Luftangriff amerikanischer Bomber © picture-alliance / dpa

Bombenkrieg: Der Tod kommt ins Hinterland

Stand: 02.03.2022 13:30 Uhr

Der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg bedeuten eine neue Dimension der Kriegsführung. Der Bombenkrieg tötet nicht nur Soldaten an der Front, sondern auch Zivilisten im Hinterland - und zerstört ganze Städte.

von Jürgen Brühns

Diese neue Form des Krieges richtet sich gegen die Rüstung und den Nachschub des Gegners. Insbesondere die historische und die völkerrechtliche Bewertung der alliierten Luftkriegsstrategie sind bis heute umstritten.

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Rauchsäulen über der Westerplatte in Danzig nach dem Angriff deutscher Soldaten am 1. September 1939. © picture-alliance

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1939: Luftwaffe legte Warschau in Schutt und Asche

Begonnen hatte der Bombenkrieg gegen die Zivilbevölkerung in den ersten Stunden des Zweiten Weltkrieges, als die deutsche Luftwaffe am 1. September 1939 die polnische Kleinstadt Wielu bombardierte. Es gab 1.200 Tote. Am 25. und 26. September erfolgte mit dem Angriff auf Warschau das erste Flächenbombardement einer Großstadt. Am 14. Mai 1940 war Rotterdam das Ziel vernichtender deutscher Luftangriffe. Nach den "Blitzkriegen" gegen Polen, Norwegen, die Niederlande, Belgien und Frankreich wollte Hitler mit Kampfbombern mittlerer Reichweite auch den englischen Widerstand brechen.

Die Luftschlacht um England

Nachdem die Luftwaffe seit Juli 1940 vor allem Flughäfen im Süden Englands angegriffen hatte, gab Hitler am 5. September den Befehl, Tag- und Nachtangriffe gegen die großen Städte zu fliegen. Bis zum Mai 1941 war London beinahe täglich Ziel von deutschen Luftangriffen. Die Ziele des von den Briten bald als "Blitz" titulierten Angriffs waren Versorgungs- und Rüstungsbetriebe. Opfer waren aber meist Zivilisten.

Eine zerstörte Kathedrale in Coventry. Dach und Seiten fehlen, nur noch Apsis des Doms steht. © dpa
Von der Kathedrale in Coventry blieben nur einzelne Mauern stehen.

Die Bevölkerung schützte sich vor allem durch Flucht in die Tunnel der Londoner U-Bahn. Trotzdem gab es über 20.000 Tote allein in London. Im Londoner Stadtzentrum waren Tausende Gebäude zerstört oder beschädigt. Von November 1940 an wurden die Angriffe auch auf andere Städte - vor allem Industriezentren - ausgeweitet: Birmingham, Coventry, Manchester, Sheffield. Coventry wurde fast völlig zerstört. Über 40.000 Zivilisten starben zwischen August 1940 und Mai 1941. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 gingen die Angriffe zurück.

Inzwischen hatte der britische Premier Winston Churchill die Royal Air Force mobilisiert. In der Nacht auf den 12. Mai 1940 griffen 35 Bomber Mönchengladbach an. 1941 begannen die Bombardierung deutscher Industrieanlagen und Verkehrswege sowie groß angelegte Flächenangriffe auf deutsche Städte.

Arthur Harris und die Strategie des "Moral Bombing"

Farbige Luftaufnahme von Köln: vorn Häuserruinen, dahinter der Kölner Dom und der Rhein. © dpa
Mehr als 1.000 britische Bomber waren am Luftangriff auf Köln beteiligt.

Im Februar 1942 übernahm Luftmarschall Arthur Harris die Leitung des British Bomber Command. Die Strategen in Großbritannien hofften, dass der Bombenkrieg die Wende des Krieges bringt. Dafür wollten sie gezielt die Wohngebiete von Städten in nächtlichen Angriffen bombardieren, die Moral der Zivilbevölkerung schwächen und ihre Industriestädte zerstören. Somit setzte der systematische Bombenterror gegen deutsche Städte ein. Gegen Köln wurde im Mai 1942 der erste 1.000-Bomber-Angriff geflogen. Mit insgesamt 1.455 Tonnen Bomben wurden in 90 Minuten über 3.300 Häuser vollständig zerstört und 474 Menschen getötet.

Bombenhagel bricht den Willen der deutschen Bevölkerung nicht

Mit dem Kriegseintritt der USA geriet das Deutsche Reich in einen endlosen Sog aus Nacht- und Tagangriffen. Die alliierte Strategie einer "kombinierten Bombenoffensive", deren Beginn auf den 10. Juli 1943 festgelegt war, sah "Rund-um-die-Uhr-Bombardements" vor - Nachtangriffe der Briten und Tagesattacken durch die Amerikaner.

Flächenbombardements deutscher Städte

Insbesondere die Angriffe auf Essen und Schweinfurt 1943 forderten Tausende zivile Opfer. Im Juli 1943 entfesseln alliierte Bomber ein Inferno von unvorstellbarem Ausmaß: den Feuersturm von Hamburg. Während des "Unternehmens Gomorrha" wurden große Teile Hamburgs zerstört. Im Herbst 1943 eskalierte der Luftkrieg. Die Alliierten griffen immer mehr Städte an. Der Plan, die Deutschen zu demoralisieren und so ihr Land sturmreif zu bomben, ging jedoch nicht auf.

Im Frühjahr 1944 erlangten die Alliierten die uneingeschränkte Lufthoheit. Doch die deutsche Industrie verlagerte ihre Produktion in Höhlen oder Tunnel und konnte die Produktion an Kriegsgütern teilweise sogar noch erhöhen.

Neue Kriegswaffen: Die Raketen V1 und V2

Da die eigenen Bomber keine Einsätze mehr fliegen konnten, setzten die Deutschen seit Juni 1944 mit hoher Geschwindigkeit fliegende sogenannte Vergeltungswaffen ein. Von der V1 wurden über 8.000 Raketen hauptsächlich auf London, Antwerpen und Lüttich abgefeuert, von der wesentlich größeren V2 noch 3.000 ebenfalls auf London und Antwerpen. Dabei starben weit mehr als 10.000 Menschen.

Die Verwüstung war groß - doch nicht kriegsentscheidend

Obwohl der Krieg entschieden war, ließen die Luftangriffe auf Deutschland nicht nach. Dazu gehörte auch der vernichtende Angriff am 13. und 14. Februar 1945 auf Dresden. Am Ende waren 600.000 Deutsche im Bombenkrieg umgekommen. In Großbritannien starben rund 60.000 Menschen. 160.000 alliierte Flieger verloren im Einsatz ihr Leben.

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Blick auf die zerstörte Innenstadt von Hannover nach den Bombenangriffen von 1943 © picture alliance/dpa Foto: Historisches Museum Hannover

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Unsere Geschichte | 13.02.2019 | 21:00 Uhr

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