Stand: 15.10.2018 12:45 Uhr

West-Nil-Fieber in Deutschland auf dem Vormarsch

Der Jahrhundertsommer verwöhnt nicht nur uns Menschen mit angenehmen Temperaturen. Auch Krankheitserreger wie Dengue, Zika und Chikungunya, die sonst nur in den Tropen vorkommen, können sich unter diesen Bedingungen bei uns ausbreiten. Ganz aktuell ist das West-Nil-Virus im Norden auf dem Vormarsch. Da auch heimische Mücken dieses Virus übertragen, muss man nicht in exotische Länder fahren, um sich anzustecken. Ein Mückenstich im eigenen Garten kann genügen.

Mücke

West-Nil-Fieber in Deutschland auf dem Vormarsch

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Kein anderes durch Mücken übertragenes Virus ist weltweit so verbreitet wie das West-Nil-Virus. Aufgrund der Hitze in diesem Sommer ist das Virus auch bei uns auf dem Vormarsch.

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Virus ist weltweit verbreitet

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Das West-Nil-Virus wird von Stechmücken übertragen.

Kein anderes durch Mücken übertragene Virus ist weltweit so verbreitet wie das West-Nil-Virus. 1999 wurde der ursprünglich aus Afrika stammende Erreger erstmals in den USA nachgewiesen. In den darauffolgenden 17 Jahren erkrankten dort 46.000 Menschen, 2.000 von ihnen starben. In den vergangenen Jahren hat sich das West-Nil-Virus vom äußersten Südosten Europas aus rasant verbreitet. 2017 gab es 204 bestätigte West-Nil-Infektionen in Europa, in diesem Jahr sind es bereits mehr als 1.300. Die meisten Ansteckungen haben Italien und Griechenland zu verzeichnen. Dass das West-Nil-Virus nun auch in vielen Gebieten auftritt, in denen es vorher nie beobachtet wurde, bereitet Experten Sorge. Übertragen wird das Virus durch Mücken, die zuvor an infizierten Vögeln gesaugt haben.

Symptome ähneln denen einer Erkältung

80 Prozent aller West-Nil-Infektionen verlaufen beim Menschen völlig unbemerkt, etwa 20 Prozent der Infizierten fühlen sich zunächst leicht "vergrippt". In den meisten Fällen klingen diese Symptome innerhalb weniger Tage ab und sind auch für Ärzte nicht von einer harmlosen Erkältung zu unterscheiden. Doch bei jedem 100. Infizierten entwickelt sich eine schwere Erkrankung. Vor allem ältere und vorerkrankte Menschen mit einem schwachen Immunsystem sind gefährdet. Normalerweise wird das Virus bereits im Blut vom Immunsystem bekämpft, doch in seltenen Fällen gelingt es ihm, die Blut-Hirnschranke zu überwinden und eine nicht behandelbare Hirnentzündung auszulösen. Abhängig von den betroffenen Hirnarealen kommt es zu unterschiedlichen Ausfallerscheinungen, die zum Beispiel das Sprechen, das Laufen oder die Temperaturregulation beeinträchtigen.

Ansteckung auch in Deutschland möglich

Bislang wurden in deutschen Kliniken nur Menschen behandelt, die sich im Ausland infiziert hatten. Doch in diesem Sommer starben ein Pferd und mehrere Eulen in deutschen Zoos am West-Nil-Virus, die sich hierzulande angesteckt haben müssen. Experten gehen deshalb auch von einer Gefahr für Menschen aus. Bisher tauchen diese Fälle aber noch nicht in der Statistik auf, da die meisten Betroffenen die Infektion entweder gar nicht bemerken oder nur einen leichten Verlauf haben und die Symptome auf eine Erkältung schieben.

Übertragung durch Bluttransfusion

Außer durch einen Mückenstich kann das West-Nil-Virus auch durch eine Blutinfusion übertragen werden. Deshalb werden Blutspender nach einer Reise in Gebiete mit einem nachgewiesenen West-Nil-Ausbruch bisher für mehrere Wochen von der Blutspende ausgeschlossen. Experten warnen allerdings, das reiche nun nicht mehr aus. Sie fordern einen Test aller Blutspenden auf das West-Nil-Virus, da sich jeder Spender unbemerkt auch in Deutschland infiziert haben könnte.

Ohne Therapie bleibt nur der Mückenschutz

Gegen das West-Nil-Virus gibt es keine Medikamente. Drei Impfstoffe sind nur für Pferde zugelassen, an Impfstoffen für Menschen wird derzeit intensiv geforscht. Bis dahin bleibt nur, sich vor Mückenstichen zu schützen. Mit dem Einsetzen der Dämmerung werden die meisten Stechmücken aktiv. Fliegengitter an den Fenstern, Moskitonetze sowie Kleidung mit langen Armen und Hosenbeinen und Mückenschutzmittel (Repellentien) bieten dann Schutz. Wer einen eigenen Garten hat, kann einen großen Beitrag zur Bekämpfung der Mücken leisten:

  • unnötige Wasserbehälter (z.B. Altreifen oder wassergefüllte Eimer) entfernen.
  • Eimer und Gießkannen mit der Öffnung nach unten oder unter dem Dach aufstellen, damit sich kein Regenwasser ansammeln kann.
  • Regenfässer mit Mückenschutzgitter abdecken, damit sie den Stechmücken nicht als Brutgewässer dienen können.
  • Regenfässer mindestens alle zehn Tage restlos leeren und gegebenenfalls auch reinigen.

Experten zum Thema

Univ.-Prof. Dr. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter
Fachgruppe Virusdiagnostik
Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Bernhard-Nocht-Straße 74, 20359 Hamburg
www.bni-hamburg.de

Dr. Karl-Christian Münter, Facharzt für Allgemeinmedizin, Phlebologie              
Gemeinschaftspraxis Bramfeld
Bramfelder Chaussee 200, 22177 Hamburg
(0 40) 641 78 68
www.gemeinschaftspraxis-bramfeld.de

Priv.-Doz. Dr. Hans-Christian Koennecke, Chefarzt
Klinik für Neurologie – Stroke Unit
Vivantes Klinikum im Friedrichshain
Landsberger Allee 49
10249 Berlin Friedrichshain
www.vivantes.de

Dr. Victor Corman, Virologe
Institut für Virologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
10117 Berlin
virologie-ccm.charite.de

Weitere Informationen
Robert Koch Institut
www.rki.de/

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