Ernährung bei Diabetes: Vorsicht mit Snacks

Stand: 22.02.2021 10:18 Uhr

Die Empfehlungen für Diabetiker vom Typ 1 und Typ 2 sind ähnlich: Maßgeblich kreisen sie um Kohlenhydrate beziehungsweise Zucker.

Zucker ist de Stoff, den unser Körper normalerweise mithilfe von Insulin als Energielieferant in die Körperzellen aufnimmt. Da der Körper bei Diabetes Typ 1 nicht selbst eine passende Insulindosis ausschütten kann, müssen Betroffene bei jeder Mahlzeit Insulin zuführen und die Dosis gut auf die enthaltenen Kohlenhydrate (KH) abstimmen. Eine ausgewogene Ernährung hilft, Blutzuckerschwankungen zu minimieren und Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Heilungschancen bei Diabetes Typ 2

Bei Diabetes Typ 2 kann der Körper zumindest anfangs noch selbst Insulin ausschütten, doch die Zellen sind dagegen "resistent" geworden, darum bleibt der Zucker im Blut. Die Chance: Eine Insulinresistenz kann wieder verschwinden. Voraussetzung ist die Umstellung auf eine "artgerechte Ernährung". Gewicht und Bauchumfang sind ein wichtiger Faktor bei Insulinresistenz: Das Bauchfett muss weg. Wer abnehmen will, sollte Kohlenhydrate einsparen und mehrstündige Pausen zwischen den Mahlzeiten lassen, denn Insulin im Blut hindert den Fettabbau. Typ-2-Diabetikern kann eine Haferkur helfen, sie macht die Zellen wieder empfindlicher für Insulin.

Die wichtigsten Tipps

  • Die Grundlage jeder Diabetiker-Ernährung sollte aus viel Gemüse (zubereitet mit hochwertigen Ölen) und zuckerarmen Obstsorten bestehen. Wählen Sie ballaststoffreiche Beilagen: Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Vollkornreis.
  • Eiweißquellen - etwa mageres Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte sowie Nüsse und Hülsenfrüchte - sorgen für gute Sättigung und dämpfen den Blutzuckeranstieg. Wichtig: auf die richtige Eiweiß-Dosierung achten.
  • Zucker ist in vielen Fertigprodukten versteckt. Fruchtzucker ist keine gesunde Alternative, und auch Süßstoffe sollten Sie nicht bedenkenlos zu sich nehmen. Gewöhnen Sie Ihren Geschmack lieber nach und nach an weniger Süße. Nutzen Sie die natürlichen Aromen aus frischen Zutaten (Kräuter, Früchte).
  • Bsp. für blutzuckerneutrale Snacks: Gemüserohkost, 1 hart gekochtes Ei, 2 EL Nüsse.

