsrate nach Herzinfarkten um 37 Prozent gesenkt.

Die Chest Pain Units sind rund um die Uhr geöffnet und speziell für Herzinfarkt-Patienten vorbereitet. In kürzester Zeit werden EKG- und Laboruntersuchungen durchgeführt, die zeigen, ob sich hinter den Symptomen eine lebensbedrohliche Erkrankung wie ein Herzinfarkt verbirgt, die sofort behandelt werden muss.

Schnelle Behandlung steigert die Überlebenschance

Wird ein Herzinfarkt innerhalb der ersten Stunden im Herzkatheterlabor therapiert, steigt die Überlebenswahrscheinlichkeit erheblich. Im Notfall ist eine Herzkatheter-Untersuchung die Standardtherapie.

Dabei schiebt der Kardiologe einen dünnen Kunststoffschlauch über die Leiste bis zum Herzen. Spezielle Röntgenverfahren mit Kontrastmitteln machen die Herzkranzarterien sichtbar. Mögliche Engstellen lassen sich genau lokalisieren, aufdehnen und durch spezielle Gefäßstützen (Stents) offen halten.

Reicht dies nicht aus, müssen die riskanten Engen durch eine Bypass-Operation überbrückt werden.

Herzinfarkt vorbeugen

Wie hoch das individuelle Herzinfarktrisiko ist, kann ein Arzt mit Ultraschall, Blut- und Belastungstests klären. Die wichtigsten Ursachen für Verengungen der Herzkranzgefäße sind sind:

Zur Vorbeugung empfehlen Ärzte eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und das Abnehmen überflüssiger Pfunde. Auf Rauchen oder größere Mengen Alkohol sollte man verzichten.

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Experten zum Thema

Dr. Melanie Hümmelgen, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
Leitende Ärztin der Kardiologischen Abteilung und stellv. Ärztliche Direktorin
RehaCentrum Hamburg
Martinistraße 66, 20246 Hamburg
(040) 25 30 63-505
www.rehahamburg.de

Prof. Dr. med. Johann Bauersachs
Direktor Klinik für Kardiologie und Angiologie
Zentrum Innere Medizin
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
(0511) 532-38 41
www.mhh-kardiologie.de

Weitere Informationen
Deutsche Herzstiftung e. V.
Bockenheimer Landstraße 94-96
60323 Frankfurt am Main
(069) 955 12 80
www.herzstiftung.de

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