Stand: 15.08.2020 08:29 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Schule startet nach Ferien im Regelbetrieb

Schüler melden sich während eine Lehrerin in einem Klassenzimmer vor einer Tafel steht. © NDR Foto: Julius Matuschik
Fast wie vor Corona: Nach den Sommerferien sollen die Klassen an Niedersachsens Schulen wieder voll besetzt sein. (Themenbild)

Nach den Sommerferien dürfen alle Schüler zum Unterricht an die Schulen zurückkehren. Was in anderen Jahren keine Meldung wert gewesen wäre, ist nach monatelangem Homeschooling wegen der Corona-Pandemie nicht selbstverständlich. Doch zwei Wochen vor Schulstart schätzen Kultusministerium, Gesundheitsministerium und Landesgesundheitsamt die Lage so ein, "dass dem eingeschränkten Regelbetrieb nichts entgegensteht", wie das Kultusministerium am Freitag bekannt gab. Es seien zwar jüngst vermehrt Neuinfektionen gemeldet worden, diese bewegten sich aber landesweit immer noch auf einem niedrigen Niveau, sagte Kultus-Staatssekretärin Gaby Willamowius. Der Landeselternrat, der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL) sowie Grüne und FDP sehen die Entscheidung kritisch.

VIDEO: Schulöffnung trotz steigender Corona-Zahlen? (3 Min)

Elternrat fürchtet Kontakte zwischen "festen Einheiten"

Da die Infektionszahlen aktuell nach oben gehen, hält der Landeselternrat Niedersachsen die Pläne der Landesregierung für nicht durchführbar. Außerdem hinke das Konzept: Die an Schulen vorgesehenen festen Einheiten - Klassenverbände oder Jahrgänge -, innerhalb derer es weder Abstands- noch Maskenpflicht geben soll, sind nach Ansicht der Vorsitzenden Cindy-Patricia Heine zu riskant. Es könne nicht gewährleistet werden, dass diese untereinander keine Kontakte haben.

Videos
Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) spricht in der Landespressekonferenz. © NDR
1 Min

Tonne: "Wir müssen in Szenarien planen"

Am Dienstag hat Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) Pläne für den Schulbetrieb nach den Sommerferien vorgestellt. Es gibt drei Szenarien, die je nach Infektionslage angewandt werden. 1 Min

Kritik: Schulen nicht ausreichend vorbereitet

Landeselternrat, VNL und die Landtagsfraktionen von Grünen und FDP bemängeln zudem, dass die Schulen nicht ausreichend auf höhere Infektionszahlen vorbereitet seien. Aus Sicht der Opposition sollten Urlaubsrückkehrer nicht sofort zum Unterricht gehen. Den Grünen fehlen zudem Pläne, die an Alter und Förderbedarf der Schüler angepasst sind. Für den Lehrerverband ist es noch zu früh, den Schulablauf festzulegen. Die Lehrkräfte müssten also weiterhin doppelt planen - den Regelbetrieb mit Hygieneauflagen sowie den Unterricht nach Szenario B - für zu Hause und die Schule in kleinen, wechselnden Gruppen. Das sei unter anderem deshalb schwierig, weil viele Schulen digital noch nicht gut ausgestattet seien.

So soll der Unterricht nach Szenario A losgehen

"Wir alle möchten den Kindern und Jugendlichen ein Maximum an Bildung im Präsenzunterricht anbieten", so Staatssekretärin Willamowius. Sie appellierte an alle, dabei mitzuhelfen, dass die Lage auch günstig bleibt. "Steigende Infektionszahlen gefährden den eingeschränkten Regelbetrieb in der Schule." Die wichtigsten Eckpfeiler für diesen Schulbetrieb, den Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) vor den Ferien als Szenario A vorgestellt hatte, sind:

  • Unterricht in voller Klassenstärke
  • Einführung fester Lern- und Bezugsgruppen, dafür Verzicht auf Mindestabstand in diesen Gruppen
  • Mund-Nasen-Bedeckung außerhalb von Unterrichts- und Arbeitsräumen, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Gruppen nicht eingehalten werden kann
  • Pflichtunterricht hat Priorität
  • Ganztagsangebote sind möglich
  • Schutz von Risikogruppen kann zu Einschränkungen führen
  • Rahmenhygieneplan Corona Schule

