Stand: 05.12.2018 09:49 Uhr

Hepatitis E: Infektion durch Schweinefleisch

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Bei Hepatitis E handelt es sich um eine Leberentzündung. Eine Ursache kann rohes Schweinefleisch sein.

Als eine der wichtigsten Ursachen für die Zunahme der Leberentzündung Hepatitis E in Deutschland gelten rohe oder nicht ausreichend erhitzte Schweinefleisch-Produkte. Dass deren Verzehr gesundheitliche Gefahren birgt, ist schon lange bekannt. Doch das Hepatitis-Risiko wurde bislang unterschätzt, auch weil eine solche Infektion bei Gesunden meist harmlos verläuft. Für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann eine Hepatitis E dagegen lebensbedrohlich werden. Gegen die Krankheit gibt es weder eine Impfung noch spezifische Medikamente.

Schweinefleisch

Hepatitis E: Infektion durch Schweinefleisch

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Die Leberentzündung Hepatitis E wird häufig durch rohes oder kurz gereiftes Schweinefleisch übertragen, zum Beispiel Mett oder Salami. Wie gefährlich ist die Infektion?

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Fälle von Hepatitis E in Deutschland stark gestiegen

Die Zahl der in Deutschland gemeldeten Hepatitis E-Fälle ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen: 2013 waren es noch 458 Fälle, 2015 erkrankten bereits 1.246 Menschen. Im laufenden Jahr 2018 sind es rund 3.000 (Stand: 3. Dezember 2018).

Jeder Sechste mit Hepatitis E infiziert

Experten rechnen mit einer sehr hohen Dunkelziffer, da Hepatitis E oft ohne Symptome verläuft und viele Ärzte nicht auf diese Krankheit achten. Aktuellen Erhebungen zufolge war jeder Sechste in Deutschland bereits einmal mit Hepatitis-E-Viren (HEV) infiziert und hat deshalb Antikörper im Blut.

Infektion über Fleisch und Wurst

Wissenschaftler schätzen, dass sich pro Jahr 300.000 Menschen in Deutschland mit HEV infizieren, meist über Produkte aus Schweinefleisch wie kurz gereifte Rohwürste, zum Beispiel Salami oder Cabanossi.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt außerdem vor unzureichend erhitztem Wildschweinfleisch. Während 40 bis 50 Prozent der Hausschweine in deutschen Beständen mit HEV infiziert sind, fanden die Experten auch bei bis zu 68 Prozent der hierzulande erlegten Wildschweine Antikörper gegen HEV, vereinzelt auch bei Rehen und Rotwild.

Da die Tiere selbst nicht erkranken, sondern nur das Virus auf den Menschen übertragen, bleibt ihre Infektion meist unentdeckt.

Besonders gefährdet sind Menschen, die viel mit rohem Schweine- oder Wildschweinfleisch in Kontakt kommen, zum Beispiel Jäger, Schlachter und Köche. Sie können ihr Infektionsrisiko durch das Tragen von Handschuhen reduzieren.

Gefahr bei geschwächtem Immunsystem

Gelangen HEV mit dem Schweinefleisch in den menschlichen Körper, wandern sie über den Magen in den Darm, dringen in die Blutbahn ein und landen schließlich in der Leber. Bei den meisten Gesunden werden die Viren von der körpereigenen Abwehr vernichtet. Bei immungeschwächten Menschen aber kann sich der Erreger vermehren und im Körper verteilen, in die Nieren und auch ins Gehirn gelangen. Bei einigen Menschen führt die HEV-Infektion deshalb auch zu neurologischen Störungen. HEV können auch eine akute Leberentzündung hervorrufen - mit Fieber, Oberbauchschmerzen und Gelbsucht. Bei Schwangeren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann eine Hepatitis E sogar tödlich verlaufen.

Hohes Risiko durch rohe Fleischprodukte

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat Hepatitis-E-Bestandteile in mehr als 100 verschiedenen Wurstsorten nachgewiesen. Rohe Fleischprodukte und rohe Innereien, aber auch Rohwurstprodukte wie Tee- und Mettwurst sowie Schweinemett stellen ein besonders hohes Risiko dar.

Das Problem ist die Herstellung: Die kurz gereiften Rohwürste werden durch Würzung, Salzen und Trocknung haltbar gemacht, aber nicht erhitzt. So können die Viren überleben. In einer großen Studie enthielt jede fünfte Wurstprobe Spuren des Virus. Viren können in die Wurst gelangen, weil Schweinefleisch vor der Verarbeitung nicht auf Hepatitis E getestet wird. Die dafür erforderliche Technik ist aufwendig und teuer. Und so gelangen Fleisch und Fleischprodukte mit HEV in den Handel und können jeden Menschen infizieren, der sie weiterverarbeitet oder verzehrt.

Erhitzen schützt vor Hepatitis-E-Viren

Verbraucher können das Risiko einer Hepatitis-Infektion minimieren durch:

  • Gleichmäßiges und vollständiges Erhitzen schweinfleischhaltiger Lebensmittel: Ein kurzes Aufkochen oder Erhitzen in der Mikrowelle reicht dafür allerdings nicht aus, da Hepatitis-E-Viren relativ hitzestabil sind. Auch Tiefgefrieren tötet die Viren nicht ab.

  • Verzicht auf rohe Fleischprodukte wie Mett und kurzgereifte Rohwürste, zum Beispiel frische Mettwurst. Das gilt vor allem für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, Schwangere und Menschen mit einer vorgeschädigten Leber.

Hepatitis E: Blutkonserven können belastet sein

Neben dem vermeidbaren Schweinefleisch bereitet Ärzten ein weiterer Infektionsherd große Sorgen: Blut- und Plasmakonserven. Spenderblut wurde bisher nur selten auf HEV getestet und kann so Erkrankte nach einer Operation gefährden.

Besonders dramatisch ist das nach einer Organtransplantation, wenn das Immunsystem künstlich ausgeschaltet wird, um eine Abstoßung des fremden Gewebes zu verhindern. Bei einer Infektion mit Hepatitis E droht in 30 bis 50 Prozent der Fälle der Übergang in eine chronische Hepatitis E mit potenziell lebensbedrohlichen Folgen.

Deshalb fordern Experten, zumindest wird das derzeit diskutiert, dass zumindest Blutkonserven für Immungeschwächte auf Hepatitis E getestet werden.

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Experten zum Thema

Dr. Rainer Günther, Oberarzt
Bereichsleitung Hepatologie, MHM
Klinik für Innere Medizin I
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3, 24105 Kiel
www.uksh.de

Dr. Patrick Behrendt, Leber-Forscher
Cand. med. Nora Möller, Doktorandin
Institut für Experimentelle Virologie
Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
www.mh-hannover.de

Prof. Reimar Johne
Fachgruppe Lebensmittelhygiene und -virologie
Bundesinstitut für Risikobewertung
Diedersdorfer Weg 1
12277 Berlin
www.bfr.bund.de

Weitere Informationen
Informationen des Bundesamtes für Risikobewertung
www.bfr.bund.de

Hepatitis E-Ratgeber des Robert Koch-Instituts für Ärzte
www.rki.de

Kompetenznetz Hepatitis
www.kompetenznetz-hepatitis.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 04.12.2018 | 20:15 Uhr

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