Stand: 16.10.2018 11:31 Uhr

Zu viel Cholesterin: Wie hilft Ernährung?

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Unter anderem frisches Gemüse und Obst gehören bei Fettstoffwechselstörungen vermehrt auf den Teller.

Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämien) sind heimtückisch: Erhöhte Cholesterin- oder Triglyceridwerte im Blut verursachen lange Zeit keinerlei Beschwerden. Aktuellen Studien zufolge haben 55 bis 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland zu viel Cholesterin im Blut, rund 15 Prozent erhöhte Triglyceridwerte. Doch fast die Hälfte der Betroffenen weiß nichts von ihrer Krankheit - erkannt wird sie häufig erst, wenn sie weit fortgeschritten ist und schlimme Spätfolgen auftreten, Herzinfarkt oder Schlaganfall zum Beispiel.

Über einem Mann tauchen eine Gedankenblase mit dem Wort "Schlimm?" und einem durchgestrichenen Ei auf.

Cholesterin: Welchen Einfluss hat die Ernährung?

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Fettstoffwechselstörungen sind heimtückisch, denn man spürt sie nicht - Betroffene fühlen sich meist wohl. Doch ist das Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko stark gesteigert.

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Ursache

Fette (Lipide) sind lebenswichtig. Triglyceride und Cholesterin sind die bedeutendsten Fette im Blut. Die Triglyceride sind als Energielieferanten unverzichtbar. Sie sind Hauptbestandteil vieler fetthaltiger Lebensmittel - der Körper kann sie aus Kohlenhydraten aber auch selbst herstellen. Sind sie überreichlich vorhanden, werden sie im Fettgewebe abgespeichert. Cholesterin ist unverzichtbar für den Menschen und erfüllt sehr wichtige Aufgaben im Organismus. So ist es maßgeblich am Aufbau der Zellmembranen sowie an vielen Stoffwechselvorgängen des Gehirns beteiligt. Es dient als Ausgangsstoff für die Produktion von Gallensäuren zur Fettverdauung, für die Bildung von Vitamin D und Hormonen wie Östrogen, Testosteron und Kortisol. Den größten Teil der täglich benötigten Cholesterinmenge stellt der Körper selbst her, vor allem in der Leber. Nur etwa ein Viertel nimmt er aus der Nahrung auf. Allgemein nimmt der Cholesterinspiegel mit dem Alter zu.

Welche Rolle spielen die Lipoproteine?

Damit das fettähnliche, und damit im Wasser nicht lösliche Lipid Cholesterin im Blut überhaupt transportiert werden kann, verbindet es sich mit wasserlöslichen Eiweißstoffen (Proteinen) zu Fett-Eiweiß-Verbindungen (Lipoproteinen). Sie erfüllen im Körper verschiedene Aufgaben und werden nach unterschiedlichen Dichten in Very-Low-Density (VLDL)-, Low-Density (LDL)- und High-Density-Lipoproteine (HDL) aufgeteilt. Je höher der Eiweißanteil und je niedriger der Lipid- (Fett-)Gehalt ist, desto höher ist die Dichte des Lipoproteins. Am niedrigsten ist der Eiweißanteil in den VLDL, einer Vorstufe der LDL. Wegen seines hohen Lipid-Gehalts wird LDL auch als "schlechtes" Cholesterin bezeichnet, eiweißreiches HDL dagegen als "gutes Cholesterin". Je höher der Lipid-Anteil im Cholesterin ist, desto geringer ist also seine Dichte und desto schädlicher ist das Lipoprotein für die Gefäße. VLDL besteht etwa zu 85 Prozent aus Lipiden, LDL zu etwa 75 Prozent und HDL zur Hälfte. Befindet sich zu viel VLDL oder LDL im Blut, kann sich das Cholesterin an den Gefäßinnenwänden einlagern und zur Bildung von Plaques führen, die zunehmend die Gefäße verengen. Teile dieser klumpigen Plaques können mitunter abreißen und dann kleinere Gefäße verstopfen. Die möglichen Folgen: Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Liegt eine Fettstoffwechselstörung vor, dann sind entweder die Cholesterinwerte erhöht (Hypercholesterinämie) oder der Triglyceridspiegel (Hypertriglyceridämie). Sind sowohl die Cholesterin- als auch die Triglycerinwerte erhöht, spricht man von einer gemischten Hyperlipidämie. Die Fettstoffwechselstörung beruht oft auf einem erblichen Stoffwechseldefekt, die Krankheit tritt nicht selten familiär gehäuft auf. Allerdings hat der Lebensstil einen starken Einfluss, vor allem einseitige Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht. Deshalb zählen die Fettstoffwechselstörungen auch zu den typischen Zivilisationskrankheiten unserer Zeit. Symptome sind auch gelbliche Knötchen an Augenlidern, Achillessehnen, Ellenbogen oder Knien (Xanthome), krampfartige Beinschmerzen bei längerem Gehen (Schaufensterkrankheit) oder Entzündungen der Bauchspeicheldrüse.