Nach Reise ins Risikogebiet auf Testergebnis warten

Schüler, die sich bis kurz vor dem Ende Ferien in einem Risikogebiet aufgehalten und noch kein Testergebnis haben, sollen laut dem Ministeriumssprecher auf jeden Fall zu Hause bleiben. Sie sollen sich bei ihrer Schule melden. Sollten die Infektionszahlen in einzelnen Städten beziehungsweise Landkreisen deutlich steigen, muss das zuständige Gesundheitsamt entscheiden, ob der Schulbetrieb eingeschränkt wird. Das Kultusministerium wies darauf hin, dass weder die Schulleitungen noch die Schulbehörden die Befugnis dafür hätten.

Zahl der Risiko-Lehrkräfte noch unklar

Unterdessen können Lehrkräfte, die zur Risikogruppe gehören, weiterhin von zu Hause arbeiten. Deshalb ist es möglich, dass einige Klassen tageweise im Homeoffice unterrichtet werden. Noch sei aber nicht klar, wie viele Lehrkräfte im kommenden Schuljahr an den Schulen fehlten, sagte ein Ministeriumssprecher.

Weitere Informationen
Drei Grundschülerinnen mit Schulranzen von hinten fotografiert. © picture alliance / dpa Foto: Angelika Warmuth

FDP: "Späturlauber" nicht sofort in die Schule

Lehrer und Schüler, die kurz vor Schulstart aus dem Urlaub kommen, sollen nach dem Willen der niedersächsischen FDP für zwei Wochen zu Hause bleiben. Das Kultusministerium lehnt das ab. mehr

Schulutensilien  und eine Schutzmaske liegen auf einem Tisch. © dpa Foto: Bodo Schackow

Unterricht an Hotspots: Weil hält Maske für denkbar

Eine allgemeine Maskenpflicht im Schulunterricht lehnt das Land Niedersachsen zurzeit ab. Bei Corona-Hotspots sei sie jedoch örtlich denkbar, so Ministerpräsident Weil (SPD). mehr

Kinder in der Schulklasse beteiligen sich am Unterricht. © picture alliance Foto: Sebastian Gollnow

Land: Weiter keine Maskenpflicht im Unterricht

In NRW sollen Schüler auch im Unterricht eine Maske tragen müssen. Anders in Niedersachsen: Das Kultusministerium hält das angesichts der Infektionszahlen für nicht verhältnismäßig. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.08.2020 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Johann Wimberg (links), Landrat Landkreis Cloppenburg, spricht während der Pressekonferenz im Kreishaus der Stadt Cloppenburg. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Corona: Cloppenburg verhängt neue Einschränkungen

Nach dem Überschreiten des Corona-Grenzwerts gibt es im Landkreis Cloppenburg neue Einschränkungen. In Löningen, Lastrup, Essen und Lindern sind soziale Kontakte nur begrenzt erlaubt. mehr

Schild mit der Aufschrift "Sperrbereich - Kein Zutritt - Vorsicht Strahlung" vor gelben Fässern © dpa Foto: Jens Wolf

Endlager: Bayern schert aus - Niedersachsen schäumt

Ende September soll eine Vorauswahl der Standorte für ein Atommüllendlager benannt werden. Bayerns Umweltminister drängt auf Gorleben - und erntet heftige Kritik aus Niedersachsen. mehr

Der Landwirt Tobias Dörtelmann steht in einem Erdloch neben einem 70 Tonnen schweren Megalith. © NDR Foto: Hedwig Ahrens

Ein dicker Brocken: Der Findling von Hüven

Geschätzte 70 Tonnen wiegt der Stein, den Bauer Dörtelmann auf seinem Feld gefunden hat. Nun will die Gemeinde ihn heben lassen - doch das wird sicher nicht ganz billig. mehr

Ein Schild weist auf den Besuchereingang des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe hin. © dpa-Bildfunk Foto: Uli Deck

BGH: Gestohlener Campingbus gehört neuen Käufern

Eine Familie darf laut BGH einen gestohlenen Campingbus behalten, den sie nichts ahnend gekauft hat. Er hatte einem Autohaus in Buxtehude gehört, das ihn zur Probefahrt verliehen hatte. mehr