Stand: 27.07.2014 10:59 Uhr  | Archiv

St. Michaelis - Die "Gottesburg" von Hildesheim

von Stefanie Grossmann, NDR.de

Die Geschichte der Michaeliskirche beginnt nicht erst mit ihrer Grundsteinlegung am 15. Januar 1010, sondern 993. In einer feierlichen Zeremonie erhielt Bernward von Hildesheim vom Mainzer Erzbischof Willigis die Bischofsweihe. Und Kaiser Otto III. schenkte ihm aus diesem Anlass einen Splitter des Heiligen Kreuzes - zum Dank dafür, dass Bernward ihn erzogen hatte. Für diese Reliquie, das Bernwardkreuz, ließ der Bischof eine Kapelle bauen, die er 996 einweihte.

Später wollte er ein Kloster errichten. In der Vita Bernwardi heißt es dazu: "Im nördlichen Teil der Stadt Hildesheim gründete er auf unwirtlichem Gelände, das nur von Tieren und Ungeziefer bewohnt war, voller Hingabe und mit dem nötigen Aufwand ein Kloster."

Ein Bauwerk zum Dank an Gott

Bischof Bernward selbst stammte aus sächsischem Hochadel und war deshalb mit den Ottonen, den sächsischen Kaisern, verwandt. Nach seiner Ausbildung an der Hildesheimer Domschule gelangte Bernward mit 17 an den Hof Ottos II., wo er als Erzieher und Gelehrter wirkte. Auf Reisen durch Europa studierte er die frühromanische Architektur monumentaler Bauten, insbesondere in Rom und Konstantinopel. Auf Basis dieses Wissens schuf er mit St. Michael ein Meisterwerk, das stilbildend für die nächsten 200 Jahre sein sollte. "Ich Bernward, durch Gottes Erwählung, nicht aus eigenem Verdienst Bischof, habe lange darüber nachgedacht, durch welche Baukunst [...] ich mir den Himmel verdienen könnte." Bernward selbst entwarf die Konzeption der Kirche. Als Bauherren betätigten sich Mönche aus dem Kloster St. Pantaleon in Köln, denn sie waren diejenigen, die zur damaligen Zeit über architektonisches Wissen verfügten. Laut einer Überlieferung begann der Bau um 1001.

Paradebeispiel ottonischer Baukunst

Teilansicht der Michaeliskirche in Hildesheim. © Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover Foto: Ulrich Ahrensmeier
Die Michaeliskirche zeigt sich wuchtig und schlicht.

St. Michaelis gilt als Prototyp einer ottonischen Basilika und ist der älteste erhaltene Bau seiner Art. Charakteristisch sind die vielen baulichen Neuerungen, die Bernward dem Baustil der Gotik des 12. Jahrhunderts vorwegnahm, wie die mathematische Ordnung in der Architektur. Das betraf zum einen die Größe von über 70 Metern Länge, zum anderen sorgten Säulen und Nischen für eine ganz neue Gliederung der Wände. Das Langhaus, doppelt so hoch wie breit, erstreckt sich gen Himmel - entsprechend der Lobpreisung "Gloria in excelsis deo" ("Ehre sei Gott in der Höhe"). Auffallend sind die klaren, geometrischen Formen des Quaderbaus. Er ist von Symmetrie geprägt, nur die beiden Choranlagen unterscheiden sich. Im Osten befindet sich ein schmaler Vorchor und im Westen ein ganzes Joch mit Unterkirche und Mönchschor.

Bauen nach Zahlen

Maß und Zahl spielten beim "bernwardinischen Baustil" eine wichtige Rolle, denn nach einer Weisheit Salomos ordnete Gott die Welt nach Zahl, Maß und Gewicht. Bernward übertrug die mathematischen Regeln der göttlichen Schöpfung auf die Architektur. Dazu gehört die sogenannte Vierung. Damit ist im Kirchenbau das Quadrat gemeint, das Mittelschiff (Langhaus), Chor und die Querhäuser trennt und aufteilt. Zwei Vierungstürme entsprechen je zwei oktogonalen Rundtürmen, die den Querschiffen vorgelagert wurden. Der ganze Bau vermittelte dadurch einen burgartigen Eindruck. Deshalb wird die Michaeliskirche auch als "Gottesburg" bezeichnet. Denn die Burg symbolisiert Gott, der für Festung und Retter in Zeiten der Not steht. Dieser Gedanke drückt sich auch im Psalm 18 aus, einem geistlichen Lied in der christlichen Bibel: "Herr, du mein Fels, meine Burg, mein Retter, mein Gott, meine Feste, in der ich mich berge, mein Schild und sicheres Heil, meine Zuflucht."

Dieses Thema im Programm:

10.06.2019 | 15:00 Uhr

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