Sendedatum: 19.03.2013 20:15 Uhr

Warum Statine krank machen können

Medikamente, die man jahrelang ohne Probleme eingenommen und vertragen hat, können plötzlich zu schweren Nebenwirkungen führen. Dies kann der Fall sein, wenn andere Arzneimittel hinzukommen oder auch bestimmte Nahrungsmittel, die den Stoffwechsel beeinflussen.

Ein eindrucksvolles Beispiel für diese Zusammenhänge ist der häufig verschriebene Cholesterinsenker Simvastatin: Er kann in Kombination mit bestimmten anderen Medikamenten oder auch mit Grapefruit - zu einer sogenannten Rhabdomyolyse und sogar zum Nierenversagen führen. Bei einer Rhabdomyolyse löst sich die quergestreifte Muskulatur auf und zerfällt. Extreme Muskelschmerzen sind die Folge und im schlimmsten Fall kann diese Entwicklung sogar lebensbedrohlich sein. Für die Betroffenen fühlt sich eine Rhabdomyolyse zunächst an wie ein typischer Muskelkater. Innerhalb weniger Tage baut sich die Muskulatur extrem ab und die Kräfte schwinden.

Blutuntersuchung gibt Aufschluss

Einen wichtigen Hinweis liefert die Blutuntersuchung auf Kreatinkinase. Ist dieser Wert stark erhöht, ist das ein Anzeichen für einen Muskelzerfall im Körper. Nimmt der Betroffene ein Medikament ein, das zu dieser Nebenwirkung führen kann, setzt der Arzt es ab und sucht nach Auslösern für mögliche Wechselwirkungen - also andere Medikamente oder auch Nahrungsmittel.

Cholesterinsenker Simvastatin wird blockiert

Der Cholesterinsenker Simvastatin wird im Körper durch ein bestimmtes Enzym abgebaut, das auch einen Inhaltsstoff der Grapefruit, das Naringin, verarbeitet. Naringin blockiert das Enzym, sodass es das Simvastatin nicht mehr abbauen kann. Die Folge: Die Konzentration des Medikaments im Blut steigt an und führt im schlimmsten Fall zu dem gefürchteten Muskelzerfall.

Auch einige Antibiotika (Erythromycin), Blutdrucksenker (Verapamil, Diltiazem), Mittel gegen Herzrhythmusstörungen (Amiodaron), andere Fettsenker (Fibrate), Antidepressiva (Nefazadon) oder Pilzmittel haben diesen Effekt.

Wichtige Informationen auf dem Beipackzettel

Wer sicher gehen möchte, sollte daher in den Beipackzetteln seiner Medikamente im Abschnitt Wechselwirkungen nachsehen, ob darin besondere Nahrungsmittel verzeichnet sind, die die Wirkung beeinträchtigen oder den Abbau des Wirkstoffes behindern und diese während der Einnahme des Arzneimittels unbedingt meiden. Zudem sollten Tabletten immer mit Leitungswasser eingenommen werden, keinesfalls mit Fruchtsaft oder Milch.

Interviewpartner:

Im Studio:
Prof. Dr. Dr. Ingolf Cascorbi
Pharmakologe
Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3 (Haus 30)
24105 Kiel
Tel. (0431) 597 35 01

Im Beitrag:
Prof. Dr. Wolfram Terres
Kardiologe
Chefarzt der Klinik für Kardiologie
Allgemeines Krankenhaus Celle
Siemensplatz 4
29223 Celle

Dieses Thema im Programm:

Visite | 19.03.2013 | 20:15 Uhr

Mehr Gesundheitsthemen

Ein kleiner Junge sitzt am Strand und wird eingecremt. © Colourbox

Sonne: Die Haut richtig vor UV-Strahlung schützen

Jeder Aufenthalt in der Sonne erhöht das Hautkrebs-Risiko. Mit dem richtigen Schutz lässt sich der Sommer genießen. mehr

Die Ernährungs-Docs: Dr. Silja Schäfer,  Dr. Matthias Riedl und Dr. Viola Andresen © NDR Foto: Moritz Schwarz

Der E-Docs-Podcast in der ARD Audiothek

Die Docs zum Hören! Spannende Fälle, Ernährungswissen und Rezepte - jetzt abonnieren und keine Folge verpassen. extern

Eine Frau hält ein Tablet in der Hand und schaut sich den Auftritt der ARD Themenwelt Gesundheit an. © Getty Images/Farknot_Architect /Collage: ARD Foto: Getty Images/Farknot_Architect /Collage: ARD

Themenwelt Gesundheit in der ARD Mediathek

Spannende und informative Dokus, Serien und Magazine über die Gesundheit: Entdecken Sie unsere Themenwelt in der ARD Mediathek. extern