Eine Klinik-Mitarbeiterin zieht einen Covid-19-Impfstoff für eine Impfung auf eine Spritze. © picture alliance/Sven Hoppe Foto: Sven Hoppe

Corona-Impfstoffe Biontech, Moderna, Novavax - wie wirken sie?

Stand: 24.01.2022 16:22 Uhr

Derzeit sind fünf Corona-Impfstoffe in der EU zugelassen, unter anderem Biontech, Moderna und zuletzt Novavax. Wann kommen erste an Omikron angepasste Vakzine und wie wirken die derzeit zugelassenen?

Omikron verbreitet sich rasant und hat die Impfstoffhersteller veranlasst, Vakzine zu entwickeln, die speziell an diese Variante des Corona-Virus angepasst sind. Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech hat bereits mit der Produktion begonnen und will im März einen auf Omikron optimierten Impfstoff auf den Markt bringen. Ende Januar soll dazu eine klinische Studie starten. Auch die Impfstoffhersteller Moderna, AstraZeneca und Novavax passen derzeit ihre Corona-Impfstoffe an.

Studien belegen, dass auch eine Auffrischungsimpfung mit einem der derzeit verfügbaren Vakzine vor einer Infektion mit der Omikron-Variante schützt - insbesondere, was schwere Verläufe der Erkrankung betrifft. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt daher allen Menschen ab zwölf Jahren drei Monate nach der Zweitimpfung die Booster-Impfung. Auch alle mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson Geimpfte sollten drei Monate nach der Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff eine Auffrischungsimpfung erhalten.

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Biontech und Moderna: Wie funktionieren die mRNA-Impfstoffe?

Die Impfstoffe von Biontech und Moderna werden gentechnisch hergestellt. Die mRNA (messenger Ribonukleinsäure) ist der "Bauplan" für jedes einzelne Eiweiß des menschlichen Körpers. mRNA-Impfstoffe gegen Corona enthalten den "Bauplan" für nur einen Teil des Virus: das Spike-Protein auf der Außenhülle. Dieses Protein ist nicht infektiös, überträgt die Krankheit also nicht.

Die im Impfstoff enthaltene mRNA baut der Körper in einigen Tagen ab, sie gelangt nicht in das menschliche Erbgut, die DNA. Die Muskelzellen um die Impfstelle vermehren das Spike-Protein. Das Immunsystem des Geimpften erkennt sie als Fremdkörper, aktiviert Abwehrzellen und bildet Antikörper gegen das Spike-Protein des Coronavirus sowie Abwehrzellen. Folgt später eine Infektion, erkennt der Körper das Spike-Protein wieder und bekämpft es. Der volle Impfschutz tritt etwa 14 Tage nach der zweiten Impfung ein. Frühestens nach drei Monaten sollte dann die Auffrischungsimpfung (Booster) erfolgen.

Überwiegend milde Nebenwirkungen bei mRNA-Impfstoffen

Zu den häufigsten Beschwerden nach einer Impfung mit Biontech oder Moderna gehören Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf- und Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen und grippeähnliche Symptome. Die Beschwerden sind meist gering ausgeprägt und treten eher bei jüngeren Menschen auf.

Proteinbasierter Impfstoff von Novavax

Mit dem Vakzin Nuvaxovid des US-Herstellers Novavax steht ab dem 21. Februar ein weiterer Typ von Corona-Impfstoffen zur Auswahl. Er könnte interessant sein für Menschen, die Vorbehalte gegen die bereits zugelassenen mRNA- und Vektorimpfstoffe haben. Novavax ist ein sogenannter proteinbasierter Impfstoff mit Virusantigen: Das Immunsystem bildet nach der Impfung Antikörper gegen das Protein und kann so eine Covid-19-Erkrankung abwehren. Zwei Dosen müssen im Abstand von drei Wochen verimpft werden, bislang wurden nur Fälle von milden Nebenwirkungen bekannt.

Ist Novavax ein Totimpfstoff?

Ob Novavax ein sogenannter Totimpfstoff ist, hängt von der Definition dieses Begriffs ab. So sind für das Bundesforschungsministerium diejenigen Vakzine Totimpfstoffe, die Bestandteile oder einzelne Moleküle des Erregers enthalten. Das trifft auf Novavax zu. Allerdings enthält das Vakzin keine abgetöteten Virusbestandteile, die direkt aus dem Coronavirus gewonnen werden, sondern gentechnisch hergestellte Virus-Proteine. Nach einer engeren Definition zählt es daher nicht zu den Totimpfstoffen. Impfstoffe mit abgetöteten Krankheitserregern bzw. Bestandteilen der Erreger sind bereits seit Jahrzehnten erprobt und werden beispielsweise bei Impfungen gegen Polio, Tetanus, Diphterie oder Tollwut angewendet.

Valneva-Totimpfstoff vor Zulassung

Derzeit prüft die EU die Zulassung eines Totimpfstoffs des österreichisch-französischen Unternehmens Valneva. Der Hersteller geht davon aus, dass diese noch im ersten Quartal 2022 erfolgt. Valneva geht zudem davon aus, dass der Impfstoff auch gegen Omikron wirksam ist. Totimpfstoffe lassen sich relativ schnell in großen Mengen herstellen. Allerdings reicht die Wirkung der abgetöteten Erreger allein nicht aus. Ein Wirkverstärker muss beigemengt werden, der künstlich hergestellt wird. In der Regel senken sie die Verträglichkeit der Präparate.

