Stand: 22.06.2017 14:00 Uhr  | Archiv

Hamburg ist Bunker-Hochburg

In keiner anderen Stadt wurden im Zweiten Weltkrieg so viele Bunker errichtet wie in Hamburg, der schon damals zweitgrößten Metropole Deutschlands. Die Nationalsozialisten hatten 1940 ein Sofortprogramm auflegen lassen. Adolf Hitler sah für Hamburg eine Bedrohung der wichtigen U-Boot- und Ölindustrie. Gegen Kriegsende zählte die Hansestadt 1.051 Anlagen. 1950 waren es aufgrund der von den Briten angeordneten - aber oft wenig erfolgreichen - Sprengungen noch 1.026. Darunter waren 76 Hochbunker, 415 Röhrenbunker und 356 Rundbunker sowie 11 Luftschutztürme. Während des Kalten Krieges waren viele Bunker weiterhin als Zufluchtsstätte vorgesehen. Inzwischen gibt es noch rund 650 Bunker in der Hansestadt, 57 davon sind Hochbunker. Viele Anlagen werden ganz unterschiedlich genutzt, einige stehen unter Denkmalschutz. Einer davon ist zum Beispiel der "Kaufmann-Bunker" in Pöseldorf.

"Riesenklötze" fallen ins Auge

Ein Bild vom Hamburger Bunker.
So grün könnte der Hochbunker auf St. Pauli nach einer Umgestaltung aussehen.

Der wohl bekannteste Bunker in Hamburg steht auf dem Heiligengeistfeld in St. Pauli. Der ehemalige Flakturm ist 75 Meter mal 75 Meter breit und 39 Meter hoch. Heute wird er "Medienbunker" genannt. In ihm haben verschiedene Firmen ihren Sitz. Außerdem siedelten sich Musik-Clubs wie Uebel & Gefährlich und Terrace Hill an. Dieses gewaltige Gebäude soll in einen "Grünbunker" verwandelt werden.

Sein ähnlich großer "Kollege" in Wilhelmsburg hat bereits einen Umbau zu einem Energiebunker erfahren. Diese "Klötze" fallen jedem ins Auge. Dabei hat Hamburg noch etliche weitere kleinere Hochbunker - auch Bunkerhäuser genannt -, die von den Menschen gar nicht mehr als solche wahrgenommen werden. Zu sehr haben sich Anwohner an den Anblick gewöhnt. Viele Bunker verschwinden hinter Bäumen oder sind zugewuchert.

Große und kleine Anlagen unter Tage

Leere Sitzreihen prägen das Bild im Tiefbunker unter dem Hauptbahnhof in Hamburg. © dpa Foto: Fabian Bimmer
Tief unter dem Hauptbahnhof liegt der Bunker Steintorwall. Hier geht's spartanisch zu.

Die meisten Bunker sind unterirdisch, bleiben also im Verborgenen. Zu den größten Anlagen zählen die heute noch erhaltenen Tiefbunker Steintorwall (insgesamt 2.700 Plätze) und Hachmannplatz (1.000 Plätze) unter dem Hauptbahnhof sowie Berliner Tor (600 Plätze). Weitaus größer war der 200 Meter lange und 21,4 Meter breite Tiefbunker unter dem Spielbudenplatz auf St. Pauli (5.000 Plätze). Nach dem Krieg wurde er zu einem Parkhaus umgebaut (430 Plätze für Autos). Meist wurden Tiefbunker als Röhrenbunker errichtet. In die Erde eingelassen konnten auch vergleichsweise kleine Bauten auf geringer Fläche in bestehende Stadtgebiete gebaut werden. Solche Bunker finden sich noch recht häufig zwischen der "normalen" Bebauung, also oft in der direkten Nachbarschaft. Eine Nutzung - etwa als Lager - ist nur noch vereinzelt möglich. Häufig ist Wasser eingedrungen, die Innenräume sind modrig.

VIDEO: Hamburg damals: Bunkerwelten (4 Min)

Neben den Hoch- und Tiefbunkern gibt es viele Sonderbauten, die als Luftschutzräume genutzt werden konnten. Diese befinden sich an mehreren S- und U-Bahnstationen wie etwa Stadthausbrücke, Reeperbahn, Harburg-Rathaus, Jungfernstieg oder Steinfurther Allee.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 Aktuell | 14.06.2017 | 10:00 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/geschichte/Hamburg-ist-Bunker-Hochburg,bunker131.html

Weitere Fotostrecken zum Thema

Ronald Rossig vom Verein "unter hamburg" steht am Eingang des Kaufmann-Bunkers © NDR.de Foto: Marc-Oliver Rehrmann

Ein Rundgang durch den "Kaufmann-Bunker"

Der oberste Nazi in Hamburg, Gauleiter Karl Kaufmann, ließ sich in Alsternähe einen Bunker bauen. 70 Jahre später können sich die Hamburger den Bau erstmals ansehen. (05.07.2011) Bildergalerie

Mehr Geschichte

Besuchern bestaunen beim 26. Internationalen Automobilsalon von Genf im März 1956 einen VW Karmann Ghia Coupé. © picture alliance/KEYSTONE Foto: STR

Karmann und der Ghia: Vom Ruhm und Untergang einer Kult-Ära

Der Karmann Ghia machte das einstige Familienunternehmen aus Osnabrück weltbekannt. Doch produziert wurde dort weitaus mehr. mehr

Norddeutsche Geschichte