Stand: 14.03.2016 11:14 Uhr  | Archiv

Therapien gegen Cluster-Kopfschmerz

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Der Cluster-Kopfschmerz lässt sich bislang nicht heilen.

Cluster-Kopfschmerzen zählen zu den schlimmsten Schmerzen, die ein Mensch empfinden kann. Als würde ein glühendes Messer ins Auge gestoßen - so beschreiben Betroffene ihre Qual. Typischerweise treten die Schmerzen streng einseitig im Bereich der Augen, Stirn und Schläfe auf. Die Betroffenen verspüren dabei eine ausgeprägte Bewegungsunruhe. Typischerweise werden die unerträglichen Schmerzen von weiteren Symptomen wie einer laufenden Nase sowie einem tränenden, geröteten und geschwollenen Auge begleitet.

Schmerzattacken können bis zu drei Stunden dauern

Der Begriff "Cluster" stammt aus dem Englischen und bedeutet "Anhäufung". Denn typisch für den Cluster-Kopfschmerz ist auch, dass er in Phasen mit bis zu acht Schmerzattacken täglich auftritt - vorzugsweise nachts und am frühen Nachmittag. Die Schmerzattacken können über 15 Minuten bis hin zu drei Stunden andauern. Besonders häufig treten solche Anfallsphasen im Frühling und Herbst auf. Zwischen zwei Anfallsphasen können Monate oder Jahre vergehen - ohne das Beschwerden auftreten.

Die Ursachen des Cluster-Kopfschmerzes sind bislang nicht abschließend geklärt. Vermutet wird eine zentrale Fehlsteuerung im Bereich des Hypothalamus, einem Teil des Zwischenhirns. Der Cluster-Kopfschmerz lässt sich bislang auch nicht heilen. Wird er allerdings richtig diagnostiziert, kann er in der Regel gut behandelt werden.

Sauerstoff und Triptane können helfen

Im akuten Anfall zeigt die Inhalation von reinem Sauerstoff über eine Gesichtsmaske bei etwa der Hälfte der Betroffenen Wirkung. Die Sauerstofftherapie führt bei ihnen innerhalb von 15 Minuten zu einer deutlichen Schmerzlinderung oder gar Schmerzfreiheit. Die zur Migräne-Therapie zugelassenen Wirkstoffe der Triptane (Sumatriptan, Zolmitriptan) können auch bei Cluster-Kopfschmerzen helfen. Sie werden entweder unter die Haut gespritzt oder über die Nase verabreicht. Triptane in Tablettenform eignen sich nicht, da ihre Wirkung erst etwa nach 40 bis 50 Minuten einsetzt und die Schmerzattacken oft bereits nach 30 Minuten wieder abklingen. Auch ein örtlich betäubendes Nasenspray kann die Schmerzattacken mildern. 

Verapamil kann Cluster-Kopfschmerzattacke vorbeugen

Das wichtigste Medikament zur Vorbeugung von Cluster-Kopfschmerzattacken ist Verapamil - ein Wirkstoff, der eigentlich zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt wird. Verapamil kann die Häufigkeit und die Stärke der Cluster-Attacken verringern. Andere Medikamente wie Lithium, Kortison oder bestimmte Antiepileptika können ebenfalls zur Prophylaxe eingesetzt werden. Allerdings können diese Medikamente starke Nebenwirkungen haben.

Während der Cluster-Phasen sollten Betroffenen Genuss von Alkohol, histaminreiche Lebensmittel sowie flackerndes Licht meiden. Sie können den Schmerz verstärken.

Neuer Therapieansatz: Nervenstimulator

Bei Patienten, bei denen keine der üblichen Therapieansätze Wirkung zeigt, arbeiten Neurowissenschaftler am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf mit einem speziellen Nervenstimulator. Er ist etwa so groß wie eine Mandel und wird im Oberkiefer in das Zahnfleisch implantiert. Von dort aus stimuliert er über eine externe Fernbedienung das Ganglion sphenopalatinum. Der Nervenknoten spielt eine entscheidende Rolle in der Entstehung des Cluster-Kopfschmerzes. Durch die elektrische Stimulation des Nervenknotens kann der Schmerzkreislauf im Falle einer Attacke unterbrochen werden.

Die Wissenschaftler haben mittlerweile etwa 30 Patienten mit dem Stimulator behandelt. Bei etwa 70 Prozent der Patienten lassen sich die Schmerzen damit innerhalb von 15 Minuten deutlich reduzieren. Die Ärzte haben außerdem beobachtet, dass bei vielen Patienten auch die Anfallshäufigkeit abnimmt. 

Weitere Informationen

Cluster-Kopfschmerz: Alkohol ist Trigger-Faktor

Wo finden Kopfschmerzgeplagte Hilfe? Wird Migräne vererbt? Dr. Jan Hofmann, Neurologe in der Kopfschmerz-Ambulanz des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, gibt Antworten. mehr

Interviewpartner

Im Studio und Beitrag:
Dr. Jan Hoffmann
Institut für Systemische Neurowissenschaften
Zentrum für Experimentelle Medizin
Kopfschmerzambulanz
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
E-Mail: kopfschmerz@uke.de

Im Beitrag:
Prof. Dr. Arne May
Facharzt für Neurologie
Leiter des Instituts für Systemische Neurowissenschaften
Zentrum für Experimentelle Medizin
Kopfschmerzambulanz
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
E-Mail: kopfschmerz@uke.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 15.03.2016 | 20:15 Uhr

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