Ernährung bei Gicht: Vorsicht mit Fruchtzucker

Stand: 31.08.2022 12:24 Uhr

Früher hieß es: Bei Gicht auf Purine verzichten - auf Fleisch und Bier. Aber das ist nicht der richtige Ansatz. Betroffene sollten Normalgewicht anstreben und insbesondere mit Fruchtzucker aufpassen.

Sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung einer Gicht ist eine Ernährungsumstellung die beste Therapie. Ziel ist eine dauerhafte Senkung des Harnsäurespiegels im Körper, um erneute Anfälle zu vermeiden und Langzeitschäden zu verhindern. Das gelingt durch drei Faktoren:

  1. purinarm essen und trinken
  2. Fruchtzucker meiden
  3. Normalgewicht anstreben - der Bauch muss weg!

Purinarm essen - nicht purinfrei

Bratwürstchen vom Grill. © picture-alliance / Revierfoto Notiz
Würstchen und fettreiches Fleisch sind purinreich - gefährlich bei Gicht.

Purine stecken in den verschiedensten Nahrungsmittel. Sie werden von Menschen mit Neigung zu Gicht schlechter vertragen, weil der Abbau von Purinen im Körper den Harbstoffspiegel erhöhen kann. Purine stecken vor allem in Fleisch- und Fischerzeugnissen, aber auch in pflanzliche Lebensmitteln, etwa in Spargel und besonders in Hülsenfrüchten. Linsen sind dabei purinreicher als Erbsen und sollten weniger gegessen werden.

Wichtig für alle Betroffenen: Völliger Purin-Verzicht ist nicht nötig. Passen Sie jedoch die Menge an. Die Haut von Fleisch und Fisch sowie Innereien sind in der Regel echte Purinbomben. Bier - selbst alkoholfreies - und Alkohol sollten Gicht-Patienten wegen des Gehalts an Purinen und Fruchtzucker möglichst meiden.

Bei Gicht unbedingt Fruchtzucker einschränken

Verschiedene Eissorten in Schalen © NDR Foto: Jonas Czok
Fruktose findet sich in industriell hergestellter Eiscreme und zig anderen Fertigprodukten.

Mehrere Studien aus jüngster Zeit haben gezeigt, dass Gicht und Fruchtzucker (Fruktose) zusammenhängen. Fruchtzucker behindert die Harnsäure-Ausscheidung und fördert dadurch Gichtanfälle. Fruktose steckt bei Weitem nicht nur in Obst und Fruchtsaft, sondern in zahlreichen Fertigprodukten wie in Keksen, Eiscreme oder Pizza und zahlreichen süßen Getränken. Achten Sie auf Begriffe wie Fruktose-, Glukose-Fruktose- oder Maissirup. Generell ist es hilfreich, den Konsum von Zucker, Weißmehl- und Fertigprodukten stark einzuschränken.

Günstig bei Gicht ist eine sogenannte ovo-lacto-vegetabile Ernährung: viel Gemüse, Milchprodukte und Eier.

Wichtig ist es natürlich, viel zu trinken: zwei bis drei Liter Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees, gern auch etwa drei Tassen frisch gebrühter Kaffee am Tag.

Risikofaktor Übergewicht: Langsam abnehmen - ohne Radikaldiäten

Normalgewicht hilft erheblich, die Harnsäurekonzentration wieder einzupegeln, und es schont die Gelenke. Studiendaten von fast 50.000 Männern belegen den Zusammenhang. Statistisch verdoppelt Übergewicht das Risiko für Gichtanfälle. Starke Fettleibigkeit verdreifacht die Gefahr sogar. Vorsicht jedoch vor Extremdiäten oder Fastenkuren: Bei einem rapiden Abbau von Körperfett und Muskelmasse entstehen sogenannte Ketonkörper, die die Harnsäureausscheidung behindern und sogar einen akuten Gichtanfall auslösen können. Besser ist eine langfristige Ernährungsumstellung, bei der die Pfunde langsamer, aber dafür konsequent purzeln.

Was essen bei Gicht: Lebensmittel und Rezepte

Richtig essen und neuen Gichtattacken vorbeugen: Hier finden Sie geeignete Rezepte und Lebensmittel-Listen (auch zum Download).

Weitere Informationen
Auberginenauflauf in einer Form, Besteck und Serviette auf einem Tisch. © NDR Foto: Claudia Timmann

Rezepte bei Gicht

Lecker, leicht zu kochen und purinarm: Diese Gerichte sind günstig für Menschen, die an Gicht leiden. mehr

Brot, Getreide und Beilagen wie Nudeln, Kartoffeln, Reis

nicht mehr als 2 Hände voll/Tag

  • Empfehlenswert: Vollkornbrot; ungesüßtes Müsli; Vollkornnudeln, Vollkornreis, Pellkartoffeln, frisch gestampfter Kartoffelbrei
  • In Maßen empfehlenswert, da eher purinreich: Buchweizen, Grünkern, Haferflocken, Knäckebrot
  • Nicht empfehlenswert: Sojamehl-Produkte, Weizenkeime; Pommes frites, Bratkartoffeln, Kartoffelpuffer, Fertiggerichte, Fast Food; bei Diabetes und/oder Übergewicht zudem: Weißbrot, Toastbrot, Croissant, Zwieback, Weizenbrötchen; Hartweizennudeln, geschälter Reis

 

Weitere Informationen
Schematische Darstellung. © NDR

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 26.09.2022 | 21:00 Uhr

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