Interview
05:35
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Cholesterin - Was kann Ernährung bewirken?

16.10.2018 20:15 Uhr
Visite

Zu hohes LDL-Cholesterin im Blut ist nicht gut für die Gesundheit. Wie groß ist der Einfluss der Ernährung? Interview mit Ernährungsmediziner Dr. Niels Schulz-Ruhtenberg. Video (05:35 min)

Diagnose

Die Diagnostik ist recht einfach: Der Arzt nimmt Blut ab und bestimmt dabei Gesamtcholesterin, HDL- und LDL-Cholesterin und Triglyceride. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Blutfettwerte im Tagesverlauf stark schwanken. Die Blutabnahme sollte deshalb morgens nüchtern erfolgen - also vor dem Frühstück und dem Morgenkaffee. Im Blutserum sollten weniger als 180 mg/dl (Milligramm pro Deziliter) Triglyceride nachweisbar sein, besser noch unter 150 mg/dl. Beim Gesamtcholesterin gelten Werte bis 200 mg/dl noch als in Ordnung. LDL-Werte sollten bei gesunden Menschen unter 150 mg/dl liegen - falls Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Übergewicht hinzukommen, ist aber ein Wert von höchstens 100 mg/dl anzustreben. HDL-Werte sollten bei Frauen nicht unter 45 mg/dl liegen, bei Männern nicht unter 40 mg/dl. Der Arzt wird zudem weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen abklären: Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes mellitus, Rauchen und familiäre Vorbelastung. Zudem muss er Krankheiten ausschließen, die Auslöser einer Fettstoffwechselstörung sein könnten. Dazu zählen Erkrankungen der Leber, Nieren, Schilddrüse oder Bauchspeicheldrüse.

Chat

Chat-Protokoll: Cholesterin

Wie groß ist der Einfluss der Ernährung auf den Cholesterin-Spiegel? Ernährungsmediziner Dr. Niels Schulz-Ruhtenberg hat im Visite Chat Fragen zum Thema beantwortet. mehr

Individuelle Faktoren bestimmen das Risiko

Da die tatsächlichen Folgen hoher Cholesterinwerte individuell sehr verschieden sind, erfordert eine realistische Risikoabschätzung umfassende Labor- und Gefäßuntersuchungen (Ultraschall der Hals- und Beckenschlagadern), muss aber auch individuelle Faktoren wie Alter, Geschlecht, Blutdruck, Körpergewicht, Lebensgewohnheiten und familiäre Vorgeschichte berücksichtigen. Entscheidend für den LDL-Zielwert ist letztlich ein Risiko-Score, der alle diese Faktoren berücksichtigt.

Was passiert bei zu hohen Blutfettwerten?

Therapie

Einige Patienten haben trotz hoher Cholesterinwerte gesunde Gefäße und nur ein geringes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Sie brauchen daher keine vorbeugende Behandlung zur Senkung der Cholesterinwerte. Andere Menschen weisen dagegen trotz eines nur mäßig erhöhten Cholesterinspiegels bereits massive Plaques in ihren Arterien auf und sollten behandelt werden, um das Risiko zu reduzieren. Bei solchen Hoch-Risiko-Patienten versuchen die Ärzte, das LDL-Cholesterin auf Werte unter 70 mg/dl zu senken. Viele Studien zeigen, dass die Senkung des LDL-Wertes das Risiko verringert, einen Infarkt zu erleiden.

