Sendedatum: 25.06.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Wie sicher sind Zahnimplantate?

Seit den 80er-Jahren gelten Zahnimplantate als eine wissenschaftlich anerkannte Therapie zur Zahnsanierung. Die Erfolgsraten sind hoch: Die Haltbarkeit von Implantaten nach einer fünfjährigen Belastungsphase liegt bei über 90 bis 95 Prozent. Expertenverbände gehen davon aus, dass mittlerweile jedes Jahr in Deutschland etwa eine Millionen Implantate eingesetzt werden. Jeder 20. Zahnersatz ist ein Implantat.

Mit der Zeit haben sich die Verfahren und Materialien immer wieder verändert. Derzeit existieren weltweit etwa 400 verschiedene Implantatsysteme. Das Prinzip ist immer gleich: Eine künstliche Zahnwurzel, in der Regel aus Titan, wird in den Kieferknochen eingeschraubt, mit Zahnfleisch bedeckt und muss dann drei bis sechs Monate einwachsen. Danach wird über ein Verbindungsstück eine Krone auf der künstlichen Wurzel befestigt.

Probleme entstehen dann, wenn die anatomischen Voraussetzungen, wie die Knochensubstanz und die Zahnfleischverhältnisse, für eine Implantation unzureichend sind. Nach Experten-Schätzungen lösen sich jedes Jahr etwa 140.000 Implantate. In den meisten Fällen ist eine Entzündung im Bereich des Implantates die Ursache.

Experten fordern Implantatpass

Zahnärzte und Kieferchirurgen bemängeln die Unübersichtlichkeit des Implantatmarktes sowie das Fehlen wissenschaftlicher Studien hinsichtlich der Qualität der Implantate. Sie fordern die Einführung eines Implantatpasses aus dem ersichtlich ist, welches Fabrikat eingesetzt und welche Materialien verarbeitet wurden - damit Nachbehandlungen zielgerechter erfolgen und Ersatzteile einfacher beschafft werden können.

Zudem warnen sie vor mangelnden Kenntnissen mancher Zahnärzte. Die Ausbildungsordnung für Zahnärzte stammt aus den 50er-Jahren, einer Zeit, in der es noch keine Implantate gab, und sieht keine Ausbildung im Bereich der Implantologie vor. Viele Universitäten versuchen deshalb auch die Implantologie in den Lehrkatalog mit aufzunehmen. Um als Zahnarzt den Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie führen zu können, ist eine Zusatzausbildung nach dem Studium erforderlich.

Interviewpartner:

Im Studio:
Prof. Dr. Matthias Kern
Klinik für Zahnärztliche Prothetik, Propädeutik und Werkstoffkunde
Arnold-Heller-Straße 3
24105 Kiel
E-Mail: sekretariat(at)proth.uni-kiel.de

Im Beitrag:
Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich e.V. (DGI)
Chefarzt der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Rotes Kreuz Krankenhaus  Kassel gGmbH 
Hansteinstraße 29
34121 Kassel 
Tel. (0561) 30 86 55 01
E-Mail: mkg(at)rkh-kassel.de

Reinhard Busch
Zahntechniker
Klinik für Zahnärztliche Prothetik, Propädeutik und Werkstoffkunde
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3
24105 Kiel

Dieses Thema im Programm:

Visite | 25.06.2013 | 20:15 Uhr

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