VIDEO: Universeller Impfstoff gegen alle Corona-Varianten? (5 Min)

Biontech, Moderna, Novavax: Wie wirken die Corona-Impfstoffe?

Stand: 24.05.2022 12:56 Uhr

Derzeit sind fünf Corona-Impfstoffe in der EU zugelassen, erste an Omikron angepasste Vakzine werden getestet. Auch für Kinder ab fünf Jahren ohne Vorerkrankungen empfiehlt die Stiko jetzt eine Impfung.

Die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna werden derzeit angepasst, um ihre Wirksamkeit gegen die Omikron-Variante zu erhöhen. Der Hersteller Biontech rechnet mit einer Zulassung nicht vor Spätsommer. Der Hersteller Moderna, der das bisherige Vakzin mit einem an Omikron angepassten Booster kombinieren will, geht davon aus, dass sein Impfstoff im September erhältlich ist.

Booster mit Biontech oder Moderna schützt vor Omikron

Erste Studienergebnisse deuten zudem darauf hin, dass die Omikron-spezifischen mRNA-Impfstoffe lediglich bei Erstimpfungen einen Vorteil bringen. Als Booster eingesetzt wirken sie demnach nicht besser als die bereits zugelassenen Corona-Vakzine. Zugleich zeigen die Studien, dass ein Booster mit einem der derzeit erhältlichen mRNA-Impfstoffe ebenfalls vor einer Infektion mit der Omikron-Variante schützt - insbesondere, was schwere Verläufe der Erkrankung betrifft. Allerdings verringert sich dieser Impfschutz einer neuen Studie von Biontech/Pfizer zufolge nach drei Monaten deutlich.

Novavax-Impfstoff: Proteinbasiertes Vakzin

Seit Februar ist das Vakzin Nuvaxovid des US-Herstellers Novavax in Deutschland erhältlich, es ist noch nicht an Omikron angepasst. Dieser Impfstoff ist ein sogenannter proteinbasierter Impfstoff mit Virusantigen. Das Immunsystem bildet nach der Impfung Antikörper gegen das Protein und kann so eine Covid-19-Erkrankung abwehren. Die Hoffnung, dass er viele Menschen zur Impfung bewegen könnte, die Vorbehalte gegen die bereits seit Längerem zugelassenen mRNA- und Vektorimpfstoffe haben, hat sich bislang jedoch nicht erfüllt.

Novavax: Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Zwei Dosen müssen im Abstand von drei Wochen verimpft werden. Bekannte Nebenwirkungen, die auftreten können, sind Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schmerzen an der Injektionsstelle sowie Müdigkeit und Unwohlsein. Die Beschwerden sind in der Regel leicht und vorübergehend. Eine Drittimpfung ist bei Novavax derzeit nicht vorgesehen. Die Stiko empfiehlt die Verwendung ab 18 Jahren. Ausgenommen von der Empfehlung sind Schwangere und Stillende.

Ist Novavax ein Totimpfstoff?

Ob Novavax ein sogenannter Totimpfstoff ist, hängt von der Definition dieses Begriffs ab. So sind für das Bundesforschungsministerium diejenigen Vakzine Totimpfstoffe, die Bestandteile oder einzelne Moleküle des Erregers enthalten. Das trifft auf Novavax zu. Allerdings enthält das Vakzin keine abgetöteten Virusbestandteile, die direkt aus dem Coronavirus gewonnen werden, sondern gentechnisch hergestellte Virus-Proteine. Nach einer engeren Definition zählt es daher nicht zu den Totimpfstoffen. Impfstoffe mit abgetöteten Krankheitserregern beziehungsweise Bestandteilen der Erreger sind bereits seit Jahrzehnten erprobt und werden beispielsweise bei Impfungen gegen Polio, Tetanus, Diphterie oder Tollwut angewendet.

Biontech und Moderna: Wie funktionieren die mRNA-Impfstoffe?

Die Impfstoffe von Biontech und Moderna werden gentechnisch hergestellt. Die mRNA (messenger Ribonukleinsäure) ist der "Bauplan" für jedes einzelne Eiweiß des menschlichen Körpers. mRNA-Impfstoffe gegen Corona enthalten den "Bauplan" für nur einen Teil des Virus: das Spike-Protein auf der Außenhülle. Dieses Protein ist nicht infektiös, überträgt die Krankheit also nicht.

