Stand: 14.10.2019 09:25 Uhr

Was hilft bei Gicht?

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Gicht beginnt oft in einem einzelnen Gelenk, zum Beispiel im Großzehengrundgelenk.

Als Gicht wird eine Stoffwechselstörung bezeichnet, bei der die Harnsäurekonzentration im Blut erhöht ist. In der Folge bilden sich Harnsäurekristalle, die sich zum Beispiel in den Gelenken, Schleimbeuteln und Sehnen ansammeln und dort zu schmerzhaften Entzündungen und unbehandelt zu Gelenkschäden führen. Auch in der Niere setzen sich die Kristalle ab. Bleibt die Gicht unbehandelt, kann das zu Nierensteinen und -schäden führen. Oft sind genetische Faktoren und eine ungesunde Ernährung die Ursache für Gicht.

Eine animiertes Bild zeigt, wie Harnsäure in einem Fuß kristallisiert

Was hilft bei Gicht?

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Bei Gicht führen Harnsäurekristalle in den Gelenken zu schmerzhaften Entzündungen. Auch Nierenschäden können die Folge sein. Wie lässt sich die Erkrankung behandeln?

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Männer erkranken häufiger an Gicht

Etwa ein bis zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland leidet unter Gicht. 80 Prozent der Gichtpatienten sind Männer. Die Krankheit beginnt meist zwischen dem 40. und dem 60. Lebensjahr. Frauen bekommen eine Gicht meistens nicht vor den Wechseljahren - die weiblichen Geschlechtshormone schützen sie bis dahin. Oft haben Betroffene eine Veranlagung, dass ihr Körper Harnsäure nicht so gut ausscheidet.

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Chat-Protokoll: Gicht

Bei Gicht gibt es viele Ernährungsempfehlungen. Was hilft wirklich? Der Ernährungsspezialist Prof. Martin Smollich hat Fragen zum Thema Gicht beantwortet. mehr

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Gicht vorbeugen und behandeln

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Bei Gicht führen Harnsäurekristalle in den Gelenken zu schmerzhaften Entzündungen. Wie lässt sich Gicht vorbeugen und behandeln? Prof. Martin Smollich informiert. Video (04:23 min)

Gicht beginnt oft im großen Zeh

Meist beginnt die Erkrankung mit heftigen Schmerzattacken als akuter Gichtanfall (akute Gichtarthritis) an einem einzigen Gelenk.

  • Sehr häufig trifft es das Großzehen-Grundgelenk. Das liegt daran, dass die Harnsäurekristalle in Geweben mit niedriger Temperatur zuerst ausfallen.

  • Auch Sprung- und Kniegelenke, das Daumengrundgelenk oder der Mittelfuß können betroffen sein.

Der schwere Schmerzanfall kommt ganz plötzlich meist nachts oder in den frühen Morgenstunden. Das schmerzende Gelenk ist extrem berührungsempfindlich, geschwollen, gerötet oder bläulich verfärbt und heiß. Oft kommt Fieber hinzu.

Harnsäurespiegel erhöht

Bei einer Gicht ist der Harnsäurespiegel im Blut erhöht (Hyperurikämie). Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen aus der Nahrung. Besonders viel davon steckt in Innereien, Fleisch und Wurst. Aber Purine sind auch ein normaler Baustein des menschlischen Erbguts (DNA). Sie werden beim Abbau oder Zerfall von Zellen frei.

Der Harnsäurespiegel im Blut steigt, wenn:

  • die Nahrung zu viele Purine enthält, die zu Harnsäure abgebaut werden.

  • im Körper mehr Harnsäure entsteht, weil viele Zellen zerfallen, zum Beispiel bei einer Diät.

  • die Nieren zu wenig Harnsäure ausscheiden.

Auch Bewegungsmangel, Übergewicht, ungesunde Ernährung, Stress, Operationen, Krebs und Infekte können einen Gichtanfall auslösen. Häufig kommen bei Gichtpatienten mehrere Ursachen zusammen. Ein zu hoher Harnsäurespiegel kann zudem genetisch bedingt sein, wenn auch Verwandte des Patienten zu erhöhten Harnsäurewerten neigen.

Formen der Gicht

Mediziner unterscheiden zwei Formen der Gicht:

  • Primäre Form: Ein angeborener Stoffwechseldefekt ist Ursache für den erhöhten Harnsäurespiegel. Die Niere scheidet meist weniger Harnsäure aus, als nötig wäre. Ganz selten ist ein Enzymdefekt verantwortlich dafür, dass der Körper zu viel Harnsäure produziert.

  • Sekundäre Form: Andere Krankheiten oder Störungen sind für die Hyperurikämie verantwortlich. Eine sekundäre Gicht entsteht zum Beispiel als Folge von Leukämie oder anderen Blutkrankheiten, bei denen viele Zellen abgebaut werden - manchmal auch bei Nierenerkrankungen oder bei der Einnahme von bestimmten Medikamenten.

