Stand: 13.03.2015 17:02 Uhr

Viagra: Wirkung, Kosten und Gefahren

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Als "kleines blaues Wunder" löste Viagra eine zweite sexuelle Revolution aus.

Der ursprünglich als Blutdrucksenker erforschte Wirkstoff Sildenafil löste unter dem Namen Viagra eine zweite sexuelle Revolution aus. Das Präparat hatte zwar nicht die gewünschte Wirkung als Blutdruckmedikament, wies aber als Nebenwirkung eine Verbesserung der Erektionsfähigkeit der Probanden auf. Ein Arzneimittel gegen Erektile Dysfunktion, umgangssprachlich Impotenz genannt, war gefunden.

Milliardengeschäft Viagra

Die blauen Tabletten wurden für den Hersteller Pfizer zum Riesengeschäft. Allein mit Viagra setzt das Pharmaunternehmen weltweit jährlich 1,7 Milliarden US-Dollar um. Mittlerweile gibt es weitere Präparate mit der gleichen Wirkung, darin sind die Wirkstoffe Tadalafil (Handelsname Cialis) oder Vardenafil (Handelsname Levitra) enthalten. Recht neu auf dem Markt ist ein vierter Wirkstoff namens Avanafil.

Diese Medikamente hemmen ein bestimmtes Enzym (Phosphodiesterase 5), das üblicherweise die Erweiterung von Schwellkörper-Gefäßen steuert. Die Wirkstoffe werden deshalb auch PDE-5-Hemmer genannt. Denn sie sorgen dafür, dass die glatten Muskelzellen im Penis erschlaffen, also mehr Raum einnehmen. Im Zusammenspiel mit festem umgebendem Bindegewebe, steigt der Druck im Penis und der Abfluss des Blutes wird vermindert. Es kommt zur Erektion.

Grafik zeigt im Längsschnitt von der Seite die Beckenregion eines Mannes mit weichem Penis, Harnblase, Beckenbodenmuskular und Prostata. © NDR

Wie kommt es physiologisch zur Erektion?

45 Min -

Bevor Geschlechtsverkehr möglich ist, müssen verschiedene Mechanismen im Körper ineinander greifen.

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Ohne gesunde Libido wirken Viagra und Co. nicht

Wer glaubt, allein die Einnahme von Viagra und Co. würde zu einer Erektion führen, irrt jedoch. "Wenn Sie die Tablette einfach so schlucken und dann zum Beispiel weiter E-Mails schreiben, passiert gar nichts", erklärt Dr. Matthias Mahn vom Pharmaunternehmen Pfizer. "Es bedarf zunächst einer sexuellen Stimulation. Der dadurch ausgelöste Durchblutungseffekt wird durch Viagra lediglich verstärkt und führt dann idealerweise zu einer sichtbaren Erektion."

PDE-5-Hemmer sind daher wirkungslos bei Erektilen Dysfunktionen, die durch Nervenschäden hervorgerufen wurden. Auch wenn Durchblutungsstörungen vorliegen, können sie nicht eingesetzt werden. Weitere Gegenanzeigen kann ein Arzt nach eingehender Untersuchung feststellen. Medikamente wie Viagra sollten unbedingt nur nach ärztlicher Verschreibung eingenommen werden.

Wie lange hält die Wirkung von Viagra und Co an?

Die höchste Effektivität tritt bei den Medikamenten ungefähr eine Stunde und zehn Minuten nach der Einnahme ein. Danach nimmt die Wirkung kontinuierlich ab. Bei manchen Patienten reicht die Wirkung aber auch noch fünf Stunden, nachdem sie Cialis, Levitra oder Viagra eingenommen haben für eine ausreichende Erektion.

Die "Potenzpille" wird  auch zum Lifestyle-Produkt

In unserer stark sexualisierten Gesellschaft wird sexuelle Leistungsfähigkeit beim Mann leicht mit Männlichkeit gleichgesetzt. So verkauft sich Viagra auch als Lifestyle-Produkt sehr gut. Die Politik hat die Potenzpillen 2004 sogar per Gesetz von den Arzneimitteln ausgeschlossen. Die Kassen übernehmen keine Kosten mehr. Erektile Dysfunktion wertet die Politik seither als ebenso wenig behandlungsbedürftig wie Übergewicht oder Haarausfall. Für die Pharmaunternehmen ist das kein Problem. Denn die Kundschaft hält das nicht ab: Die Nachfrage nach Potenzmitteln steigt kontinuierlich.

Erhebliche Gesundheitsgefahren durch gefälschte Potenzmittel

Preise pro Tablette

Nach Ablauf des Patentschutzes für Viagra im Jahr 2013 sind neue Präparate mit demselben Wirkstoff erhältlich.

Viagra und Generika - 2 bis 5 Euro
Cialis - ca. 17,50 Euro
Levitra - ca. 12,50 Euro

(Stand: 2015)

Aus Scham oder aus Kostengründen versuchen viele Männer Arztpraxen und Apotheken zu umgehen. Für vier Viagra-Tabletten müssen Patienten in der Apotheke bis zu gut 50 Euro bezahlen. Viele kaufen Potenzmittel deshalb im Internet. Laut einer Untersuchung des Zentrallabors Deutscher Apotheker in Eschborn ist jedoch jedes zweite Medikament, das im Internet bestellt wird, gefälscht.

Das birgt eine erhebliche Gesundheitsgefahr für die Nutzer, wie Dr. Mona Tawab deutlich macht: "Es gibt im Grunde keine gute Fälschung, denn sie werden unkontrolliert hergestellt. Man muss zwischen zwei Arten von Fälschungen unterscheiden. Die einen sind dem Original sehr ähnlich. Der Wirkstoff ist darin auch eingearbeitet, zum Teil allerdings in geringerer Dosierung. Es gibt aber auch tatsächlich Fälschungen aus Hinterhof-Produktionen, in die Lacke eingearbeitet werden. Sie einzunehmen, kann durchaus sehr gefährlich oder sogar lebensbedrohlich sein."

Die Pharmazeutin warnt zudem vor pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln, die als harmlose Potenzmittel angepriesen werden. "Wir konnten darin schon synthetische chemische Stoffe nachweisen, die nicht deklariert sind. Und der Hammer ist allerdings, dass in solchen pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln der Viagra-Wirkstoff in viel höherer Dosierung enthalten sein kann als in den üblichen Tabletten. Das ist natürlich extrem gefährlich“.

Geschäft mit Potenzmitteln fast so ergiebig wie Drogenhandel

Was für ein gutes Geschäft der Handel mit Viagra verspricht, registriert auch der Zoll am Frankfurter Flughafen. Im Einsatz gegen Medikamentenschmuggel setzen die Fahnder seit beinah zwei Jahren sogar einen speziell ausgebildeten Spürhund ein. Das Geschäft mit Anabolika und Potenzmitteln aus dem Internet ist in der Zwischenzeit fast so ergiebig wie der Drogenhandel. Allein 2013 stellte der Frankfurter Zoll mehr als eine Million Tabletten sicher. Schwarzmarktwert: gut zwölf Millionen Euro.

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Dieses Thema im Programm:

45 Min | 15.02.2016 | 22:00 Uhr

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