Stand: 23.10.2018 09:49 Uhr

Thrombose: Warnzeichen rechtzeitig erkennen

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Kompressionsstrümpfe können das Thromboserisiko senken.

Schweregefühl, Kribbeln, Ziehen im Unterschenkel, eine Schwellung am Bein, ein Druck- oder Hitzegefühl - all das können Hinweise auf einen gefährlichen Venenverschluss durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) sein. Jedes Jahr erkrankt einer von 1.000 Menschen an einer solchen Thrombose, Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Wird eine Thrombose nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, drohen langwierige Probleme mit den Beinvenen (Postthrombotisches Syndrom) und es kann in seltenen Fällen, vor allem bei Thrombosen im Oberschenkel, sogar zu lebensgefährlichen Komplikationen wie einer Lungenembolie kommen.

Mann auf einer Brücke

Thrombose: Warnzeichen rechtzeitig erkennen

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Bei einer Thrombose führt ein Blutgerinnsel im Bein zu einem Venenverschluss. Als Folge kann eine lebensgefährliche Lungenembolie auftreten. Wie erkennt man die Warnzeichen?

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Wie eine Thrombose entsteht

Eine Reihe biochemischer Prozesse halten Blutgerinnung und Blutfluss im Gleichgewicht. Doch manchmal stockt das Blut, wenn durch Bewegungsmangel, etwa langes Sitzen oder Liegen, die Zirkulation des Blutes behindert wird. Wo das Blut ins Stocken gerät, kann sich ein Blutpfropf (Thrombus) bilden, der die Blutversorgung an dieser Stelle behindert und im Extremfall das Gefäß völlig verschließt. Besonders gefährlich wird es, wenn sich ein solcher Thrombus oder auch nur ein Teil davon löst und vom Blutstrom mitgerissen wird. Wird er in die Lunge gespült und verstopft dort ein Gefäß, kommt es zur nicht selten tödlichen Lungenembolie. In Ausnahmefällen gelangt ein solcher Thrombus durch ein angeborenes Loch im Herzen sogar ins Gehirn und verursacht dort einen Schlaganfall.

Interview
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Thrombose erkennen und behandeln

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Bei einer Thrombose führt ein Blutgerinnsel im Bein zu einem Venenverschluss. Wie man Warnzeichen erkennt, erklärt Phlebologin Dr. Petra Schneider. Video (04:32 min)

Warnzeichen für Thrombose erkennen

Ein erster Hinweis auf eine etwaige Thrombose sind Beschwerden, die nur an einem Bein auftreten - im Unterschied etwa zu Muskelkater, der meist beide Beine betrifft. Typische Warnzeichen sind:

  • wiederholt unerklärlich starke Schmerzen im Bein
  • Schwellung eines Beins
  • unterschiedlich warme Beine
  • Hitzegefühl in einem Bein
  • bläuliche Verfärbung an einem Bein
  • starke Schmerzen beim Auftreten

Thrombose beim Arzt feststellen

Da die Symptome einer Thrombose nicht eindeutig sind, muss sie ein Arzt schnell untersuchen, um Komplikationen zu vermeiden. Der sogenannte Wells-Test besteht aus einer gründlichen Befragung über mögliche Risikofaktoren sowie einer Untersuchung der Beine. Gibt es eine Differenz beim Umfang der Unterschenkel von mehr als drei Zentimetern? Sind die Beine unterschiedlich warm? Lässt sich die Haut am betroffenen Bein eindrücken? Mit dem D-Dimere-Test werden bei Gerinnungsprozessen entstehende Abbauprodukte im Blut bestimmt. Mit einer speziellen Ultraschalluntersuchung (Farbkodierte Duplexsonografie) lassen sich Thromben genau lokalisieren. Heparinspritzen sorgen dafür, dass das Gerinnsel nicht größer wird und sich auflösen kann.