Ursachen der Gicht

In den meisten Fällen sind Gichterkrankungen auf eine genetisch bedingte Störung der Niere zurückzuführen: Sie ist nicht in der Lage, eine erhöhte Menge an Purinen auszuscheiden, etwa nach übermäßigem Konsum purinreicher Lebensmittel wie Fleisch und Alkohol. Überschreitet die Konzentration der Harnsäure im Blut bestimmte Grenzen, fällt sie in Form von Kristallen aus.

Risikofaktoren für Gicht

Neben einer genetischen Veranlagung kommen bei Gichtkranken oft weitere Risikofaktoren zusammen:

  • hoher Konsum von Fleisch, Fisch, Alkohol und Fruktose in Säften, Smoothies und verarbeiteten Lebensmitteln
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • Stress
  • Operationen
  • Krebs
  • Infekte

Fruktose erhöht Gicht-Risiko

Fruktose erhöht den Harnsäurespiegel im Blut ähnlich wie Alkohol. Schon wenige Minuten nach dem Verzehr von Fruktose steigt der Harnsäurespiegel im Blut an:

  • Fruktose führt dazu, dass im Darm Purine gebildet werden, aus denen Harnsäure entsteht.

  • Fruktose hemmt die Harnsäureausscheidung über die Nieren.

Bereits ein fruktosehaltiges Süßgetränk am Tag, zum Beispiel Fruchtsaft, erhöht das Gicht-Risiko bei Gesunden um 45 Prozent. Wer bereits an Gicht leidet, sollte daher fruktosehaltige Getränke und Lebensmittel meiden.

Behandlung bei Gicht

Die Therapie der Gicht sollte auf die individuelle Situation der Erkrankten abgestimmt sein. Wichtig dabei:

  • Stadium der Gicht: akut oder chronisch
  • individuelle Faktoren, z. B. Anzahl der Anfälle, bestehende Gelenkveränderungen
  • allgemeine Risikofaktoren

Ernährung bei Gicht

Regelmäßige körperliche Bewegung und eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung mit wenig Fleisch, Fisch, Alkohol und Fruktose können den Harnsäurespiegel in vielen Fällen deutlich senken. Auch wenn Hülsenfrüchte und andere Gemüse viele Purine enthalten, sollten sie nicht - wie früher oft empfohlen - komplett vom Speiseplan gestrichen werden. Bei der Fruktose steht nicht das Obst selbst auf der Streichliste, sondern konzentrierte Früchte wie in Säften oder Smoothies.

Übergewichtige sollten ihr Normalgewicht erreichen. Dabei sind ein zu rascher Gewichtsverlust und eiweißreiche Diäten zu vermeiden. Beides kann den Harnsäurespiegel zusätzlich erhöhen.

Gicht mit Medikamenten behandeln

Nach einem akuten Gichtanfall ist es das Ziel der Behandlung, die Schmerzen möglichst rasch zu lindern und die Entzündung zu beenden - zum Beispiel mit sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen und Diclofenac.

Nach Abklingen der Beschwerden kann eine Dauertherapie das Fortschreiten der Gicht und weitere Gichtanfälle verhindern. Sie wird empfohlen, wenn

  • mehr als zwei Gichtanfälle pro Jahr auftreten.
  • begleitend zur Gicht Nierensteine vorliegen.
  • wenn die Gicht zu weiteren Veränderungen im Körper führt.

Die Dauertherapie sollte frühestens zwei Wochen nach einem akuten Gichtanfall beginnen.

Ein häufig eingesetztes Mittel ist Allopurinol. In den ersten Monaten nach Beginn der Therapie können vermehrt Gichtanfälle auftreten. Denn wenn der Harnsäurespiegel sinkt, werden Harnsäureablagerungen aus dem Gewebe freigesetzt.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion sollte anstelle von Allopurinol der Wirkstoff Febuxostat verschreiben werden. Es kommt auch zum Einsatz wenn Allopurinol den Harnsäurespiegel nur unzureichend senkt.

Betroffene, die zusätzlich zur Gicht noch unter einer schweren Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden, zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall oder einer instabilen Angina pectoris, sollten wenn möglich kein Febuxostat einnehmen, da es ihre Sterblichkeit erhöht. Sie sollten vorrangig mit Allopurinol behandelt werden.

Ist der Harnsäurespiegel im Blut erhöht, ohne dass Beschwerden auftreten, ist eine Medikamenten-Therapie nach der aktuellen Studienlage nicht sinnvoll.

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Purine stecken vor allem in Fleisch und Fisch, aber auch etwa in Hülsenfrüchten oder Bier. Auch mit Fruchtzucker muss man aufpassen. Was kann man bei Gicht essen? mehr

Experten zum Thema

Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Kötter, Facharzt für Allgemeinmedizin
Hausärzte vor dem Mühlentor
Akademische Lehr- und Forschungspraxis der Universität zu Lübeck
Kronsforder Allee 17, 23560 Lübeck
(0451) 773 43
www.luebmed.de

Prof. Dr. rer. nat. Martin Smollich, Pharmakologe
Institut für Ernährungsmedizin
Leiter AG Pharmakonutrition
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck

Dieses Thema im Programm:

Visite | 15.10.2019 | 20:15 Uhr

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