Stand: 03.08.2020 15:36 Uhr  - Visite

Corona: Die Ansteckungsgefahr minimieren

Eine Schutzmaske liegt auf blauem Hintergrund. © colourbox
Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bleibt eine wichtige Maßnahme zur Eindämmung des Coronavirus.

Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen, auf Kreuzfahrtschiffen, nach Partys oder Familienfeiern zeigen, dass ein einzelner Infizierter - ohne selbst Symptome zu haben - in kurzer Zeit eine große Zahl weiterer Menschen anstecken kann. Diesen Übertragungsweg bezeichnen Epidemiologen als "Superspreader-Event". Auch scheinbar gesunde Rückkehrer aus dem Urlaub, die sich mit dem Virus infiziert haben, können in Deutschland andere Menschen anstecken. Familienfeiern sind ebenfalls ein Risiko: Viele glauben zwar, dass Treffen innerhalb der Familie harmlos sind. Dabei kommt es darauf an, wie viele Menschen sich in welchem Rahmen treffen: Eine Feier, auf der getanzt wird, ist vergleichsweise gefährlich, ein ruhiges Essen im Freien eher harmlos.

VIDEO: Corona: Die Ansteckungsgefahr minimieren (5 Min)

Corona-Infektion: Hohes Risiko in geschlossenen Räumen

Besonders hohe Ansteckungsgefahr herrscht in Innenräumen. Das zeigte auch die Massenansteckung im Schlachtbetrieb Tönnies: Wissenschaftler konnten anhand der Genstruktur der Viren zeigen, dass ein einzelner Mitarbeiter alle anderen angesteckt hatte. Und das passierte offenbar nicht in den Wohnräumen, sondern im Schlachtbetrieb: Alle Betroffenen hatten am Infektionstag in der Frühschicht in der gleichen Halle gearbeitet. Das Virus verbreitete sich dort auf bis zu acht Meter entfernte Kollegen, die über lange Zeit im gleichen, schlecht belüfteten Raum angestrengt arbeiteten. Damit waren gleich drei Faktoren gegeben, die die Verbreitung der Viren über Aerosole begünstigen: schlecht belüftete Innenräume, langer Zeitraum und körperliche Anstrengung.

Übertragung durch Aerosole beim Singen?

Auch gemeinsames Singen ist mit einer hohen Infektionsgefahr verbunden, wie eine Chorprobe in Berlin zeigte, bei der 60 der 80 Sängerinnen und Sängern an Covid-19 erkrankten, obwohl ihre Stühle in einem 120 Quadratmeter großen Raum verteilt waren. Da sich die Menschen im ganzen Saal infiziert hatten und eine Infektion über Tröpfchen über so weite Entfernungen nahezu ausgeschlossen ist, bleibt als Erklärung derzeit nur eine Ansteckung über Aerosole.

Aerosole sind feine Tröpfchen, die über längere Zeit in der Luft schweben und bis tief in die Lunge eingeatmet werden können. Aerosole entstehen überall dort, wo Flüssigkeiten fein vernebelt werden, zum Beispiel an den Stimmlippen beim Sprechen und Singen. Die winzigen Tröpfchen der Aerosole sind kleiner als 5 Mikrometer, so klein wie Feinstaub. Auf ihnen können Viruspartikel haften und Infektionen auslösen. Während größere Tröpfchen schnell zu Boden sinken, schweben Aerosole mehrere Stunden in der Luft und können sich im gesamten Raum verteilen. Aerosole sind auch in anderen Bereichen ein Problem: Schweißtreibende Aerobic-Kurse in Fitnessstudios mit kleinen Kursräumen, volle Sitzreihen im Flugzeug oder eine heiße Party mit Freunden bieten den Viren beste Voraussetzungen, sich schnell auf möglichst viele Menschen zu verbreiten.

Ansteckung im Freien: Mit Abstand droht wenig Gefahr

Im Freien sind Aerosole relativ harmlos, da die winzigen Partikel an der frischen Luft rasch verdünnt und zudem nach wenigen Minuten in der Sonne durch das UV-Licht zerstört werden. Dadurch wird die für eine Infektion erforderliche Menge an Viren nicht mehr erreicht. Mit Abstand und Maske droht daher wenig Gefahr.

Es gilt also, so viel wie möglich im Freien zu machen und dabei Abstand zu wahren. Innenräume sollten möglichst dauerhaft gelüftet werden, am besten quer, damit die Luft samt eventuell infektiöser Aerosole so schnell wie möglich ausgetauscht wird.

Weitere Informationen
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Experten zum Thema

Univ.-Prof. Dr. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter Fachgruppe Virusdiagnostik
Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Bernhard-Nocht-Straße 74
20359 Hamburg
www.bni-hamburg.de

Dr. Ute Rexrodt, Leiterin FG Surveillance
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
13353 Berlin
www.rki.de

Prof. Dr. Adam Grundhoff, Forschungsgruppenleiter
Heinrich-Pette-Institut
Leibnitz-Institut für Experimentelle Virologie
Martinistraße 52
20251 Hamburg
www.hpi-hamburg.de

Prof. Dr. Johannes K.-M. Knobloch, Leiter Arbeitsbereich Krankenhaushygiene
Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

Prof. Dr. Ulrich Pöschl, Direktor
Abteilung Multiphasenchemie
Max-Planck-Institut für Chemie
Hahn-Meitner-Weg 1
55128 Mainz
www.mpg.de

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Visite | 04.08.2020 | 20:15 Uhr

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