Stand: 10.10.2018 17:41 Uhr

Weltbank wird ihrer Verantwortung nicht gerecht

Die Weltbank steht wegen ihrer fragwürdigen Umsiedlungspolitik erneut in der Kritik. Eine Analyse der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald, die NDR Info vorliegt, kommt zu dem Schluss, dass die Weltbank weiter massiv in Projekte mit möglicher Zwangsumsiedlung investiert und dabei nicht das nötige Datenmaterial erhebt, um die schlimmsten Folgen zu vermeiden.

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Elisabeth Weydt kritisiert das Vorgehen der Weltbank auf Kosten der armen Menschen.

Die Weltbank ist von den Vereinten Nationen (UN) gegründet worden, um die Armut auf der Welt zu bekämpfen. Sie hat also ein hehres Ziel - und eigentlich die gesamte Welt hinter sich. Sie könnte Revolutionäres auf den Weg bringen. Klimawandel? Fluchtursachenbekämpfung? Die Weltbank hätte genügend Einfluss, wirklich bahnbrechende Projekte zu fördern, Strukturen zu ändern, die größten Probleme unserer Zeit an der Wurzel zu bekämpfen.  

Sie könnte ihr Geld nicht in Entwicklungsprojekte investieren, die am Ende doch vor allem internationalen Großkonzernen und korrupten Politikern in kaputten Staaten nutzen, sondern tatsächlich den Armen dieser Welt. Sie könnte aber vor allem dafür sorgen, dass ihre Projekte den Armen dieser Welt nicht auch noch zusätzlichen Schaden zufügen, sie ihrer Heimat oder ihrer Lebensgrundlage berauben.

Weltbank in Washington, D.C. © NDR

Kritik an umstrittenen Weltbank-Investitionen

NDR Info - Aktuell -

Die Weltbank investiert offenbar in Entwicklungsprojekte, die zur Vertreibung Tausender Menschen führen könnten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Nichtregierungsorganisation Urgewald.

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Maßnahmen der Weltbank reichen nicht aus

Vor drei Jahren hatte sie Besserung gelobt. Damals berichteten Journalistinnen und Journalisten in einem internationalen Rechercheprojekt, an dem auch der NDR beteiligt war, von massiven Zwangsumsiedlungen durch von der Weltbank finanzierte Projekte: fast 3,5 Millionen Menschen in zehn Jahren - teilweise mit katastrophalen Folgen: Morden, Vergewaltigungen. Die Weltbank stellte mehr Personal ein, das sich um die Einhaltung ihrer Standards kümmern sollte, überarbeitete diese Standards.

Doch die Analyse der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald zeigt nun: Das reicht nicht. Im Geschäftsjahr 2018 weiß die Weltbank demnach bei mehr als 70 Prozent ihrer Kredite für Umsiedlungsprojekte nicht einmal, wie viele Menschen davon überhaupt betroffen sein könnten. Das heißt, das Geld fließt, bevor klar ist, was genau damit passieren wird. Im schlimmsten Fall wird es wieder zu Abertausenden Zwangsumsiedlungen führen.

Einfluss der Weltbank ist sehr groß

Die Weltbank sagt, die Kreditnehmer seien für die Umsetzung der Projekte und die Einhaltung der Weltbank-Standards verantwortlich. Sie wolle nicht bevormundend auftreten, ihre Kunden nicht von oben herab behandeln. Aber was kann man von Kreditnehmern wie dem Kongo, wie Eritrea oder einer Bank in Honduras erwarten?

Wenn die Weltbank nicht paternalistisch auftreten will, könnte sie zumindest partnerschaftlich auftreten. Wenn die Weltbank einen Kredit an ein Entwicklungsprojekt vergibt, steigen oft viele andere Investoren mit ein. An ihren Standards orientieren sich andere Banken weltweit. Sie ist ein Gütesiegel. Somit reicht der Einfluss der Weltbank weit über den ihres Kapitals hinaus.

Deutschland muss sein Veto-Recht ernst nehmen

Die Weltbank gibt uns einen Werkzeugkasten, mit dem wir als Weltgemeinschaft die lebensgefährlichen Herausforderungen von Flucht und Klimawandel angehen könnten. Ihn nicht umfassend zu nutzen, wäre unverzeihlich. Und dumm.

Deutschland spielt in der Weltbank eine nicht unbedeutende Rolle. Wir stellen einen von 25 Exekutiv-Direktoren. Über seinen Tisch geht jedes einzelne Projekt, das die Weltbank finanziert. Er sollte viel häufiger nein sagen, als er das in der Vergangenheit getan hat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 10.10.2018 | 17:08 Uhr

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