Tasse mit Tee © Sly - Fotolia.com

Heilfasten nach Buchinger: Wem hilft es und wann?

Stand: 08.02.2021 09:21 Uhr

Nicht nur für die Wohnung, sondern auch für den Körper wird regelmäßiges Großreinemachen empfohlen. Doch was bringt Heilfasten dem Körper eigentlich?

Fasten gilt bei immer mehr Menschen als Frühjahrsputz für Körper, Geist und Seele. Eine der bekanntesten Methoden ist das klassische Heilfasten nach der Buchinger-Methode, die auf den deutschen Arzt und Naturheilkundler Otto Buchinger (1878-1966) zurückgeht. Erlaubt ist dabei für fünf Tage oder länger nur der Verzehr von Gemüsebrühe und verdünnten Säften, in geringem Umfang auch Milchprodukte. So erhält der Körper eine minimale Menge an Kalorien, Vitaminen und Mineralien. Dem Heilfasten werden vielfältige positive Wirkungen zugeschrieben.

Fasten bewirkt heilsame biochemische Veränderungen

Schon seit Urzeiten ist der menschliche Stoffwechsel auf Fastenzeiten eingestellt: In Phasen des Überflusses schlemmten unsere Vorfahren ungehemmt, in Mangelphasen blieb der Magen dafür einige Stunden oder Tage leer. Unser Körper übersteht längere Hungerperioden, indem er in verschiedenen Organen und Geweben Energiereserven speichert (unter anderem als Fettpolster) und bei Bedarf wieder mobilisiert. Nach einer längeren Zeit ohne Nahrungsaufnahme beginnt er Stoffe auszuschütten, die den Fettabbau aktivieren. Es kommt zu heilsamen biochemischen Veränderungen im Körper, etwa zu einem verbesserten Zucker- und Fettstoffwechsel.

Kann man mit Fasten "entschlacken"?

Die von Buchinger so genannte "Entschlackung" ist zwar wissenschaftlich zweifelhaft: Schlacken sind angeblich Abfallprodukte des Stoffwechsels, die sich im Körper ablagern und Krankheiten verursachen können. Experten verweisen darauf, dass Endprodukte des Stoffwechsels fortwährend über die Nieren, Darm, Lunge und die Haut ausgeschieden werden.

Allerdings kommen beim Fasten offenbar die ständig unterschwellig laufenden Zellreinigungsprozesse (Autophagie) in Schwung: "Fasten aktiviert sozusagen die körpereigene Müllabfuhr", erklärt Ernährungs-Doc Anne Fleck.

Fastenarzt Buchinger erfuhr am eigenen Leib, dass ein Verzicht auf Nahrung die Selbstheilungskräfte des Körpers mobilisiert - er nutzte es, um sein Rheuma zu lindern. Verschiedene Studien haben seither den Ablauf gesundheitsförderlicher Prozesse im Körper belegt. Das Fasten hat demnach eine antientzündliche Wirkung: Der Körper schüttet Stoffe aus, die entzündliche Vorgänge im Körper dämpfen können.

Heilfasten führt nicht zum dauerhaften Gewichtsverlust

Tees, Wasser, Brühe, ein Foto Otto Buchingers und dessen Buch über das Heilfasten. © NDR Foto: Moritz Schwarz/Oliver Zydek
Otto Buchinger versuchte mit dem Fasten sein Rheuma zu bessern.

Allerdings löst der totale Verzicht auf Nahrung auch Stress aus: Da der Körper keine Energiezufuhr aus der Nahrung bekommt, reduziert er seinen Energieverbrauch (Grundumsatz) und baut zur Energiegewinnung Eiweiß in den Muskeln ab. Längeres Fasten kann somit unerwünschte Nebenwirkungen wie Muskelschwund haben, wenn man nicht durch körperliche Betätigung gegensteuert.

