Stand: 20.03.2018 11:21 Uhr

Taube Hände: Was hilft beim Karpaltunnelsyndrom?

Kribbeln, Brennen und Taubheitsgefühle im Daumen sowie im Zeige- und Mittelfinger - das sind typische Merkmale für das Karpaltunnelsyndrom. dabei ist ein wichtiger Nerv des Handgelenks eingeklemmt. Vor allem am Daumen können auch bewegungsabhängige Schmerzen auftreten, die sich wie schwache elektrische Schläge anfühlen und bis in den Arm ausstrahlen können. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium kann es zu einer Atrophie, einem Abbau der Muskulatur des Daumenballens, kommen.

Wenn der Karpaltunnel verengt ist

Ursachen erkennen

Die Ursache der Beschwerden liegt in einer Verengung des Karpaltunnels, einer knöchernen Rinne an der Innenseite des Handgelenks. Dort verläuft der Medianusnerv in Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger. Er ist für das Gefühl zuständig und für die Steuerung der Muskeln. Ausgelöst wird die Verengung zum Beispiel durch:

  • manuelle Belastungen (zum Beispiel längere Benutzung von Unterarmgehstützen, ausgedehnte Fahrradtouren)
  • hormonelle Veränderungen durch Schwangerschaft oder Wechseljahre
  • Krankheiten wie Diabetes und Schilddrüsenunterfunktion

Diagnose mit Strom und Ultraschall

Zur Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms misst der Arzt die Leitfähigkeit der Nerven und untersucht den Bereich per Ultraschall. Zur Messung der Nervenleitfähigkeit (Elektroneurografie) schickt ein Neurologe über Elektroden schwache Stromimpulse durch den Arm. Ein Impuls auf der einen Seite des Karpaltunnels muss zu einer Muskelreaktion auf der anderen Seite führen. Ist die Leitfähigkeit gestört, spricht das für ein Karpaltunnelsyndrom. Zeigt die Untersuchung einen normalen Befund, liegt kein Karpaltunnelsyndrom vor. Eine hochauflösende Ultraschalluntersuchung des Nervs kann nützlich sein, wenn die Elektroneurografie keine klare Aussage bringt, oder wenn die Operation eines Karpaltunnelsyndroms nicht den gewünschten Erfolg bringt.

Andere Auslöser für Beschwerden ausschließen

Zeigt die Ultraschalluntersuchung keine Einengung und Schwellung des Nervs, müssen die Symptome eine andere Ursache haben. Das kann zum Beispiel eine Autoimmunkrankheit sein, die zu Nervenentzündungen führt. Auch verspannte Nackenmuskeln, Gelenkzysten oder verstopfte Arterien können Symptome verursachen, die zunächst auf ein Karpaltunnelsyndrom hindeuten.

Karpaltunnelsyndrom behandeln

Wenn die Beschwerden zunehmen, deutet das darauf hin, dass der Medianusnerv unter Druck steht. Eine Behandlung ist wichtig, weil sonst die Gefahr besteht, dass Nervenfasern unwiederbringlich absterben. Zu Beginn des Karpaltunnelsyndroms lassen sich die Beschwerden in der Regel konservativ behandeln - mit Vitamin B6, Kortison-Spritzen, manueller Therapie und einer speziell angepassten, nur nachts getragenen Armschiene.

Operation sollte nur bei eindeutiger Diagnose erfolgen

Schlägt die Behandlung nicht an, muss operiert werden. Vorher sollte allerdings die elektrophysiologische Diagnostik ein Karpaltunnelsyndrom eindeutig bestätigt haben. Immer wieder wird laut Experten operiert, obwohl die eindeutige Diagnose fehlt.

Zwei verschiedene OP-Verfahren

Beim klassischen offenen Verfahren durchtrennt der Chirurg das Karpalband am Handgelenk und das einengende Bindegewebe, um den Nerv zu befreien. Der Eingriff dauert 10 bis 15 Minuten. Probleme durch das fehlende Karpalband sind nicht zu erwarten. Im Anschluss an die Operation muss die Hand kurzfristig ruhiggestellt werden. Beim minimalinvasiven Verfahren wird ein Endoskop durch einen kleinen Schnitt am Ende des Unterarms eingeführt und in den Karpaltunnel vorgeschoben. Dort spaltet der Chirurg mit einem ausfahrbaren Messer von unten das Dach des Karpaltunnels.