Ernährungstherapie kann Herz-Kreislauf-Risiko bremsen

Es liegt auf der Hand, dass sich Fettstoffwechselerkrankungen gut ernährungsmedizinisch behandeln lassen. Cholesterinhaltige Nahrungsmittel zu meiden, also zum Beispiel auf Eier zu verzichten, ist dabei aber wenig sinnvoll, denn den größten Teil des Cholesterins im Blut stellt der Körper selbst her. Wie hoch der Cholesterinspiegel im Blut ist, wird vor allem durch unsere Gene bestimmt und von der Leber überwacht. Nehmen wir mit der Nahrung wenig Cholesterin auf, produziert die Leber umso mehr - essen wir mehr Cholesterin, produziert sie weniger. So ändert sich der Cholesterinwert kaum. Trotzdem ist eine gesunde, ausgewogene Ernährung enorm wichtig, denn damit lassen sich die anderen Risikofaktoren wie hoher Blutdruck, Übergewicht und Diabetes sehr gut beeinflussen. Übrigens sind auch schlanke Menschen nicht unbedingt auf der sicheren Seite, denn sie können eine Fettleber haben, die sich zum Beispiel durch regelmäßigen Alkoholkonsum entwickelt und den Fettstoffwechsel beeinflusst.

Mehr frisches Gemüse und Pflanzenöle - weniger Fertiggerichte und Snacks

Vor allem frisches Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und ballaststoffreiche Nahrungsmittel (Vollkornprodukte) gehören vermehrt auf den Teller. Eine sehr gute Orientierung bietet hier die mediterrane Küche, die als Hauptbestandteil der Mahlzeiten vor allem auf Gemüse setzt und wertvolle Pflanzenöle verwendet. Gerade Menschen mit einer bestehenden Fettstoffwechselerkrankung sollten in ihrer Nahrung den Anteil tierischer Fette, die zum Beispiel in Wurstwaren und Milchprodukten stecken, massiv reduzieren. Der Schlüssel zum Erfolg sind "gute" Fette: Das sind die (am besten mehrfach) ungesättigten Fettsäuren, wie sie etwa in Nüssen, fettem Fisch (Hering, Lachs oder Makrele), Raps- und Leinöl stecken. Günstig auf den Fettstoffwechsel wirken auch grüner Tee und Walnüsse.

Übergewicht abbauen

Sehr sinnvoll ist es, Übergewicht zu reduzieren. Pro zehn Kilogramm Gewichtsverlust ist mit einer Senkung des LDL-Spiegels um 8 mg/dl zu rechnen. Um Übergewicht abzubauen oder gar nicht erst entstehen zu lassen, sollten Betroffene Zucker und einfache Kohlenhydrate meiden. Zudem wandelt der Körper überschüssige Kohlenhydrate in Triglyceride um. Vorsicht also bei Kuchen, Snacks und Fertiggerichten sowie bei Erfrischungsgetränken und Alkohol.

Sport und Bewegung

Extrem wichtig ist reichlich Bewegung: Sie verbessert den Zuckerstoffwechsel und wirkt Diabetes entgegen. Wer in seinen Muskeln Kalorien verbrennt, senkt auch seinen Blutfettspiegel - und jedes Kilo näher am Idealgewicht entlastet den gesamten Organismus.

Weitere Informationen
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Gutes oder böses Cholesterin?

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Experten zum Thema

Dr. Niels Schulz-Ruhtenberg, Facharzt für Allgemeinmedizin, Ernährungsmedizin und Sportmedizin
Praxis Ärzte am Kaiserkai
Am Kaiserkai 46
20457 Hamburg
(040) 64 66 17 60
ruhtenberg.info

Prof. Dr. Martin Merkel, Ärztlicher Leiter
endokrinologikum Hamburg
Lornsenstraße 4-6
22767 Hamburg
(040) 306 28-200
www.endokrinologikum.com/

Prof. Dr. Jens Aberle, Ärztlicher Leiter
Ambulanzzentrum des UKE GmbH, Fachbereich Endokrinologie, Diabetologie, Adipositas und Lipide
Martinistraße 52
20246 Hamburg
(040) 74 10-500 85
www.uke.de/

Dr. Frank Mibach, Kardiologe
Kardiologische Praxis im Gesundheitszentrum Klosterforst
Beethovenstraße 6
25524 Itzehoe
www.dr-mibach.de

Weitere Informationen
Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e.V.
Mörfelder Landstraße 72
60598 Frankfurt am Main
(069) 963 652 18
www.lipid-liga.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 16.10.2018 | 20:15 Uhr

Ernährungs-Therapie

Ernährung bei Fettstoffwechselstörung

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Zum Ausdrucken

97 KB

Die Therapie-Empfehlungen im DIN-A4-Format (PDF)

Die wichtigsten Fakten und Lebensmittelempfehlungen im Überblick. Download (97 KB)

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