Lebensmittel im Überblick

EmpfehlenswertNicht empfehlenswert
Brot, Getreide und Beilagen wie Nudeln, Kartoffeln, ReisIn Maßen: Vollkornbrot, Vollkorngetreideprodukte insbesondere aus Hafer (Haferkleie), Gerste, Dinkel, Roggen;
Haferflocken, Müsli ohne Zucker;
Vollkornnudeln, Vollkornreis, Pellkartoffeln
Weißbrot, Toastbrot, Zwieback, Weizen- und Milchbrötchen, Croissant;
Hartweizennudeln; geschälter Reis, Pommes, Kroketten, Kartoffelbrei, Pfannkuchen, Kartoffelpuffer;
Fertiggerichte, Fast Food
Snacks und Knabberkram
(bei Bedarf 1 kleine Handvoll "Luxus" am Tag, max. 25 g)
Süße Backwaren, Süßigkeiten, süße Milchprodukte (s. u.), Salzgebäck, Chips, Flips
Obst
(1-2 Portionen am Tag)
Apfel, Aprikosen, Brombeeren, Clementinen, Erdbeeren, Grapefruit, Heidelbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Sauerkirschen, Kiwi, Marillen, Nektarine, Papaya, Orange, Pflaumen, Pfirsiche, Stachelbeere, Wassermelone, Zwetschgengezuckerte Obstkonserven und Obstmus, kandiertes Trockenobst;
In Maßen noch geeignet:
Banane, Kaki (Sharon), Weintrauben, Kirsche, Ananas, Mango, Honigmelone und Birne
Gemüse
(3 Portionen am Tag)
Alle Salatsorten, Bohnen, Sojabohnen, Linsen, Erbsen, Paprika, Möhren, Gurke, Tomate, Fenchel, Aubergine, Artischocken, Spinat, Zucchini, alle Kohlarten, Radieschen, Spargel, Sauerkraut und alle PilzartenMais und Süßkartoffeln
Nüsse und Samen
(ca. 40 g am Tag)
Mandeln, Walnüsse, Haselnüsse, Cashewnüsse, Macadamianüsse, Pinienkerne, Kürbiskerne und SonnenblumenkerneErdnüsse und gesalzene Nüsse
Fette und Öle
(ca. 2 EL am Tag)
Olivenöl, Rapsöl, Walnussöl, Leinöl*) und Weizenkeimöl*), ButterSchweine- und Gänseschmalz, Butterschmalz, Palmfett, Mayonnaise, Sonnenblumenöl, Distelöl
Getränke
(ca. 2 Liter am Tag)
Wasser, ungezuckerter Tee und KaffeeFruchtsaft, Softdrinks, Kakao, Alkohol; in Maßen noch geeignet: Light-Getränke
Fisch und Meeresfrüchte
(1-2 Mal pro Woche, ca. 200-250 g)
Aal, Forelle, Heilbutt, Hering, Kabeljau, Karpfen, Lachs, Makrele, Sardine/Sardellen,
Scholle, Seezunge, Steinbutt, Thunfisch, Flusskrebs, Garnelen, Hummer, Krabben, Shrimps
Fisch in Mayonnaise oder Sahne eingelegt;
panierter Fisch
Wurstwaren und Fleisch
(2-3 Mal pro Woche, insg. ca. 250 g)
Putenbrustaufschnitt, Corned Beef, Aspik;
Hühnerfleisch, Putenfleisch, Rinderfilet;
selten: Koch- und Lachsschinken, Kassler, Schinkenzwiebelmettwurst, Schweinefilet, Schweinerücken
Paniertes Fleisch
In Maßen noch geeignet: Leberwurst, Mettwurst, Weißwurst, Salami, Schinkenspeck, Mortadella, Fleischwurst, Bockwurst, Bratwurst, Blutwurst, Fleischkäse, Leberkäse, Nackenfleisch, Bauchspeck
Eier (bis zu 5 pro Woche),
Milch- und Milchprodukte,
Käse
Eier in allen Variationen;
Kochsahne 15 % Fett, Saure Sahne 10 % Fett,
Milch bis 3,5 % Fett, Buttermilch, Quark bis 20 % Fett, Naturjoghurt bis 3,5 % Fett;
Käse bis 45 % Fett i. Tr.: Schnittkäse, Weichkäse, Feta, Mozzarella
Sahne, Schmand und Creme fraiche;
Pudding, Milchreis, Fruchtjoghurt, Fruchtquark, Kakaozubereitungen, Fruchtbuttermilch

 

Logi-Methode

Logi steht für "Low Glycemic and Insulinemic Diet": eine Ernährung, die den Blutzucker- und Insulinspiegel niedrig hält. Entscheidend sind also wenig Kohlenhydrate. Die sogenannte Logi-Ernährungspyramide hat vier Ebenen:

  • Die Basis bilden stärkearme Gemüse, Salate, Obst und hochwertige Öle: Sie sollten den Großteil der Ernährung ausmachen, mindestens die Hälfte jeder Mahlzeit.
  • Auf der zweiten Ebene finden sich Eiweißquellen wie Fleisch, Fisch und Milchprodukte oder pflanzliche Alternativen - sie gehören zur täglichen Nahrungsaufnahme.
  • Die dritte Ebene beinhaltet Vollkornprodukte (Basmati-, brauner Reis, Nudeln): davon pro Mahlzeit nur wenig konsumieren.
  • An der Spitze der Pyramide befinden sich Getreideprodukte aus Weißmehl, mehlige Kartoffeln und Süßwaren. Da sie den Blutzucker-Haushalt stark belasten, soll man sie selten oder gar nicht essen.

Wichtig: Zwischen den Mahlzeiten braucht die Leber Pausen. Die alte Regel, lieber viele kleine Mahlzeiten zu essen, kann die Leberzellen überfordern.

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 22.02.2021 | 21:00 Uhr

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