Die im Impfstoff enthaltene mRNA baut der Körper in einigen Tagen ab, sie gelangt nicht in das menschliche Erbgut, die DNA. Die Muskelzellen um die Impfstelle vermehren das Spike-Protein. Das Immunsystem des Geimpften erkennt sie als Fremdkörper, aktiviert Abwehrzellen und bildet Antikörper gegen das Spike-Protein des Coronavirus sowie Abwehrzellen. Folgt später eine Infektion, erkennt der Körper das Spike-Protein wieder und bekämpft es. Der volle Impfschutz tritt etwa 14 Tage nach der zweiten Impfung ein.

Booster und vierte Impfung für Menschen ab 70

Frühestens nach drei Monaten sollte eine Auffrischungsimpfung (Booster) erfolgen. Das empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) allen Menschen ab zwölf Jahren. Für Menschen ab 70 Jahren, Pflegeheimbewohner, Beschäftigte im Gesundheitsbereich und Immungeschwächte empfiehlt die Stiko zudem eine vierte Impfung frühestens drei Monate nach der Booster-Impfung.

Impfzertifikat ohne Booster nur begrenzt gültig

Ohne Booster sind die Impfzertifikate nur begrenzt gültig. Wer nach neun Monaten noch keinen Booster erhalten hat, verliert für Reisen innerhalb der EU den Status "vollständig geimpft". Das entsprechende EU-weit gültige Impfzertifikat läuft seit 1. Februar bereits nach 270 Tagen - und nicht wie bislang nach 365 Tagen - ab. Für Geboosterte gilt das Zertifikat derzeit auf unbestimmte Zeit.

Omikron: Moderna oder Biontech - was schützt besser?

Studien deuten darauf hin, dass der Impfstoff von Moderna insbesondere als Booster-Impfung einen etwas besseren Schutz vor einer Infektion mit der Omikron-Variante bietet als Biontech. Der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen ist aber bei beiden Impfstoffen gut.

Nebenwirkungen bei Moderna und Biontech meist mild

Zu den häufigsten Beschwerden nach einer Impfung mit Biontech oder Moderna gehören Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf- und Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen und grippeähnliche Symptome. Die Beschwerden sind meist gering ausgeprägt und treten eher bei jüngeren Menschen auf.

Totimpfstoff von Valneva: Zulassung verzögert sich

Derzeit prüft die EU die Zulassung eines Totimpfstoffs des österreichisch-französischen Unternehmens Valneva. Im April forderte die zuständige Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) weitere Informationen ein, sodass sich die Zulassung, auf die der Konzern für April 2022 gehofft hatte, verzögert. Der Hersteller geht davon aus, dass der Impfstoff auch gegen Omikron wirksam ist. Totimpfstoffe lassen sich relativ schnell in großen Mengen herstellen. Allerdings reicht die Wirkung der abgetöteten Erreger allein nicht aus. Ein Wirkverstärker (Adjuvans) muss beigemengt werden, der künstlich hergestellt wird. In der Regel senken derartige Zusätze aber die Verträglichkeit der Präparate.

Vektor-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson

Neben den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna sind in der EU derzeit die Vektor-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson zugelassen. Sie dürfen nur bei Menschen ab 18 Jahren eingesetzt werden. Die beiden Vakzine beruhen auf einem anderen Prinzip als mRNA-Impfstoffe, aber ebenfalls auf Gentechnik. Das Verfahren hat sich bei Impfungen gegen verschiedene Krankheiten bewährt: Ein für den Menschen harmloses Virus, das sich nicht vermehren kann, transportiert das Spike-Protein des Coronavirus. Der Transportstoff - das Vektorvirus - wird im Körper in kurzer Zeit abgebaut. Das Spike-Protein löst den gleichen Prozess aus wie bei den mRNA-Impfstoffen und führt so zu einem Impfschutz.

Johnson & Johnson: Zweite Impfung nötig

Beim Präparat von Johnson & Johnson galt im Unterschied zu den anderen Impfstoffen ursprünglich nur eine Impfung für den vollen Impfschutz als ausreichend. Mittlerweile ist eine zweite Spritze notwendig, um als vollständig geimpft zu gelten. Diese sollte vier Wochen nach der Erstimpfung mit einem mRNA-Impfstoff, also Biontech oder Moderna, erfolgen. Im Abstand von mindestens drei Monaten ist dann eine Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff empfehlenswert.

