Stand: 06.06.2018 09:20 Uhr  - Visite  | Archiv

Chat-Protokoll: Herz-OP - Bypass oder Stent?

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Der Herzchirurg Prof. Axel Haverich hat im Visite Chat Fragen zum Thema Herz-OP beantwortet.

Sechs Millionen Menschen in Deutschland haben Durchblutungsstörungen am Herzen. Es kommt zu einem Engegefühl in der Brust, das Risiko für einen Herzinfarkt steigt. Um einzelne Engstellen zu weiten, können mithilfe von dünnen Kathetern kleine Gefäßstützen am Herzen platziert werden. Sind mehrere Adern betroffen, ist eine Bypass-Operation häufig die bessere Lösung.

Der Herzchirurg Prof. Axel Haverich von der Medizinischen Hochschule Hannover hat im Visite-Chat Fragen zum Thema Bypass-OP und Stent beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Wolf: Bei mir wurden vor etwa acht Wochen drei Bypässe gelegt. Zwei sind nach acht Wochen nicht mehr darstellbar. Was kann passiert sein?

Prof. Dr. Axel Haverich: Es gibt in manchen Fällen technische Probleme. Wenn keine Beschwerden auftreten, haben Sie trotzdem eine gute Prognose.

Berger: Welche Gefahren bestehen bei sehr kaliberschmächtigen Koronarien? Rechtsversorgungstyp. Dabei noch ein Aneurysma der Aorta Ascendens mit 4,0 Zentimeter. Wie weit kann man sich jetzt noch belasten? Blutdruck ist unter Kontrolle.

Haverich: Das Aortenaneurysma ist noch nicht behandlungsbedürftig, bei gut eingestelltem Blutdruck sollten Sie sich voll belasten.

Bernhard: Lässt sich nachträglich in einem Bypass ein Stent setzen? Kann man einen Stent wieder entfernen? Wie lange hält ein Stent (im Vergleich zum Bypass)?

Haverich: Ein Stent in einem Bypass hat keine gute Prognose. Entfernen kann man einen Stent nicht, der Bypass hält regelhaft länger als der Stent.

Hersu: Gibt es Ausnahmen oder Besonderheiten bei koronaren Herzerkrankungen in Kombination mit COPD? Können auch dann mehr als vier Stents gesetzt werden? Entscheidet sich die Frage Bypass oder Stent alleine am Herzen?

Haverich: Die Begleiterkrankungen sind immer wichtig und bei schwerer COPD kann das Risiko einer Operation erhöht sein. Im Zweifelsfalle sollte dann doch mit einem Stent interventionell operiert werden.

Axel: Mir wird eine Bypass-OP vorn und hinten empfohlen. Ich habe aber Aneurysmen, auch zerebral. Muss ich mir Gedanken machen?

Haverich: Sorgen sollten Sie sich nicht machen. Aber ein Neurologe und der Anästhesist sollten gemeinsam das Risiko diskutieren.

Monika: Mein Ehemann hatte im Januar einen Herzinfarkt und eine Bypass-Operation. Anschließend sagte man uns, er hätte noch drei Stellen, die eng wären. Nur bei Beschwerden würde man dann einen Stent setzen. Warum hat man das nicht gleich erledigt?

Haverich: In der Akutsituation legt man nur die wichtigsten Bypässe an. Einengungen an kleineren Gefäßen bleiben oft ohne Beschwerden.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 05.06.2018 | 20:15 Uhr

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