Währen des Fastens purzeln die Pfunde zwar rasant, jedoch sind die Polster nach dem Fastenbrechen umso schneller wieder auf den Hüften, wenn sich keine grundlegende Ernährungsumstellung anschließt: Der auch von Diäten bekannte und gefürchtete Jo-Jo-Effekt tritt ein.

Fasten bei Vorerkrankungen nur unter ärztlicher Aufsicht

Auch wenn Heilfasten die Gesundheit fördern kann, dürfen Menschen mit schweren Herz- und Nierenerkrankungen, Krebserkrankungen, Gicht oder Gallenproblemen nicht fasten. Nur Gesunde können in Eigenregie mit einer Fastenkur loslegen - Menschen mit Vorerkrankungen sollten immer vorher mit ihrem Arzt sprechen. Es besteht die Möglichkeit, in speziellen Fastenkliniken unter ärztlicher Aufsicht zu kuren. Im Rahmen einer Reha-Maßnahme übernehmen dann bei bestimmten Krankheitsbildern die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.

Fasten nach Buchinger: die seelische Seite

Ein bedeutender Faktor beim Heilfasten nach Buchinger ist auch die spirituelle Seite. Viele Fastende berichten, dass der bewusste mehrtägige Verzicht dem Körper guttut. Sie finden wieder innere Ruhe und erleben ein verbessertes Körpergefühl. Verstärkt wird dieser Effekt durch den Einbau täglicher Ruhephasen. Auch über die Fastenzeit hinaus wirkt eine veränderte Einstellung zu Essen und Ernährung. Das Fasten kann für die Änderung des Lebensstils - etwa eine Ernährungsumstellung, Aufgeben des Rauchens, mehr Bewegung - ein sehr guter Anfang sein.

So funktioniert die Buchinger-Methode: Fasteneinleitung

Gemüse, Haferflocken und Glaubersalz auf einer Platte. © NDR
Am Entlastungstag steht leichte Kost wie Gemüse und Haferflocken auf dem Plan. Der erste Fastentag beginnt mit einem Glaubersalz-Trunk.

Die Fastenkur beginnt mit einer ein- bis zweitägigen Vorbereitungsphase, den sogenannten Entlastungstagen. Leichte Kost wie gedünstetes Gemüse, Gemüsesuppe oder Porridge entlasten den Darm.

Der eigentliche erste Fastentag startet dann mit einer gründlichen Darmentleerung, damit während des Fastens kein Hungergefühl auftritt. Ein übliches Mittel dafür ist ein abführendes Getränk mit Glaubersalz (aus der Apotheke).

Fastengetränke und Nahrungsaufnahme nach Buchinger

Wasser, Tee, Gemüsesaft und Fastenbrühe stehen auf einem Tisch, daneben das Schild "300 Kcal". © NDR
Beim Fasten sind nur kalorienarme Getränke erlaubt.

Beim Fasten ist auf eine tägliche Flüssigkeitsaufnahme von mindestens 2 bis 3 Litern zu achten - bei sportlicher Betätigung entsprechend mehr. Ausreichendes Trinken ist wichtig, um Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Kreislaufstörungen oder Blähungen zu verhindern: Gemüsebrühe mit Kräutern, Tees (morgens mit ein wenig Honig), Gemüse- und Obstsäfte - am besten frisch zubereitet.

Zum Muskelerhalt ist es auch erlaubt, den Ernährungsplan um Eiweiß zu erweitern: 200 Gramm Quark, Joghurt oder Milch pro Tag. 

Darmpflege und Bewegung

Eine Frau reißt Toilettenpapier von einer Rolle ab. © colourbox
Während des Fastens braucht der Darm als Nachhilfe einen Einlauf, damit der Stuhlgang klappt.

Regelmäßiges Trinken von Sauerkrautsaft reguliert die Darmtätigkeit.