Erhöhtes Risiko für Thrombose

Ein besonders hohes Risiko für Thrombose besteht bei

  • einer Thrombose-Vorerkrankung
  • Rauchen
  • Schwangerschaft
  • chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
  • Tumorerkrankungen
  • ausgeprägten Krampfadern
  • kranken Venenklappen
  • Einnahme der Anti-Baby-Pille
  • erblich bedingter erhöhter Gerinnungsneigung, zum Beispiel APC-Resistenz bei Faktor-V-Leiden-Mutation

Thrombose nach Operation verhindern

Da jede Verletzung die Blutgerinnung aktiviert, erhöhen auch Operationen das Thromboserisiko. Deshalb verordnen Ärzte nach einem Eingriff Heparinspritzen und Thrombosestrümpfe. Die Dauer dieser Thromboseprophylaxe richtet sich nach dem individuellen Risiko. In der Regel sollte sie für zwei bis vier Wochen durchgeführt werden. Bei einem stetig steigenden Anteil ambulant durchgeführter Operationen werden immer mehr Patienten nur teilmobilisiert oder mit bestehenden Risikofaktoren für die Ausbildung einer Thrombose aus der Klinik entlassen. Deshalb müssen immer öfter die weiterbehandelnden Ärzte die Thromboseprophylaxe noch weiterführen.

Thrombose auf Langstreckenflüge verhindern

Eine besondere Gefahr für Risikopatienten bedeuten Langstreckenflüge, auf denen die Reisenden stundenlang stillsitzen müssen. Geeignete Vorsichtsmaßnahmen sind auch hier Heparinspritzen und gut passende Kompressionsstrümpfe. Außerdem sollten Flugreisende viel trinken, um das Blut flüssig zu halten. Empfohlen werden pro Flugstunde etwa 250 Milliliter alkoholfreie Getränke. Und man sollte sich so oft wie möglich bewegen und zum Beispiel im Sitzen die Füße heben und senken. Damit wird die Muskelpumpe aktiviert, die Thrombosegefahr sinkt.

Thrombosen vorbeugen

Grundsätzlich gilt: Langes Sitzen und Stehen fördern die Entstehung von Thrombosen, Laufen und Liegen wirken ihnen entgegen. Wer aus beruflichen Gründen viel stehen muss, kann durch Tragen von Kompressionsstrümpfen sein Thromboserisiko senken. Vorbeugende Maßnahmen sind:

  • Ausdauersport
  • mindestens 1,5 Liter am Tag trinken
  • Übergewicht vermeiden
  • Kompressionsstrümpfe tragen
  • zwischendurch die Beine hochlegen

Medikamente gegen Thrombose

Thrombosen werden mit Blutverdünnern behandelt. Sie sorgen dafür, dass das Gerinnsel nicht weiter wächst und unterstützen so den Körper, das Gerinnsel allmählich abzubauen.

Die Dauer der Therapie richtet sich nach Ursachen und Ausdehnung der Thrombose und beträgt meist drei bis sechs Monate. Darüber hinaus kann eine langfristige Blutverdünnung nötig sein, je nach individuellem Thromboserisiko. Patienten mit einer bekannten Störung der Blutgerinnung sollten sich regelmäßig in einer Gerinnungsambulanz untersuchen lassen.

  • Für die kurzfristige Gerinnungshemmung werden Heparin und niedermolekulare Heparine eingesetzt, die als Spritze unter die Haut gegeben werden.

  • Für die langfristige Gerinnungshemmung haben sich über viele Jahrzehnte sogenannte Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon bewährt. Es dauert allerdings einige Zeit, bis die richtige Dosis gefunden ist und erfordert eine engmaschige Kontrolle der Blutgerinnung, um eine ausreichende Wirkung sicherzustellen und keine gefährlichen Blutungen zu riskieren. Deshalb erhalten immer mehr Betroffene die neueren Gerinnungshemmer (NOAK, neue orale Antikoagulantien) wie Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban oder Edoxaban. Sie werden einmal am Tag als Tablette eingenommen und ihre Wirkung setzt schnell ein. Die Gerinnungshemmung lässt aber auch schnell wieder nach, wenn die Einnahme vergessen wird. Die Patienten müssen daher genau auf die regelmäßige Einnahme achten.

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Experten zum Thema

Dr. Petra Schneider, Fachärztin für Chirurgie, Gefäßchirurgie und Phlebologie
Medizinisches Versorgungszentrum Stade
Hohenwedeler Weg 18
21682 Stade
(04141) 78600
www.mvz-stade.de

Prof. Dr. Eike Sebastian Debus, Direktor
Klinik für Gefäßmedizin
Universitäres Herzzentrum
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

Weitere Informationen
Deutsche Gefäßliga e. V.
Mühlenstraße 21-25
50321 Brühl
(02232) 74-412
www.deutsche-gefaessliga.de

Patientenratgeber der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA)
www.dga-gefaessmedizin.de

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Visite | 23.10.2018 | 20:15 Uhr

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