Stand: 07.11.2017 12:49 Uhr

Was hilft bei Gicht?

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Gicht beginnt oft in einem einzelnen Gelenk, zum Beispiel im Daumengrundgelenk.

Als Gicht wird eine Stoffwechselstörung bezeichnet, bei der die Harnsäurekonzentration im Blut erhöht ist. In der Folge bilden sich Harnsäurekristalle, die sich zum Beispiel in den Gelenken, Schleimbeuteln und Sehnen ansammeln und dort zu schmerzhaften Entzündungen und unbehandelt zu Gelenkschäden führen. Auch in der Niere setzen sich die Kristalle ab. Bleibt die Gicht unbehandelt, kann das zu Nierensteinen und -schäden führen.

Ein Mann hält sich vor Schmerzen das Knie.

Was hilft bei Gicht?

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Bei Gicht führen Harnsäurekristalle in den Gelenken zu schmerzhaften Entzündungen. Auch Nierenschäden können die Folge sein. Wie lässt sich die Erkrankung behandeln?

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Männer erkranken häufiger an Gicht

Etwa 80 Prozent der Gichtpatienten sind Männer. Die Krankheit beginnt meist zwischen dem 40. und dem 60. Lebensjahr. Frauen bekommen eine Gicht meistens nicht vor den Wechseljahren - die weiblichen Geschlechtshormone schützen sie bis dahin. Oft haben Betroffene eine Veranlagung, dass ihr Körper Harnsäure nicht so gut ausscheidet.

Gicht beginnt oft im großen Zeh

Meist beginnt die Erkrankung mit heftigen Schmerzattacken als akuter Gichtanfall (akute Gichtarthritis) an einem einzigen Gelenk. Sehr häufig trifft es das Großzehen-Grundgelenk. Auch Sprung- und Kniegelenke, das Daumengrundgelenk oder der Mittelfuß können betroffen sein. Der schwere Schmerzanfall kommt ganz plötzlich meist nachts oder in den frühen Morgenstunden. Das schmerzende Gelenk ist extrem berührungsempfindlich, geschwollen, gerötet oder bläulich verfärbt und heiß. Oft kommt Fieber hinzu.

Weitere Informationen

Chat-Protokoll zum Thema Gicht

Wie kann Gicht vorgebeugt und behandelt werden? Prof. Dr. Frank Moosig hat am 7. November im Visite Chat Fragen dazu beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen. mehr

Harnsäurespiegel erhöht

Bei einer Gicht ist häufig der Harnsäurespiegel im Blut erhöht (Hyperurikämie). Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen aus der Nahrung. Besonders viel davon steckt in Innereien, Fleisch und Wurst. Aber Purine sind auch ein normaler Baustein von Körperzellen. Sie werden beim Abbau oder Zerfall von Zellen frei.

Der Harnsäurespiegel im Blut steigt, wenn:

  • die Nahrung zu viele Purine enthält, die zu Harnsäure abgebaut werden

  • im Körper mehr Harnsäure entsteht, weil viele Zellen zerfallen, zum Beispiel bei einer Diät

  • die Nieren zu wenig Harnsäure ausscheiden

Auch Bewegungsmangel, Übergewicht, ungesunde Ernährung, Stress, Operationen, Krebs und Infekte können einen Gichtanfall auslösen. Häufig kommen bei Gichtpatienten mehrere Ursachen zusammen. Ein zu hoher Harnsäurespiegel kann zudem genetisch bedingt sein, wenn auch Verwandte des Patienten zu erhöhten Harnsäurewerten neigen.

Formen der Gicht

Mediziner unterscheiden zwei Formen der Gicht:

  • Primäre Form: Ein angeborener Stoffwechseldefekt ist Ursache für den erhöhten Harnsäurespiegel. Die Niere scheidet meist weniger Harnsäure aus, als nötig wäre. Ganz selten ist ein Enzymdefekt verantwortlich dafür, dass der Körper zu viel Harnsäure produziert.

