Zwei ältere Damen gehen vor dem Impfzentrum Landkreis Friesland entlang. © Picture Alliance Foto: Mohssen Assanimoghaddam

Zu hohe Gehälter abgerechnet? DRK Jeverland rechtfertigt sich

Stand: 15.10.2021 21:48 Uhr

Hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Jeverland seinen Mitarbeitenden im Impfzentrum Friesland zu wenig gezahlt? Nein, sagt der Kreisverband. Der Landkreis habe aus freien Stücken zu viel überwiesen.

Anders als im Landkreis Cloppenburg, wo Monat für Monat die tatsächlichen Personalkosten abgerechnet wurden, habe der Landkreis Friesland darauf bestanden, Stundenpauschalen an das DRK Jeverland zu zahlen. Eine Regelung wie in Cloppenburg sei "mit dem Land Niedersachsen so nicht zu vereinbaren": Das habe der Landkreis dem Kreisverband Jeverland im Zuge der Verhandlungen Ende 2020 mitgeteilt, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung des DRK in Jever.

Bis zu 48 Euro bekommen, bis zu 18,75 Euro bezahlt

In der Folge vergütete der Landkreis die Tätigkeiten der Mitarbeitenden im Impfzentrum Friesland je nach Qualifikation mit Stundensätzen zwischen 24 und 48 Euro. Das DRK Jeverland wiederum zahlte seinen Beschäftigten nach eigenen Angaben zwischen 13,45 Euro und 18,75 Euro. Die Bezahlung sei angelehnt an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst aus dem Jahr 2020, betont der Kreisverband in seiner Stellungnahme.

Überschuss soll in gemeinnützige Angebote fließen

Laut Tarifvertrag verdiente eine Verwaltungsangestellte beim DRK offiziell 2.152 Euro brutto. Dem Landkreis stellte der Verband aber 6.566 Euro in Rechnung - also mehr als das Dreifache. Insgesamt soll das DRK Jeverland mehr als 50.000 Euro im Monat an Lohnkosten eingenommen haben, die nicht an die Mitarbeitenden ausgezahlt wurden. Dazu stellt der Kreisverband fest: "Sollten nach dem Abzug aller Kosten Überschüsse übrig bleiben, würden diese in gemeinnützige Angebote des Wohlfahrtsverbandes fließen."

Landrat würde heute nur die tatsächlichen Kosten erstatten

Landrat Sven Ambrosy (SPD) hatte nach Bekanntwerden der großen Differenz gesagt, er sei davon ausgegangen, dass das DRK Friesland das Geld eins zu eins an die Mitarbeiter weitergebe. Am Freitag räumte Ambrosy auf Nachfrage des NDR in Niedersachsen ein, dass es im Nachhinein besser gewesen wäre, nur die tatsächlichen Personalkosten zu erstatten. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hatte vor knapp zwei Wochen ihre Ermittlungen in der Sache eingestellt und mitgeteilt, es sei kein strafbares Verhalten des DRK ersichtlich. Der Bund der Steuerzahler (BdSt) hatte in der Angelegenheit die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, um die Abrechnungspraxis zu überprüfen.

Kochsalzlösung statt Impfstoff und eine Razzia

Das Corona-Impfzentrum Friesland in Schortens-Roffhausen war bereits mehrfach in die Schlagzeilen gelangt: Zuerst nachdem eine Krankenschwester zugegeben hatte, in mindestens sechs Fällen Impfstoff gegen eine Kochsalzlösung ausgetauscht zu haben. Sicherheitshalber wurden etwa 10.000 Menschen aufgefordert, sich nachimpfen zu lassen. Das nächste Kapitel dann im August: Beamte von Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchten Geschäftsräume und das Impfzentrum. Fünf Mitarbeitende sollen zwischen Februar und Juli mehr Arbeitsstunden von im Impfzentrum Schortens eingesetztem Personal abgerechnet haben als tatsächlich geleistet wurden.

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Eine ältere Dame betritt das Impfzentrum Landkreis Friesland. © Picture Alliance Foto: Mohssen Assanimoghaddam

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Sie sieht keinen Anlass für weitere Ermittlungen. Dem Betreiber DRK wird vorgeworfen, Löhne nicht weitergegeben zu haben. (04.10.21) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Funkbilder - der Tag | 15.10.2021 | 16:00 Uhr

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