Stand: 29.03.2016 14:53 Uhr  | Archiv

Wann muss eine Schilddrüse operiert werden?

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Der ganze Stoffwechsel des Körpers ist von der Schilddrüse abhängig.

Knoten in der Schilddrüse: Auf diese Diagnose folgt oft eine Operation. In mehr als der Hälfte der Fälle wird in Deutschland die Schilddrüse dann komplett entfernt. Auch ohne Schilddrüse kann man leben, denn das Hormon, das normalerweise die Schilddrüse produziert, lässt sich auch in Tablettenform einnehmen. Doch Experten mahnen zu Zurückhaltung: Nicht immer müsse gleich das ganze Organ entfernt werden, in vielen Fällen genüge die Entfernung des Schilddrüsenlappens mit dem Knoten.

Schilddrüse - kleines Organ mit wichtigen Funktionen

Die schmetterlingsförmige Schilddrüse sitzt direkt unter dem Kehlkopf und produziert die Hormone T3 und T4. Diese wirken im ganzen Körper: Sie treiben Herz und Kreislauf an, erhöhen die Körpertemperatur, beschleunigen die Verdauung und heben die Stimmung. Der ganze Stoffwechsel ist von der Schilddrüse abhängig. Schwillt das winzige Organ so stark an, dass am Hals ein Kropf (Struma) wächst, ist eine Untersuchung beim Endokrinologen notwendig. Findet dieser eindeutig gutartige Knoten in der vergrößerten Schilddrüse und funktioniert das Organ normal, muss die Schilddrüse nicht operiert werden. Regelmäßige Kontrollen sind aber notwendig.

Wächst die Schilddrüse aber weiter, muss eine Szintigraphie klären, ob die Knoten noch gutartig oder mittlerweile bösartig entartet sind. Dafür bekommt der Patient eine Spritze mit radioaktiven Partikeln, die sich in der Schilddrüse anreichern. Eine sogenannte Gammakamera zeigt dann, wie aktiv die Knoten sind. Die radioaktiven Strahlen sind heute kein Problem mehr, da statt radioaktivem Jod inzwischen Technetium verwendet wird, das nur ein Fünfzigstel der Strahlenbelastung von Jod und eine Halbwertzeit von nur wenigen Stunden hat. Damit ist die Strahlenbelastung wesentlich geringer als früher.

Wie werden Knoten an der Schilddrüse behandelt?

Sind nur an einer Seite der Schilddrüse Knoten vorhanden, muss nur der Lappen dieser Seite entfernt werden. Die möglichst zurückhaltende Schilddrüsenchirurgie ist deshalb wichtig, weil die komplette Entfernung der Schilddrüse die Lebensqualität des Patienten einschränkt, lebenslang müssen Hormontabletten eingenommen werden. Zudem birgt die Operation Risiken: An der Rückseite der Schilddrüse liegen die winzigen Nebenschilddrüsen. Sie regulieren den Kalziumstoffwechsel und dürfen nicht verletzt werden. Außerdem verläuft in gefährlicher Nähe zur Schilddrüse der Stimmbandnerv. Wird dieser versehentlich durchtrennt, verändert sich die Stimme dramatisch: Sie wird heiser oder geht sogar ganz verloren.

Bei einer einseitigen Operation halbiert sich das Risiko für den Stimmbandnervenschaden und das Risiko für eine Störung der Nebenschilddrüsen ist quasi gleich null. Nicht immer ist eine Stimmbandverletzung schuld, wenn die Stimme nach einer Schilddrüsen-OP heiser klingt. Während des Eingriffs atmet der Patient über einen Beatmungsschlauch in der Luftröhre. Der kann die Stimmlippen so irritieren, dass diese anschwellen. Eine so verursachte Heiserkeit verschwindet in der Regel aber innerhalb weniger Wochen.

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Interviewpartner:

Im Studio:
Prof. Dr. Jochen Kußmann
Chefarzt
Abteilung für Endokrine Chirurgie
Endokrines Zentrum Hamburg
Schön Klinik Hamburg Eilbek
Dehnhaide 120
22081 Hamburg
Tel. (040) 20 92 71 01
Fax (040) 20 92 71 02
Internet: www.schoen-kliniken.de/ptp/kkh/eil/organe/schilddruese/

Im Beitrag:
Dr. Dieter Graf
Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologe
Schilddrüsen- und Hormonzentrum Lüneburg
Auf dem Meere 9
21335 Lüneburg
Tel. (04131) 40 04 10
Internet: auf-dem-meere.de
Dr. Hauke Teda Petersen-Macht, Fachärztin für Chirurgie
Oberärztin Klinik für Allgemein-, Viszeral- & Thoraxchirurgie
Klinikum Lüneburg
Bögelstraße 1, 21339 Lüneburg
Tel. (04131) 77 22 01, Fax (04131) 77 24 29
Internet: www.klinikum-lueneburg.de/allgemein-viszeral-thoraxchirurgie/

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Visite | 29.03.2016 | 20:15 Uhr

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