Stand: 06.03.2019 12:16 Uhr

Gutartige Prostatavergrößerung behandeln

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Etwa jeder dritte Mann leidet im Alter an einer gutartigen Vergrößerung der Vorsteherdrüse.

Wenn Mann nachts häufig zur Toilette muss, das Wasserlassen schmerzt oder nur kleine Urinmengen ausgeschieden werden, liegt das meist an der Prostata. Die Vorsteherdrüse bildet mit Hoden und Samenbläschen die Samenflüssigkeit und ist im Normalzustand etwa so groß wie eine Kastanie. Sie liegt unterhalb der Harnblase und umschließt die Harnröhre.

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist die häufigste urologische Erkrankung des Mannes. Die gutartige Vergrößerung der Prostata beginnt in der Regel ab dem 50. Lebensjahr. Die Drüse umschließt die Harnröhre zwischen Blase und Schließmuskel. Die Ursache für die gutartige Vergrößerung der Prostata ist bisher nicht abschließend geklärt. Sicher ist, dass hormonelle Veränderungen sowie genetische Faktoren eine Rolle spielen. Wichtig zu wissen: Eine gutartige Vergrößerung hat nichts mit Prostatakrebs zu tun.

Eine Röntgenaufnahme eines männlichen Beckens.

Gutartige Prostatavergrößerung behandeln

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Eine gutartig vergrößerte Prostata führt zu Beschwerden wie häufigem Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen. Wie schonend und wirksam sind die Therapien?

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Urologe Prof. Axel Merseburger.

Prostata gutartig vergrößert: Was hilft?

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Eine gutartig vergrößerte Prostata führt zu diversen Beschwerden. Welche Therapien sinnvoll sind, erklärt Urologe Professor Axel Merseburger.

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Bei leichten Beschwerden helfen pflanzliche Mittel

Zur Diagnostik gehören zunächst die urodynamische Untersuchung (Messung des Harndrucks) und die Ultraschalluntersuchung der Blase und der Prostata. Bei leichten Beschwerden helfen pflanzliche Produkte: Präparate aus Kürbiskernen, Brennnesselwurz oder Sägepalmenfrüchten sind ohne Rezept erhältlich.

Auch Blasentraining ist eine sinnvolle Maßnahme bei vermehrtem Harndrang mit kleineren Urinmengen: Dabei versucht der Mann, den Drang auszuhalten und erst später zur Toilette zu gehen. Beckenbodentraining ist sinnvoll, um einer Inkontinenz vorzubeugen.

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Medikamente bei Prostatavergrößerung

Sogenannte Alpha-Blocker können helfen, das Gewebe einer leicht vergrößerten Prostata und Harnröhre zu entspannen. Sie haben allerdings keinen Einfluss auf das Größenwachstum der Prostata.

Gegen eine starke Vergrößerung der Prostata helfen 5-Alpha-Reduktase-Hemmer, durch die das Volumen der Prostata verkleinert werden kann. Ihre Wirkung beruht auf einer Verminderung der Hormonwirkung an der Prostata.

Verbleibt aufgrund einer leicht vergrößerten Prostata regelmäßig etwas Urin in der Blase, können Prostata- und Harnwegsinfekte entstehen. Im schlimmsten Fall führt das zu einem Harnstau. Eine Prostata-Entzündung wird mit Antibiotika bekämpft.

In einigen Fällen muss operiert werden

Bleibt eine Besserung der Beschwerden unter der medikamentösen Therapie aus, kann eine operative Therapie notwendig sein. Dabei hängt die Wahl der OP auch davon ab, wie stark die Prostata bereits gewachsen ist.

Das Standardverfahren ist noch immer die Ausschälung der Prostata (bipolare transurethrale Resektion der Prostata/TURP): Mit einem durch die Harnröhre eingeführten Endoskop wird Gewebe mit einer Hochfrequenz-Schlinge abgetragen und dabei die Wundfläche gleich verschorft. Es gibt kein anderes operatives Verfahren, dessen langfristiger Erfolg so gut belegt ist. Die Erfolgschancen liegen bei über 90 Prozent. Das Verfahren eignet sich für eine vergrößerte Prostata mit einem Gewicht von bis zu 70 Gramm.

Laser, Embolisation und Wasserdampfablation

Alternativ kann das Prostatagewebe auch mithilfe von Laserstrahlen entfernt werden: Herkömmliche Laser verdampfen das überschüssige Gewebe, Lichtskalpelle schneiden es heraus. Der Eingriff erfolgt durch die Harnröhre. Laserverfahren eignen sich bei einer vergrößerten Prostata mit einem Gewicht von bis zu 150 Gramm.