Ausscheidungen fördern: Der Darm braucht zur Reinigung alle zwei Tage einen Einlauf. Dazu benötigt man ein Klistier oder einen Irrigator - und etwas Zeit, um ungestört zu sein. Nur wenn ein Einlauf gar nicht machbar ist, kann man mit Bittersalz oder "F.X. Passage-Salz" nachhelfen.

Wichtig ist es, Kreislauf und Stoffwechsel in Schwung zu bringen, zum Beispiel mit kneippschen Güssen und Sport. Regelmäßige körperliche Bewegung bei einer mittleren Belastung wirkt dem Abbau von Eiweißen aus der Muskulatur entgegen.

Eine Fastenkrise ist normal

Mann auf einem Steg (Montage) © fotolia.com Foto: Katja Xenikis
Spazierengehen, meditieren, ausruhen: Fastende sollten in sich hineinspüren, was dem Körper guttut.

Dennoch kann eine sogenannte Fastenkrise auftreten. Meist nach dem dritten oder vierten Tag kommt es dabei typischerweise zu Kopfschmerzen und einem allgemeinen Unwohlsein. Auch Kreislaufstörungen, Schwindel, Blähungen, Mundgeruch, Depressionen, Seh- oder Schlafstörungen können auftreten. Manche Fastende benötigen weniger Schlaf als sonst, andere fühlen sich nur noch müde. In jedem Fall gilt es, auf den Körper zu hören, sich moderat zu bewegen und Ruhepausen einzulegen.

Leberwickel erhöht Stoffwechseltätigkeit

Feuchtwarme Leberwickel helfen bei der Entspannung und fördern die Regeneration. Sie sollen sich nicht nur wohlig anfühlen, sondern insbesondere die Durchblutung von Leber und Galle steigern und damit die Entgiftung fördern. Sie sind einfach zu machen: Man braucht

  • eine Wärmflasche
  • einen Waschlappen oder ein Gästehandtuch
  • ein großes Handtuch.
Die Wärmflasche wird heiß (aber nicht kochend) halbvoll befüllt und der Lappen oder das Gästetuch mit angenehm warmem Wasser befeuchtet. Bequem auf dem Rücken liegend nun zuerst den ausgewrungenen Lappen auf dem rechten Oberbauch platzieren, die Wärmflasche darüber und den Oberkörper dann mit einem trockenen Handtuch umwickeln. Der Leberwickel soll 20 bis 30 Minuten lang wirken, während man warm eingehüllt in eine kuschlige Decke ruht.

Fastenbrechen: Geduld beim Kostaufbau!

Damit das gewonnene gute Körpergefühl möglichst lange erhalten bleibt, ist die Nachfastenphase entscheidend. Nach dem sogenannten Fastenbrechen - der ersten kleinen Mahlzeit, traditionell einem Apfel, der von vielen Fastenden als "kleine Geschmacksexplosion" empfunden wird - muss der Kostaufbau ganz langsam voranschreiten. Empfehlenswert sind anfangs leichte, zurückhaltend gewürzte Gemüsesuppen, um den Darm schonend wieder an seine Aufgaben zu gewöhnen. Für den Kostaufbau veranschlagt man üblicherweise etwa halb so lang, wie die Fastenkur gedauert hat.

Gewicht halten? Dauerhafte Ernährungsumstellung

Optimalerweise geht der Kostaufbau einher mit der Umstellung auf eine bewusste, gesundheitsfördernde Ernährungsweise: viel Gemüse, maßvoll Eiweiß - zum Beispiel aus Fisch, Pilzen oder Hülsenfrüchten -, ergänzt um hochwertige Öle wie Oliven- und Leinöl. Zahlreiche leckere Rezepte dafür finden sich bei den Ernährungs-Docs.

Weitere Informationen
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Rezepte für Entlastungstage

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Leerer Teller und Besteck © Fotolia.com Foto: Tetiana Zbrodko

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 22.02.2021 | 21:00 Uhr

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