Bernhard Markwitz mit seiner Tochter Annette in den 50er-Jahren. © Familie Markwitz / NDR

Bernhard Markwitz - Der Schwimmhelfer

Stand: 14.04.2021 16:40 Uhr

Als die lebensrettende Erfindung des Hamburger Tüftlers Bernhard Markwitz 1964 auf den Markt kommt, stößt sie zunächst auf wenig Resonanz. Heute sind seine Schwimmflügel weltweit gefragt.

von Cornelius Kob

Als die Familie Markwitz Anfang der 50er-Jahre nach Winterhude zieht, einem Hamburger Stadtteil in der Nähe der Alster, denkt niemand daran, dass der Goldfischteich im Garten des Hauses einmal ihr Leben verändern wird. 1956 fällt Annette, die dreijährige Tochter von Bernhard Markwitz in diesen Teich, als sie mit ihrer Kindergießkanne Wasser holen will. Ein Alptraum für Eltern. Nur durch einen Zufall wird die Kleine noch rechtzeitig entdeckt und gerettet.

Ein Schwur, der Leben retten soll

Nach diesem Erlebnis schwört sich Bernhard Markwitz, alles daran zu setzen, Menschen das Schwimmenlernen zu erleichtern. Denn der Ostpreuße aus Königsberg liebt Wasser, schwimmt und taucht gern und gut. Schon mit 17 ist er ausgebildeter Rettungsschwimmer.

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AUDIO: Wer erfand die Schwimmflügel? (4 Min)

Erste Versuche mit Schwimmhilfen an den Armen

Bis dato gibt es Schwimmhilfen nur aus Kork. Sie werden um den Bauch gebunden und nutzen wenig, denn der Auftrieb ist gering und der Oberkörper kippt nach vorne. Markwitz muss etwas Neues erfinden und weiß, dass es dabei auf den Drehpunkt ankommt, damit der Nichtschwimmer Oberkörper und Kopf über Wasser halten kann. Seine entscheidende Idee: Schwimmhilfen an den Armen. Er experimentiert zunächst mit den Schläuchen von Kinderrollern. Das Prinzip funktioniert, aber die Tragfähigkeit der Gummischläuche reicht nicht aus. Auf der Suche nach dem richtigen Material stößt er auf PVC. Dieser damals noch neue Kunststoff eignet sich hervorragend. Jetzt muss er nur noch dafür sorgen, dass die Schläuche nicht drücken und die Blutversorgung abschnüren, nicht scheuern und keine Luft verlieren, wenn mal ein Ventilstöpsel herausrutscht.

Ein Lottogewinn ermöglicht die Schwimmflügel

Eine Frau hilft einem jungen Mädchen mit Schwimmflügeln in den 70er-Jahren beim Schwimmen. © picture alliance / United Archives Foto: Werner Otto
Zunächst muss Markwitz viel Werbung für seine Erfindung machen. Doch schon in den 70ern sind Schwimmflügel für viele unabdingbar.

Erste Versuche mit den weiterentwickelten Schwimmflügeln in der heimischen Badewanne sind erfolgreich. Jetzt müssen sie patentiert und in großen Mengen produziert werden. Aber woher soll das Geld dafür kommen? Als Kaufmann hat Markwitz keine so großen Summen übrig, deshalb soll ein Lottoschein helfen. Zwar sind die Chance auf einen Hauptgewinn bekanntermaßen äußerst gering, aber genau zum richtigen Zeitpunkt gewinnt Bernhard Markwitz tatsächlich eine Viertelmillion Mark. Im Gegensatz zu anderen Lotto-Gewinnern verprasst er das Geld nicht, sondern investiert es in seine Schwimmflügel und erzielt mit der Gründung der Firma BEMA, abgleitet aus den Anfangsbuchstaben seines Vor- und Nachnamen, langfristig die beste Rendite, die man sich denken kann.

Markwitz hat seine BEMA-Schwimmflüge überall dabei

1964 führt er seine BEMA-Schwimmflügel im Schwimmbad Ohlsdorf in Hamburg erstmals offiziell vor. Anfangs ist die Öffentlichkeit skeptisch, aber Markwitz widmet sich voll und ganz der Werbung für seine Erfindung. Er hat immer Schwimmflügel dabei, um sie vorzuführen. Selbst im Urlaub mit seiner Familie stattet er die Mitreisenden am Pool und am Strand damit aus. Jeder soll sie ausprobieren und sich davon überzeugen, dass die Schwimmflügel sogar Erwachsene über Wasser halten können.

Aus Hamburg in alle Welt

Ein Kind schwimmt mit Schwimmflügeln im Wasser. © Imago Images Foto: Waldmüller
Zunächst wurde der Schwimmflügel belächelt, heute ist er in aller Welt ein Begriff.

Seine Hartnäckigkeit hat Erfolg - die Schwimmhilfe aus Hamburg tritt ihren Siegeszug um die Welt an. Rund 150 Millionen Stück verkauft Markwitz allein bis Mitte der 90er-Jahre. Kein Wunder, dass er sich schon bald mit Plagiaten herumärgern muss, die vor allem in den USA den Markt überschwemmen. Aber die Originale sind stets ein Stück voraus. Denn im Laufe der Zeit werden immer wieder Verbesserungen und auch weitere Schwimm- und Schwimmlernhilfen eingeführt. Heute ist das deutsche Wort "Schwimmflügel" in der Welt so bekannt wie "Autobahn" oder "Kindergarten".

Bernhard Markwitz - Lebensdaten kompakt

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