Stand: 29.05.2018 21:55 Uhr  - Visite  | Archiv

Chat-Protokoll: Komplementäre Krebstherapie

Silvia: Wie kann ich beim Magenkrebs (Magenentfernung steht fest!) Chemotherapie davor, den Heilungserfolg unterstützen? Brokkolisprossen, Hanfsamen, Verzicht auf Zucker ...? Wir sind verzweifelt!

Hübner: Sie sollten sich vorher und hinterher unbedingt sehr gut ernährungsmedizinisch beraten lassen. Bitte keine Diäten wie Verzicht auf Kohlenhydrate. Nach der OP kann die Ernährungsberatung Ihnen helfen, sich möglichst schnell wieder gut zu ernähren. In der Zeit der Chemotherapie vor der OP bitte auch gesund ernähren und möglichst kein Gewicht verlieren.

Rene: Studien haben gezeigt, dass Fasten während der Chemo sinnvoll ist. Dies schützt die gesunden Zellen vor den toxischen Zytostatika. Wie viele Stunden oder Tage wirkt ein Zytostatikum nach der Infusion im Körper? D.h. ab wann dürfen wieder Substanzen wie grüner Tee oder Grüntee-Extrakte konsumiert werden?

Hübner: Ob Fasten tatsächlich sinnvoll ist, ist bisher nicht bewiesen. Es birgt die Gefahr eines Gewichtsverlustes und der ist nicht gut. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass die Patienten beim Fasten weniger Übelkeit haben. Übelkeit sollte aber anders bekämpft werden als mit Fasten. Grünen Tee dürfen Sie jederzeit trinken. Grüntee-Extrakt würde ich wegen des hohen Anteils an Antioxidantien nicht empfehlen. Die meisten Chemotherapiemittel sind bereits wenige Stunden nach der Infusion wieder ausgeschieden.

Moni: Meine Tochter (20) hat eine T-Zell Hochrisiko-ALL. Chemo schlägt gut an, acht Monate sind rum, keine Stammzell-Transplantation. Leider scheint es gerade bei Leukämie kaum Komplementärtherapien zu geben. Oder zumindest wenig Erfahrung, sodass die Ärzte nichts Unterstützendes empfehlen. Können Sie sagen, in welche Richtung wir suchen könnten? Vor allem zur Unterstützung der Leber?

Hübner: Komplementäre Therapien kann man gegen bestimmte Nebenwirkungen einsetzen. Deshalb kommt es auf die Art der Nebenwirkungen an. In Ihrem Fall der ALL kommt es darauf an, dass auf keinen Fall Wechselwirkungen auftreten dürfen. Deshalb sind die Ärzte berechtigterweise so zurückhaltend.

Rolf: Was halten Sie von der Misteltherapie als Ergänzung?

Hübner: Ehrlich gesagt: gar nichts. Trotz vieler Studien wissen wir weiterhin nicht, ob die Misteltherapie mehr ist als eine Placebowirkung.

Johanna: Wenn man Krebs hatte und noch Metastasen in der Lunge und vermutlich Metastasen im Lendenwirbel hat sowie Osteoporose, welchen Sport darf man machen? Bin 82 Jahre alt und habe vor meiner Erkrankung Wassergymnastik gemacht, bekomme jetzt eine Immuntherapie und soll mich schonen. Was raten Sie mir? Würde gerne Muskelaufbau und Physio machen.

Hübner: Ich finde die Idee sehr gut, dass Sie Muskelaufbau und Physio machen wollen. Sie sollten Ihre Ärzte fragen, ob Sie wegen der Knochenmetastasen auf etwas achten müssen. Dann sollten Sie sich einen guten Physiotherapeuten suchen und loslegen ...

Nahrungszusatzkapseln: Hilft bei sehr bösartigem Prostatakrebs eine Brokkoli- oder Granatapfelkapsel?

Hübner: Ob Brokkoli-Extrakt hilft, wissen wir nicht. Bei Prostatakrebs kann evtl. Granatapfel-Extrakt helfen. Er ist aber auf keinen Fall ein Ersatz für die schulmedizinische Therapie.

Maritta: Nach Brustkrebs im November 2016, anschließender Chemo und Bestrahlung habe ich mit starken Nervenschäden in den Händen und Füßen zu kämpfen. Was können sie mir empfehlen?

Hübner: Das ist eine schwierige Situation. Wenn die Schäden mit Schmerzen verbunden sind, können die Ärzte Ihnen etwas verordnen. Gegen die Störungen des Tastempfindens sollten Sie regelmäßig Bewegungsübungen mit Händen und Füßen machen. Dabei kann ein Igelball hilfreich sein.

Wolli: Entspricht es auch Ihren Erfahrungen, dass die Therapie bei Krebs, speziell bei Lungen- und Prostatakrebs, durch die Einnahme von Curcuma 500 mg effektiv unterstützt wird?

Hübner: Zu Curcuma gibt es zu wenige Untersuchungen, um Ihre Frage zu beantworten.

Gb: Nach der Bestrahlung sind die Leukozyten sehr niedrig. Kann ich mit Ernährung etwas verbessern?

Hübner: Meistens erholen sich die Leukozyten von alleine. Ausgewogene Ernährung unterstützt. Wenn die Leukozyten mittelfristig etwas erniedrigt bleiben, brauchen Sie sich keine Sorgen machen.

Tobias: Was halten Sie von einer Substitution einer begleitenden Cortisongabe durch Weihrauch-Präparate?

Hübner: Weihrauch kann das Cortison auf keinen Fall ersetzen. Manchmal kann man die Cortison-Dosis ganz vorsichtig etwas reduzieren. Unbedingt mit Ihren Ärzten besprechen.

 

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Visite | 29.05.2018 | 20:15 Uhr

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