Sendedatum: 22.02.2011 20:15 Uhr  | Archiv

Herzinfarkt: Neue Messmethode erkennt Gefahr

300.000 Gefäßstützen aus Metall, sogenannte Stents, werden herzkranken Patienten pro Jahr in Deutschland eingesetzt: Weltrekord! Doch nicht immer sind die teuren Drahtgeflechte in den Herzkranzgefäßen auch wirklich notwendig, kritisieren Experten.

VIDEO: Herzinfarkt: Messung erkennt Gefahr (5 Min)

Um zu verhindern, dass die per Ballonkatheter aufgedehnten Adern mit der Zeit wieder zuwachsen, sind viele Stents mit Medikamenten beschichtet. Das wiederum erhöht die Gefahr akuter Thrombosen, weshalb die betroffenen Patienten langfristig blutverdünnende Medikamente einnehmen müssen. Die Experten fordern deshalb, Herzpatienten gezielter zu behandeln. Dafür muss der Kardiologe im Einzelfall herausfinden, ob sein Patient tatsächlich einen Stent benötigt oder nicht.

Druckunterschied messbar

Eine neue Technik soll nun zeigen, ob eine Engstelle in einem Herzkranzgefäß harmlos ist oder ein behandlungsbedürftiges Infarktrisiko bedeutet. Dafür misst ein spezieller Katheter gleichzeitig den Blutdruck vor und hinter der Engstelle. Denn nicht jede Verengung verschlechtert tatsächlich die Durchblutung. Nur wenn die Druckwerte auf beiden Seiten der Engstelle einen deutlichen Unterschied aufzeigen, muss das verengte Gefäß mit einem Ballon aufgedehnt und mit einem Stent abgestützt werden. Ist kein Druckunterschied messbar, benötigt der Patient keinen Stent und kann weiter gefahrlos mit Medikamenten behandelt werden.

Außerdem sollen in Zukunft auch neue kathetergestützte bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen, um die Gefährlichkeit von Engstellen besser beurteilen zu können. Bereits im Einsatz ist IVUS (intravasaler Ultraschall). Ein Ultraschallkopf auf der Katheterspitze kann zeigen, ob die Ablagerung gefährliche Entzündungen aufweist oder eher aus Bindegewebe und Kalk besteht. Erforscht wird derzeit die Optische Kohärenztomographie (OCT). Sie soll erkennen, ob ein Stent bereits ins Gefäß eingewachsen ist. Dann könnte der Patient bereits die blutverdünnenden Medikamente absetzen.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Norbert Frey
Direktor Klinik für Innere Medizin III mit den Schwerpunkten Kardiologie und Angiologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Schittenhelmstraße 12
24105 Kiel
Tel. (0431) 597 14 40
Fax (0431) 597 14 70 

Prof. Dr. Karl-Heinz Kuck
Kardiologe
Herz-, Gefäß- und Diabeteszentrum - Abteilung Kardiologie
Asklepios Klinik St. Georg
Lohmühlenstraße 5
20099 Hamburg
Tel. (040) 18 18 85 23 05
Fax (040) 18 18 85 44 44

Autor des Fernsehbeitrags:
Dr. Tilman Hassenstein

Dieses Thema im Programm:

Visite | 22.02.2011 | 20:15 Uhr

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