Vektor-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson

Neben den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna sind in der EU derzeit die Vektor-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson zugelassen. Sie dürfen nur bei Menschen ab 18 Jahren eingesetzt werden. Die beiden Vakzine beruhen auf einem anderen Prinzip als mRNA-Impfstoffe, aber ebenfalls auf Gentechnik. Das Verfahren hat sich bei Impfungen gegen verschiedene Krankheiten bewährt: Ein für den Menschen harmloses Virus, das sich nicht vermehren kann, transportiert das Spike-Protein des Coronavirus. Der Transportstoff - das Vektorvirus - wird im Körper in kurzer Zeit abgebaut. Das Spike-Protein löst den gleichen Prozess aus wie bei den mRNA-Impfstoffen und führt so zu einem Impfschutz.

Johnson & Johnson: Dritte Impfung für 2G-Plus nötig

Beim Präparat von Johnson & Johnson galt im Unterschied zu den anderen Impfstoffen ursprünglich nur eine Impfung für den vollen Impfschutz als ausreichend. Mittlerweile ist eine zweite Spritze notwendig, um als vollständig geimpft zu gelten. Diese sollte vier Wochen nach der Erstimpfung mit einem mRNA-Impfstoff, also Biontech oder Moderna, erfolgen. Im Abstand von mindestens drei Monaten ist dann eine Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erforderlich. Ohne diese dritte Spritze gelten Menschen, die Johnson & Johnson und eine zweite Impfung mit einem mRNA-Impfstoff bekommen haben, in einigen Bundesländern, etwa in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, nicht länger als geboostert. Sie müssen damit bei der 2G-Plus-Regelung zusätzlich einen Negativ-Test vorlegen.

Welcher Impfstoff für Kinder, Jugendliche und Schwangere?

Ein Mädchen mit bunter OP-Schutzmaske bekommt eine Spritze in den Oberarm ©  picture alliance/Laci Perenyi Foto: Laci Perenyi
Für Kinder und Jugendliche sind bislang nur mRNA-Impfstoffe zugelassen.

Für Kinder und Jugendliche sind derzeit laut EU-Beschluss sowohl das Präparat von Biontech als auch das von Moderna dürfen an Menschen ab zwölf Jahren verimpft werden. Allerdings empfiehlt die Stiko für alle Menschen unter 30 Jahre sowie für Schwangere nur Biontech, da in der Altersgruppe der Jüngeren die seltene Nebenwirkung von Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen nach einer Impfung mit Moderna häufiger beobachtet wurde als nach der Biontech-Impfung. Seit Kurzem empfiehlt die Stiko auch Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren die Booster-Impfung. Der Kinderimpfstoff für Fünf- bis Elfjährige enthält den mRNA-Impfstoff von Biontech in geringerer Dosierung.

Körper baut Impfstoffe wieder ab

Sogenannte Langzeitfolgen des Impfens, also Nebenwirkungen, die erst viele Monate oder Jahre nach dem Impfen auftreten, sind bei Impfstoffen nicht bekannt, so das Paul-Ehrlich-Institut. Die meisten Nebenwirkungen treten innerhalb weniger Stunden oder weniger Tage nach einer Impfung auf, in seltenen Fällen nach Wochen oder wenigen Monaten. Die derzeitigen Covid-19-Vakzine seien mittlerweile millionen-, teilweise gar milliardenfach verimpft, ihre Nebenwirkungen - auch die sehr seltenen - inzwischen gut bekannt. Zudem baut sich der Impfstoff im Körper bereits nach wenigen Tagen wieder ab, das Immunsystem aber hat sich "gemerkt", gegen welche Zellen es in Zukunft vorgehen muss.

Booster-Impfstoff von Bavarian Nordic nicht vor 2023

Insgesamt befinden sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit derzeit 334 Corona-Impfstoffe in Entwicklung. An einem universellen Booster-Impfstoff arbeitet derzeit die deutsch-dänische Biotech-Firma Bavarian Nordic. Der Impfstoff soll generell als Auffrischung nach einer ersten Immunisierung genutzt werden können. Mit einer Zulassung ist allerdings nicht vor 2023 zu rechnen.

Das empfiehlt die Stiko (Stand 20. Januar 2022):

Impfung gegen Covid-19 für alle Menschen ab 18 Jahre

  • für 18 bis 30-Jährige sowie für Schwangere: Biontech
  • ab 30 Jahre: mRNA-Impfstoffe von Biontech oder Moderna
  • ab 60 Jahre: mRNA-Impfstoffe von Biontech oder Moderna. Alternativ Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson oder AstraZeneca (Lieferung bereits ausgelaufen) und Zweitimpfung mit mRNA-Impfstoff
Für Kinder ab 12 Jahre: Biontech
Für Kinder ab 5 Jahre: mit Vorerkrankungen: Biontech

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