Weitere, eher schonendere Verfahren:

  • Die Embolisation wird von einem Radiologen durchgeführt. Unter örtlicher Betäubung schiebt er einen Katheter über die Leistenarterie bis zu den Arterien der Prostata. Dort werden unter Röntgenkontrolle zahlreiche Kunststoff-Kügelchen in die Gefäße eingebracht. Dadurch reduziert sich die Blutversorgung des Drüsengewebes - die Prostata schrumpft nach und nach, die Harnröhre wird entlastet. Betroffene verspüren meist schon nach wenigen Wochen eine Besserung. Die ersten Erfahrungen zeigen: Nach rund sechs Monaten ist die Prostata auf Normalgröße geschrumpft. Langzeiterfahrungen für das Verfahren fehlen allerdings noch, zum Beispiel wie lange die Wirkung anhält.

  • Die Wasserdampfablation funktioniert ähnlich wie die Lasermethoden. Über die Harnröhre wird ein Gerät bis zur Prostata eingeführt. Es gibt bei diesem Verfahren sterilen Wasserdampf ab. Die thermische Energie verbrennt Zellen, Prostatagewebe stirbt ab. Der Eingriff unter örtlicher Betäubung dauert etwa zehn Minuten. Eine Verbesserung tritt nach bis zu vier Monaten ein. Langzeiterfahrungen aus den USA zeigen gute Ergebnisse der Behandlung.

In der Regel übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Embolisation und die Wasserdampfablation.

Urolift-Implantate für jüngere Erkrankte

Der Einsatz von Urolift-Implantaten ist ein weiteres, schonendes Verfahren. Durch die Harnröhre werden spezielle Anker in die Prostata eingebracht. Sie raffen das Prostatagewebe und erweitern dadurch den Durchmesser der Harnröhre. Der Harnfluss erhöht sich danach durchschnittlich um ein Drittel.

Das Verfahren eignet sich insbesondere für junge Betroffene, die ihre Zeugungsfähigkeit erhalten wollen. Die Prostata darf dabei nicht mehr als 40 Gramm wiegen. Da bei diesem Verfahren die Ursachen der Beschwerden nicht beseitigt werden, schreitet das Wachstum der Prostata fort. Die Verankerungen könnten möglicherweise ausreißen und eine weitere Therapie erforderlich machen.

Mögliche Nebenwirkungen einer Prostata-OP

Bei einer Operation an der Prostata können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten:
Während und nach dem Eingriff kann es zu Blutungen kommen. Auch Inkontinenz und Erektionsstörungen sind nicht selten, aber oft vorübergehend.

Nach einem Eingriff kann es zu einer sogenannten Drang-Inkontinenz kommen. Die Betroffenen verlieren zeitweise Urin. Der Schließmuskel-Apparat muss sich erst an die neue Situation gewöhnen. Das kann Monate dauern. In dieser Zeit schützen sogenannte Vorlagen. Außerdem können Medikamente den Harndruck senken. Regelmäßiges Beckenbodentraining stärkt den Schließmuskel der Blase.

Prostata: Ab dem 45. Lebensjahr zur Vorsorge

Um eine Prostatavergrößerung und auch bösartige Veränderungen frühzeitig erkennen zu können, sollten sich Männer mit Prostataleiden in der Familie frühzeitig, sonst ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich untersuchen lassen. Spätestens, wenn Männer mehrmals nachts auf die Toilette müssen oder sie die Harnblase nicht mehr vollständig entleeren können, sollten sie den Arzt aufsuchen.

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Experten zum Thema

Prof. Axel Merseburger, Direktor
Klinik für Urologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
(0451) 50 04 36 01
www.uksh.de

Dr. Christian Habermann, Chefarzt
Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Kath. Marienkrankenhaus GmbH
Alfredstraße 9
22087 Hamburg
(040) 25 460
www.marienkrankenhaus.org

Dr. Marcus Kurzidem, Facharzt für Urologie
Klinik für Urologie
Kath. Marienkrankenhaus GmbH
Alfredstraße 9
22087 Hamburg
(040) 25 460
www.marienkrankenhaus.org

Dr. Evangelista Martinelli, Facharzt für Urologie
Klinik für Urologie und Urologische Onkologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
(0511) 53 20
www.mhh-urologie.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 05.03.2019 | 20:15 Uhr

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