Stand: 18.10.2016 13:00 Uhr  | Archiv

Usutu-Virus: Gefahr für Vögel und Menschen?

Ein junger Vogel mit geöffnetem Schnabel © NDR Foto: Axel Niebäumer aus Rostock
Das Usutu-Virus betrifft vor allem Amseln.

Das Usutu-Virus ist nach einigen Jahren zurück in Deutschland und sorgt für ein Massensterben unter Vögeln. Weil vor allem Amseln betroffen sind, wird die Epidemie auch als "Amselsterben" bezeichnet. Auch Menschen können sich mit dem Virus infizieren.

Tote Vögel nur mit Handschuhen anfassen

Vom Usutu-Virus befallene Vögel wirken apathisch und flüchten nicht mehr. Sie sterben meist innerhalb weniger Tage. Ein toter oder kranker Vogel sollte nur mit Handschuhen angefasst werden. Untypisch für ein exotisches Virus: Der Usutu-Erreger wird von heimischen Mücken übertragen. Das Virus wandert in die Eier der Mücken, sodass bereits die schlüpfenden Larven infiziert sind.

Symptome bei erkrankten Menschen

Über einen Mückenstich können sich auch Menschen mit dem Usutu-Virus infizieren. Es kann dann zu Symptomen wie Fieber, Gliederschmerzen oder Hautausschlägen kommen. Schwere Verläufe sind kaum bekannt. Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann das Usutu-Virus im schlimmsten Fall eine Gehirnentzündung verursachen. Bislang wurden erst wenige Fälle des Usutu-Virus beim Menschen gemeldet.

Tote Vögel per Online-Formular melden

Vogelexperten des Naturschutzbundes Deutschland e. V. (NABU) und Virenforscher vom Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) arbeiten daran, die Ausbreitung des Usutu-Virus und seine Auswirkungen auf die Vogelwelt zu dokumentieren und zu erforschen. Dabei sind sie auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen: Denn die wichtigste Datengrundlage bilden Meldungen toter und kranker Amseln sowie eingeschickte Proben toter Vögel, die auf das Virus untersucht werden können. Daher bittet der NABU darum, tote oder kranke Amseln über ein Online-Formular zu melden.

Tropenviren durch immer mehr Mückenarten

Die Hamburger Forscher des BNI fanden in untersuchten toten Vögeln zwei Varianten des Usutu-Virus - einen ganz frischen afrikanischen Stamm und einen schon seit 2012 bekannten Stamm. Die Virologen stellten fest, dass von Jahr zu Jahr mehr Mückenarten in Deutschland tropische Viruserkrankungen übertragen, zum Beispiel das Dengue-Fieber durch die Tigermücke. Sollte das Usutu-Virus häufiger auftreten und in mehr Menschen nachgewiesen werden, ist nach Ansicht der BNI-Experten die Entwicklung eines Impfstoffes denkbar.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 18.10.2016 | 20:15 Uhr

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