Operation nicht ohne Risiken

Nach dem Eingriff ist bei Betroffenen durchaus Geduld gefragt: Manchmal dauert die Rückbildung der Beschwerden drei bis vier Monate. Falls die Beschwerden zunehmen, sollte nach zwei Monaten nochmals eine elektropysiologische Diagnostik oder gegebenenfalls eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden. Beide Methoden haben Vor- und Nachteile: Bei der offenen Operation wird die Haut an einer Stelle durchtrennt, an der bei einigen Menschen feine Hautnerven verlaufen. Die Narbe kann dadurch sehr empfindlich sein. Nach einer minimalinvasiven Operation können Erkrankte ihre Hand schneller wieder benutzen, allerdings hat auch dieses Verfahren Risiken: Werden Nerven und Blutgefäße verletzt, kann das zu dauerhaften Schäden und Schmerzen führen.

Wenn die OP erfolglos bleibt

In einigen Fällen bleibt die Operation beim Karpaltunnelsyndrom erfolglos, zum Beispiel, wenn der Medianusnerv nicht am Handgelenk, sondern am Ellenbogen oder in der Halswirbelsäule eingeklemmt ist. Eine andere Krankheit, die ähnliche Symptome wie das Karpaltunnelsyndrom hervorruft, ist das Wartenberg-Syndrom. Dabei ist der Radialnerv am Unterarm eingeklemmt.

Tipps: Karpaltunnelsyndrom vorbeugen

  • Neutrale Handposition: Wiederholtes Beugen des Handgelenks fördert das Karpaltunnelsyndrom. Deshalb sollte man auf eine neutrale Handstellung - wie beim Händeschütteln - achten.
  • Gelenkschoner nutzen: Handgelenkschoner aus der Apotheke helfen, bei der Arbeit oder auch im Schlaf eine neutrale Handposition zu behalten. Das ist wichtig, weil viele Menschen mit gebeugtem Handgelenk schlafen.
  • Schreibtischstuhl einstellen: Den Schreibtischstuhl so einstellen, dass beim Sitzen die Unterarme auf einer Linie mit der Tastatur liegen. Hände und Handgelenke sollten dabei eine Linie mit den Unterarmen bilden. Während der Arbeit den Körper nicht dauerhaft zur Seite drehen oder beugen.
  • Pausen machen: Bei Tätigkeiten wie Schreiben auf einer Tastatur oder Gemüseschneiden sollte man alle 10 bis 15 Minuten eine kurze Pause einlegen, die Handgelenke dehnen und ausschütteln.
  • Monotone Tätigkeiten vermeiden: Bei der Arbeit nicht zu lange die gleiche Position einnehmen und, wenn möglich, alle 20 bis 40 Minuten die Tätigkeit wechseln.
  • Kraft sparen: Wer mit möglichst wenig Kraftaufwand arbeitet, vermeidet eine Überlastung der Handgelenke. Bei der Arbeit auf Werkzeuge in der richtigen Größe achten: Eine zu große oder zu kleine Maus kann die Handgelenke überlasten. Zum Radfahren ergonomische Lenkergriffe mit Ballenauflage montieren!
  • Hände warmhalten: Bei Arbeiten in einer kalten Umgebung werden die Hände eher steif und schmerzen. Daher sollten Handschuhe getragen werden.
  • Wassergüsse anwenden: Für zusätzliche Entspannung sorgen kalte oder lauwarme Wassergüsse, die von den Händen bis zum Unterarm geführt werden.

Ultraschall vom Handgelenk

Taube Hände: Was hilft beim Karpaltunnelsyndrom?

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Das Karpaltunnelsyndrom ist oft die Ursache für Kribbeln, Taubheitsgefühle und Schmerzen in den Fingern. Eine Behandlung ist wichtig, weil sonst Nervenfasern absterben können.

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Interviewpartner

Dr. Peter Scholz, Facharzt für Neurologie
Neurologische Praxisgemeinschaft Dr. Peter Scholz & Tatjana Scholz
Große Schmiedestraße 6-8, 21682 Stade
Tel. (04141) 991 29 40
Internet: www.neuropraxis-stade.de/

Dr. med. Matthias Weidner,  Facharzt für Orthopäde, Unfallchirurg
Praxis im Zentrum, Chirurgisch-Orthopädische Gemeinschaftspraxis
Marktstr. 1, 27432 Bremervörde
Tel. (04761) 92 64 00
Internet: www.praxis-im-zentrum.de/

Prof. Peter Paul Urban, Facharzt für Neurologie
Chefarzt Neurologie
Asklepios Klinik Hamburg Barmbek
Tel: (0 40) 18 18 82 38 41
Internet: www.asklepios.com/hamburg/barmbek/experten/neurologie/

Dr. Paul Preisser, Facharzt für Chirurgie/Unfallchirurgie/Plastische Chirurgie/Handchirurgie
Leiter der Klinik für Handchirurgie
Klinik für Handchirurgie
Agaplesion Diakonie Klinikum
Hohe Weide 17, 20259 Hamburg
Tel. (040) 790 20 24 01
Internet: www.d-k-h.de

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