Christian Lindner (FDP), Bundesfinanzminister stellt das Ergebnis der Herbst-Steuerschätzung vor. © picture alliance/dpa | Oliver Berg Foto: Oliver Berg
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AUDIO: Forderung nach Fracking-Gas: Lindner erntet Widerspruch (1 Min)

Fracking in Niedersachsen: Ampel-Streit über Lindners Vorstoß

Stand: 31.10.2022 14:33 Uhr

SPD und Grüne lehnen die erneute Forderung von Bundesfinanzminister Lindner (FDP) nach Fracking ab. Neben Ampel-Politikern sperrt sich Landeschef Weil (SPD) - denn Niedersachsen wäre besonders betroffen.

"Fracking-Gas ist klimaschädlich, und seine Förderung schadet der Umwelt. Daher ist die Förderung in Deutschland aus gutem Grund verboten", stellte das Bundesumweltministerium unter Leitung von Steffi Lemke (Grüne) gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland klar. FDP-Politiker Christian Lindner hatte sich angesichts der anhaltenden Energiekrise wiederholt für einen zügigen Einstieg in die Förderung von heimischem Schiefergas durch das umstrittene Fracking ausgesprochen.

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Scholz, Habeck und Weil sind gegen Fracking

Vor Lemke hatten bereits Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) den Vorstoß des Bundesfinanzministers zurückgewiesen. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat bereits mehrfach klargestellt, dass er Fracking ablehnt. Weil wies unter anderem in einer Debatte mit Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) Anfang August darauf hin, dass Fracking in Deutschland zur Überwindung der Energiekrise keinen Beitrag leisten könne, da die Umsetzung solcher Projekte im besten Fall drei bis fünf Jahre dauere.

Wegen "Entwicklung auf der Welt": Lindner will eigenes Gas nutzen

Dass die Methode kurzfristig keinen Nutzen bringt, ist Lindner offenbar klar: Er sei zuversichtlich, dass Deutschland in wenigen Jahren einen relativ großen Bedarf aus heimischen Gasquellen decken könnte, sagte er der Funke-Mediengruppe. "Es ist ratsam, das zu tun, wenn man sich die Entwicklung auf der Welt anschaut." Es sei nicht verantwortbar, aus ideologischen Gründen auf Fracking zu verzichten, so der FDP-Vorsitzende. "Wir haben in Deutschland erhebliche Gasvorkommen, die gewonnen werden können, ohne das Trinkwasser zu gefährden." Die Förderung sei auch unter ökologischen Voraussetzungen verantwortbar.

Umweltstiftung mahnt zu Abkehr von fossilen Brennstoffen

Auch Umweltexperten kritisierten erneut den Einsatz fossiler Energie. Während der Verleihung des Deutschen Umweltpreises mahnte die in Osnabrück ansässige Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), trotz des Krieges in der Ukraine und anderen Krisen weiterhin für den Schutz des Planeten einzustehen. "Wir müssen Kurs halten beim Klima-, Umwelt- und Artenschutz sowie der Abkehr von fossilen Energieträgern. Wir müssen raus aus der Abhängigkeit von Öl, Gas, Kohle und Uran - und Energieimporten aus autokratischen Staaten", sagten DBU-Kuratoriumsvorsitzender Kai Niebert und DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Erdgas gehört zu den fossilen Energieträgern, ihnen gegenüber stehen erneuerbaren Energien wie Wind- und Wasserkraft.

Gros der Erdgasreserven liegt unter Niedersachsen

Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien unter hohem Druck in tiefere Gesteinsschichten gepresst. Das dort lagernde Gas gelangt dann durch die sich bildenden Brüche im Gestein an die Oberfläche. Kritikerinnen und Kritiker befürchten, dass die eingesetzten Chemikalien so ins Grundwasser gelangen können und dieses dauerhaft verseuchen. Ein Großteil der deutschen Erdgasreserven liegt in Niedersachsen, hier wird allerdings seit 2011 nicht mehr gefrackt.

Hunderte Fracking-Maßnahmen zwischen 1961 und 2011

Zwischen 1961 und 2011 wurden nach Angaben des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie 350 Maßnahmen zur Erdgasförderung durch Fracking registriert - zuletzt Ende Juli 2011 an der Bohrung Buchhorst T12 bei Sulingen (Landkreis Diepholz). In den übrigen 15 Bundesländern seien es insgesamt nur gut zwei Dutzend Maßnahmen gewesen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.10.2022 | 11:00 Uhr

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