  • Sekundäre Form: Andere Krankheiten oder Störungen sind für die Hyperurikämie verantwortlich. Eine sekundäre Gicht entsteht zum Beispiel als Folge von Leukämie oder anderen Blutkrankheiten, bei denen viele Zellen abgebaut werden - manchmal auch bei Nierenerkrankungen oder bei der Einnahme von bestimmten Medikamenten.

Behandlung bei Gicht

Gicht lässt sich gut behandeln. Doch oft werden aktuelle Therapieempfehlungen nicht eingehalten. Entweder werden betroffene Patienten zu spät oder zu stark mit Medikamenten behandelt oder der Arzt prüft nicht individuell genug, was hinter den erhöhten Harnsäurewerten steckt.

Ist zum Beispiel eine radikale Diät Ursache des Gichtanfalls, sollte der Betroffene zunächst das Abnehmtempo verlangsamen. Doch eine deutsche Studie zeigt: Zu oft verschreiben Ärzte schon beim ersten Gichtanfall oder erhöhten Harnsäure-Werten Tabletten wie Allopurinol, um den Harnsäure-Wert dauerhaft zu senken.

Dabei sagt der Harnsäurewert alleine nichts aus: Man kann trotz erhöhter Harnsäure keine Gicht haben oder nach einem Gichtanfall am nächsten Tag wieder einen normalen Harnsäurewert. Experten raten deshalb, erst einmal abzuwarten und die Lebensweise umzustellen: Viel Sport und eine gesunde, kalorienarme Ernährung mit wenig purinhaltigen Lebensmitteln können den Harnsäurespiegel reduzieren. Akute Schmerzen kann in vielen Fällen zunächst ein Schmerzmittel statt Kortison lindern.

Sind harnsäuresenkende Tabletten nötig, kommt es in den ersten Wochen zu einer vermehrten Urinausscheidung. Wichtig ist dann, dass Betroffene täglich mindestens zwei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen.

Vorsicht bei eingeschränkter Nierenfunktion

Auch ein Zusammenhang zwischen Gicht und Nierenfunktion wird von Ärzten häufig nicht beachtet. Ist der Harnsäurespiegel im Blut zu hoch, kann das auch daran liegen, dass die Nieren es nicht schaffen, die Harnsäure auszuscheiden. Zu viel Harnsäure kann wiederum die Nieren schädigen. Um eine erkrankte Niere zu schützen, sollte der Arzt statt Allopurinol ein Medikament mit dem Wirkstoff Febuxostat verschreiben.

Weitere Informationen
05:21

Interview: Gicht behandeln

07.11.2017 20:15 Uhr
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Gicht führt zu schmerzhaften Entzündungen in den Gelenken. Ursache ist ein hoher Harnsäurespiegel im Blut. Rheumatologe Professor Frank Moosig stellt Therapien vor. Video (05:21 min)

Ernährung bei Gicht

Purine stecken vor allem in Fleisch und Fisch, aber auch etwa in Hülsenfrüchten oder Bier. Wie viel davon ist noch verträglich - und was kann man bei Gicht bedenkenlos essen? mehr

Interviewpartner

Prof. Dr. Frank Moosig, Facharzt für Innere Medizin/Rheumatologie
Rheumazentrum Schleswig-Holstein Mitte
Kuhberg 5a-7, 24534 Neumünster
Tel. (04321) 60 223-0
Internet: www.rheuma-schleswig-holstein.de

Prof. Dr. Thorsten Feldkamp
Stellv. Direktor/Ltd. Oberarzt Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten in Kiel
Klinik für Innere Medizin IV
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Schittenhelmstraße 12, 24105 Kiel
Internet: www.nephrologie-uni-kiel.de

Dr. Gunter Behrend, Facharzt für Allgemeinmedizin                                            
Jaegerallee 14, 24159 Kiel
Tel. (0431) 361 808
Internet: www.dr-behrend.de

Weitere Informationen:
Deutsche Rheuma-Liga e. V.
Maximilianstraße 14, 53111 Bonn
Tel. (0228) 76 60 60, Fax (0228) 76 60 620
Merkblatt zum Herunterladen: www.rheuma-liga.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 07.11.2017 | 20:15 Uhr

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