Sendedatum: 17.05.2011 20:15 Uhr  | Archiv

Bluthochdruck: Wie viel Medizin muss sein?

Rund 35 Millionen Menschen in Deutschland haben nach Expertenschätzungen einen zu hohen Blutdruck (Hypertonus). Dabei wissen mehr als sechs Millionen Betroffene nichts von ihrer Erkrankung und ebenso viele sind nicht ausreichend behandelt. Das ist gefährlich, denn ein dauerhaft zu hoher Blutdruck kann zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose, Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzschwäche und Nierenversagen führen.

Bluthochdruck © picture-alliance / maxppp Foto: Laurent Hamels

Therapien bei Bluthochdruck

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Oft wird der hohe Blutdruck mit Medikamenten behandelt, doch auch eine gesunde Lebensweise kann zum Wohlbefinden beitragen. Visite gibt einen Überblick.

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Ein Hypertonus entwickelt sich oft langsam über Jahrzehnte, bevor er durch Symptome auf sich aufmerksam macht und diagnostiziert wird. Je früher er erkannt wird, desto besser können Betroffene durch Umstellung ihres Lebensstils etwas dagegen unternehmen. Sport und Ernährung spielen dabei die wichtigste Rolle, vor allem übergewichtige Patienten mit einem noch nicht lange bestehenden Bluthochdruck können durch viel Bewegung und eine kohlehydratarme Ernährung ohne Brot und dafür mit viel Obst, Gemüse, Joghurt und Fisch ihren Blutdruck positiv beeinflussen.

Präparate aus fünf Wirkstoffgruppen

Reichen Sport, Gewichtsreduktion und gesunde Ernährung nicht aus, den Blutdruck dauerhaft auf normale Werte zu senken, kommen Medikamente zum Einsatz. Das gilt vor allem, wenn der Bluthochdruck schon lange besteht und sich die Gefäße bereits so verhärtet haben, dass Bewegung und Ernährung allein nicht mehr ausreichen.

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Woher weiß man, welche Therapie für wen die richtige ist?

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Woher weiß man, welche Therapie für wen die richtige ist? Moderatorin Vera Cordes im Interview mit Prof. Heribert Schunkert. Video (05:56 min)

Die im Einzelfall perfekte Therapie zu finden ist nicht einfach, denn viele Patienten leiden unter Blutdruckschwankungen oder Nebenwirkungen der Blutdrucksenker wie Unruhe, Herzrhythmusstörungen, Atemnot oder auch Panik-Attacken. Zur Hypertonustherapie stehen zahlreiche Präparate aus fünf Wirkstoffgruppen (Kalziumantagonisten, Betablocker, Diuretika, ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten) zur Verfügung, die auf unterschiedliche Weise wirken und auch unterschiedliche Nebenwirkungen haben.

Geduld ist gefordert

Auf Anhieb das passende Präparat zu finden, gelingt nur selten. Meist sind mehrere Medikamente aus unterschiedlichen Gruppen erforderlich und Ärzte wie Betroffene müssen viel Geduld aufbringen, verschiedene Medikamente und Dosierungen ausprobieren. Besonders schwierig ist dies bei älteren Patienten, die oft noch weitere Arzneimittel einnehmen. Ganz wichtig ist die regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks, um Schwankungen und Entgleisungen zu erkennen und rechtzeitig durch Umstellung der Therapie eingreifen zu können. In solchen Fällen oder beim Auftreten von Nebenwirkungen sollten die Betroffenen unbedingt ihren Arzt zu Rate ziehen.

In jedem Fall sollten auch Patienten, die auf blutdrucksenkende Medikamente nicht verzichten können, die Therapie mit viel Bewegung und gesunder Ernährung unterstützen. Denn das hilft, die Blutdruckwerte zu stabilisieren und den Tablettenbedarf zu senken.

Positive Studien mit Katheter-Eingriff

Patienten mit einem besonders hartnäckigen Bluthochdruck, der sich selbst mit mehreren Medikamenten nicht in den Griff bekommen lässt, könnte eine neue Methode helfen, die renale Denervierung (RDN): Dabei führt der Arzt einen flexiblen Katheter über die Leistenarterie in die Nierenarterie ein.

Sobald sich der Katheter in der Nierenarterie befindet, werden die umgebenden Nervenfasern über Elektroden mit Hochfrequenz-Schwachstrom gezielt verödet. Das wiederum reduziert die Überaktivierung des sympathischen Nervensystems, eine häufige Ursache des chronischen Bluthochdrucks. Bisher wird das in Studien sehr erfolgreiche Verfahren aber erst in wenigen Zentren angewendet.

Interviewpartner im Studio:

Prof. Dr. Heribert Schunkert
Kardiologe
Medizinische Klinik II
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Tel. (0451) 500 25 01
Fax: (0451) 500 64 37

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Jan Philip Wegner
Hausarzt, Internist                          
Segeberger Straße 15
23617 Stockelsdorf
Tel. (0451) 49 78 78
Fax (0451) 494 61 00

PD Dr. Patrick Diemert
Kardiologe
Klinik und Poliklinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie
Universitäres Herzzentrum Hamburg (UHZ) - Haus Ost 70 Martinistraße 52
20246 Hamburg

Autorin des Fernsehbeitrags:
Susanne Kluge-Paustian

Dieses Thema im Programm:

Visite | 17.05.2011 | 20:15 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/blutdruck141.html

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