Stand: 04.07.2017 11:14 Uhr  | Archiv

Was hilft bei Ellenbogen-Instabilität?

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Wenn der Ellenbogen schmerzt oder plötzlich wegknickt, kann das auf eine Instabilität hinweisen.

Beim Heben der Kaffeetasse schmerzt es plötzlich und der Ellenbogen knickt weg: Schuld sind schwache Bänder, die den Ellenbogen nicht mehr halten oder führen können. Am Ellenbogen treffen drei Knochen in einem besonders festen Gelenk aufeinander: Oberarmknochen, Elle und Speiche arbeiten zusammen, um neben dem Beugen und Strecken des Armes auch die wichtigen Drehbewegungen der Hand zu ermöglichen. Lockern sich Bänder und Gelenkkapsel auch nur ein kleines bisschen, kann das zu einer schmerzhaften Schwäche am Ellenbogen führen. Unbehandelt kann solch eine Ellenbogen-Instabilität zu einer Versteifung und einem frühzeitigen Verschleiß des Gelenks (Arthrose) führen.

Chronische Instabilität: Überlastung kann Ursache sein

Chronische Instabilitäten treten als Überbleibsel akuter Verletzungen auf, die nicht ausreichend behandelt wurden, durch Überlastung bei Handwerkern, die mit dem Arm arbeiten und schweres Gerät tragen, und natürlich bei Sportlern. Bei chronischen Instabilitäten im Ellenbogen bemerkt der Patient meist kein "Schlackern". Doch der Spielraum ist so groß, dass Muskeln und Sehnen langfristig überlastet werden, denn sie strengen sich mehr an, um das Gelenk zu halten. Treten dann Beschwerden wie etwa ein Tennisarm auf, werden gewöhnlich Kortisonspritzen gegeben, um die Entzündung zu stoppen. Doch das ist nach neuesten Erkenntnissen ein Fehler: Mehrfache Kortisonspritzen ins Ellenbogengelenk bringen zwar kurzfristige Erfolge, können aber auf lange Sicht die Sehnen schädigen. Und dann haben die Patienten größere Probleme als zuvor. Durch die Schwäche der Sehnen müssen die Bänder wiederum größere Belastungen abfangen und leiern aus. Als Folge wird der Ellenbogen immer instabiler.

Bei anhaltenden Beschwerden zum MRT

Ursache einer akuten Instabilität des Ellenbogens ist meistens ein Unfall - zum Beispiel ein Sturz auf den ausgestreckten Arm, bei dem das Gelenk auskugelt (Luxation). Dabei entstehen häufig Risse in den Bändern. Kugelt das Ellenbogengelenk immer wieder aus oder wird das Gelenk immer schwächer, sind verletzte Bänder übersehen worden. Diese bleiben häufig unentdeckt, weil meist nur ein einfaches Röntgenbild gemacht wird, in dem man Bänder und Knochen nicht sehen kann. Experten raten bei anhaltenden Beschwerden deshalb zu einer Magnetresonanztomografie (MRT). Anhand der MRT-Bilder kann der Arzt den Knorpel und die Strukturen im Gelenk beurteilen.

Sind Bänder geschädigt, muss operiert werden

Ein ausgekugeltes Gelenk kann der Arzt sehen und ertasten. Neben den MRT-Bildern kann eine Feindiagnostik durch eine Arthroskopie, also eine Gelenkspiegelung, notwendig sein, um zu prüfen, ob Knochen und Gewebe verletzt sind. Sind die Bändern geschädigt, muss operiert werden: In Narkose, mit entspannten Muskeln, wird getestet, wie instabil der Ellenbogen tatsächlich ist. Dann werden die Bänder verstärkt: Ähnlich wie bei einer Kreuzband-OP am Knie entnehmen die Ärzte dazu körpereigene Transplantate: Sehnen aus der Kniekehle (Hamstringsehnen) oder ein Teil der Trizepssehne vom Oberarm. Damit wird das ausgeleierte Band so gestrafft, dass die Beweglichkeit vollständig möglich, das Gelenk aber wieder stabil ist. Mit Krankengymnastik wird das Gelenk anschließend langsam wieder mobilisiert. Es dauert jedoch sechs Monate, bis der Ellenbogen wieder vollständig belastbar ist.

Interviewpartner

Interviewpartner im Studio:
Dr. Jörg Weber, Orthopäde und Unfallchirurg
Leitender Oberarzt Station 2
Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie
Klinikum Südstadt Rostock
Südring 81, 18059 Rostock
Tel. (0381) 44 01-41 01
Internet: www.kliniksued-rostock.de

Interviewpartner im Beitrag:
PD Dr. Jörn Kircher, Orthopäde und Unfallchirurg
Zentrum für Schulter- und Ellenbogenchirurgie
Klinik Fleetinsel Hamburg GmbH & Co KG
Admiralitätstraße 3-4, 20459 Hamburg
Tel. (040) 376 71-0
Internet: www.klinik-fleetinsel.de

Ratgeber:
Christoph Klein:
Orthopädie für Patienten: Medizin verstehen.
827 S., Michels-Klein (2014), 49,95 Euro

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Visite | 04.07.2017 | 20:15 Uhr

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