Gefahr fürs Augenlicht: Rheumaerkrankung Riesenzellarteriitis

Stand: 25.10.2021 10:09 Uhr

Schläfen-Kopfschmerz, Sehstörungen, Kauschmerzen, das sind Alarmzeichen für eine rheumatische Erkrankung der Gefäße. Wenn diese Diagnose nicht schnell gestellt und mit einer Behandlung begonnen wird, droht Erblindung.

Die Riesenzellarteriitis ist eine der häufigsten rheumatischen Gefäßerkrankungen (Vaskulitis). Sie greift vor allem große und mittelgroße Gefäße an, am häufigsten Äste der Halsschlagader, welche die Schläfenregion, den Hinterkopf und die Augen mit Blut versorgen.

In den betroffenen Gefäßen sammeln sich bestimmte Immunzellen und führen zu einer chronischen Entzündung. Unter dem Mikroskop sind besonders große Zellen, sogenannte Riesenzellen, zu erkennen - daher der Name Riesenzellarteriitis. Die Zellen der Gefäßwand vermehren sich und verengen schließlich das betroffene Gefäß, sodass vor allem bei körperlicher Belastung die Blutversorgung nicht mehr ausreicht.

Symptome: Schläfen-Kopfschmerz, Sehaussetzer

Die Symptome der Riesenzellarteriitis treten abhängig vom minderversorgten Organ auf. Fast immer leiden die Betroffenen unter starken, bohrenden oder stechenden Kopfschmerzen an den Schläfen. Die Schmerzen verschlimmern sich beim Kauen oder Husten. Greift die Riesenzellarteriitis Gefäße am Auge an, kann das die Blutversorgung von Sehnerv und Augenmuskeln beeinträchtigen. Sehstörungen wie flüchtige Sehaussetzer (Amaurosis fugax), Gesichtsfeldeinschränkung (Skotom) oder Flimmern gehören zu den möglichen Folgen. Auch Doppelbilder, Schmerzen bei Augenbewegungen oder ein hängendes Augenlid können auftreten. Im schlimmsten Fall kann eine unbehandelte Riesenzellarteriitis zur Erblindung führen.

 

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Diagnostik: Ultraschall-Untersuchung

Eine Riesenzellarteriitis wird mit einem Ultraschall der Kopf- und Halsgefäße, einem MRT der Aorta, einer augenärztlichen Untersuchung und gegebenenfalls einer Gewebeprobe (Biopsie) diagnostiziert. Im Blut können erhöhte Entzündungswerte messbar sein. Treffen von den folgenden fünf Kriterien mindestens drei zu, liegt mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 Prozent eine Arteriitis temporalis vor:

  • Betroffene sind über 50 Jahre alt
  • erstmalige oder neuartige Kopfschmerzen
  • Veränderungen an den Schläfenarterien, zum Beispiel Druckschmerz oder schwacher Puls
  • erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit
  • feingewebliche Veränderungen einer Schläfenarterie

Behandlung der Riesenzellarteriitis mit Kortison

Eine neu diagnostizierte Arteriitis temporalis und neue Krankheitsschübe werden mit hochdosiertem Kortison behandelt. Sind die Beschwerden verschwunden und haben sich die Entzündungswerte im Blut normalisiert, wird die Dosis nach und nach reduziert. Mit weiteren Medikamenten wie Vitamin D, Kalzium, Acetylsalicylsäure und Magensäurehemmer werden die Nebenwirkungen der Kortisontherapie verringert. Um Kortison einzusparen, kann auch ein Basis-Therapeutikum der Rheumabehandlung eingesetzt werden, das Methotrexat (MTX).

Ein innovativer Therapieansatz setzt auf sogenannte monoklonale Antikörper wie den auch gegen COVID-19 empfohlenen Interleukin-6-Rezeptor-Hemmer Tocilizumab. Zeigt MTX keine ausreichende Wirkung, kann ein Versuch mit Tocilizumab oder einem anderen monoklonalen Antikörper sinnvoll sein. Bei frühzeitiger Diagnose und Therapie verschwinden die Symptome fast immer. Nur sehr selten entwickelt sich eine chronische Riesenzellarteriitis.

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