Welcher Impfstoff für Kinder, Jugendliche und Schwangere?

Ein Mädchen mit bunter OP-Schutzmaske bekommt eine Spritze in den Oberarm ©  picture alliance/Laci Perenyi Foto: Laci Perenyi
Für Kinder und Jugendliche sind bislang nur mRNA-Impfstoffe zugelassen.

Für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren sind derzeit in der EU sowohl das Präparat von Biontech als auch das von Moderna zugelassen. Allerdings empfiehlt die Stiko für alle Menschen zwischen 12 und 30 Jahren sowie für Schwangere nur Biontech, da in der Altersgruppe der Jüngeren die seltene Nebenwirkung von Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen nach einer Impfung mit Moderna häufiger beobachtet wurde als nach der Biontech-Impfung. Seit Januar empfiehlt die Stiko Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren die Booster-Impfung, die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) empfiehlt die Auffrischung erst seit dem 24. Februar.

Fünf- bis elfjährigen Kindern empfiehlt die Stiko ebenfalls eine Impfung, allerdings nur mit einer Impfdosis. Fünf- bis elfjährige Kinder mit Vorerkrankungen sollten zusätzlich eine zweite sowie eine Booster-Impfung erhalten. Gesunde Kinder mit engem Kontakt zu Personen, die zu Risikogruppen zählen, sollten zwei Dosen erhalten. Geimpft werden sollte laut Stiko-Empfehlung vorzugsweise mit dem Kinderimpfstoff von Biontech. Alternativ sei aber für Kinder von sechs bis elf Jahren auch die Verwendung des Kinderimpfstoffs von Moderna möglich.

Körper baut Impfstoffe wieder ab

Sogenannte Langzeitfolgen des Impfens, also Nebenwirkungen, die erst viele Monate oder Jahre nach dem Impfen auftreten, sind bei Impfstoffen nicht bekannt, so das Paul-Ehrlich-Institut. Die meisten Nebenwirkungen treten innerhalb weniger Stunden oder weniger Tage nach einer Impfung auf, in seltenen Fällen nach Wochen oder wenigen Monaten. Die derzeitigen Covid-19-Vakzine seien mittlerweile millionen-, teilweise gar milliardenfach verimpft, ihre Nebenwirkungen - auch die sehr seltenen - inzwischen gut bekannt. Zudem baut sich der Impfstoff im Körper bereits nach wenigen Tagen wieder ab, das Immunsystem hat sich aber "gemerkt", gegen welche Zellen es in Zukunft vorgehen muss.

Booster-Impfstoff von Bavarian Nordic nicht vor 2023

Weltweit befinden sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) derzeit 334 Corona-Impfstoffe in Entwicklung. An einem universellen Booster-Impfstoff arbeitet die deutsch-dänische Biotech-Firma Bavarian Nordic. Dieser Impfstoff soll generell als Auffrischung nach einer ersten Immunisierung genutzt werden können. Mit einer Zulassung ist allerdings nicht vor 2023 zu rechnen.

Das empfiehlt die Stiko (Stand: 24. Mai 2022)

Impfung gegen Covid-19 für alle Menschen ab 18 Jahre

  • ab 18 Jahre, ausgenommen Schwangere und Stillende: Novavax
  • für 18 bis 30-Jährige sowie für Schwangere: Biontech
  • ab 30 Jahre: mRNA-Impfstoffe von Biontech oder Moderna
  • ab 60 Jahre: mRNA-Impfstoffe von Biontech oder Moderna. Alternativ Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson oder AstraZeneca (Lieferung bereits ausgelaufen) und Zweitimpfung mit mRNA-Impfstoff
Kinder ab 5 Jahre: einmalige Impfstoffdosis mit Kinderimpfstoff, bevorzugt Biontech, Moderna möglich
Für Kinder ab 5 Jahre mit engem Kontakt zu Risikogruppen: zweimalige Impfstoffdosis mit Kinderimpfstoff, bevorzugt Biontech, Moderna möglich
Für Kinder ab 5 Jahre mit Vorerkankungen: vollständige Impfung mit Kinderimpfstoff plus Booster, bevorzugt Biontech, Moderna möglich
Kinder ab 12 Jahre: Biontech

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