Stand: 21.10.2019 19:00 Uhr

Rückenschmerzen: Was tun beim Engpass-Syndrom?

Verengungen des Rückenmarkkanals (Spinalkanalstenosen) treten mit zunehmendem Alter häufiger auf. Das wichtigste Symptom sind Rückenschmerzen und Beinschmerzen hauptsächlich beim Gehen, Stehen und aufrechten Sitzen. In einigen Fällen kommt ein sogenanntes Wirbelgleiten hinzu und verschärft die Probleme.

B-Doc Christian Sturm und Patientin trainieren mit dem Schwingstab. © NDR

Spinalkanalstenose: Sport gegen die Schmerzen

Die Bewegungs-Docs -

Seit 18 Jahren leidet Doreen S. an massiven Rückenschmerzen, die ihr fast den Lebensmut nehmen - Diagnose: Gleitwirbel. Ein einfaches Übungsprogramm beendet ihre Qualen.

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So entsteht eine Spinalkanalstenose

Im Spinalkanal der Wirbelsäule verläuft das Rückenmark vom Gehirn bis in den Lendenbereich. Durch Verschleiß werden die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern flacher und breiter, bis sie gegen das hintere Längsband der Wirbelsäule drücken, das zwischen den Bandscheiben und dem Rückenmark liegt. Das wiederum das erzeugt Druck auf die im Spinalkanal verlaufenden Nervenfasern, meist im Bereich der Lendenwirbelsäule. Wird der Druck zu groß, führt das zu teilweise heftigen Schmerzen.

Was bei einer Spinalkanalstenose passiert

Die Ursache dafür sind knöcherne Vorsprünge, die bei Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke entstehen, während die Bandscheibe immer flacher wird. Diese Vorsprünge verengen, zusammen mit einer sich vorwölbenden Bandscheibe, den Kanal immer weiter. Auch die stabilisierenden Bänder an der Wirbelsäule verändern sich mit der Zeit, bis sie den Wirbeln nicht mehr genügend Halt bieten können. Dadurch kommt es zu sogenannten Gleitwirbeln, die den Spinalkanal zusätzlich einengen und zu Schmerzen führen können.

Frühe Symptome: Kribbeln und Taubheitsgefühle

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Schmerzen beim Gehen, Stehen und aufrechten Sitzen können auf eine Spinalkanalstenose hindeuten.

Neben den Schmerzen beim Gehen treten bei einer Spinalkanalstenose oft weitere Symptome auf, darunter Kribbeln, Schwäche- und Taubheitsgefühle in den Beinen, in späteren Phasen auch Harn- und Stuhlinkontinenz sowie Erektionsstörungen. Ein typisches Phänomen ist, dass Schmerzen beim Zurückbeugen auftreten und die Symptome nachlassen, sobald der Rumpf nach vorn kippt und so die Wirbelsäule gedehnt wird.

Bildgebende Verfahren bei der Diagnose

Zur weiteren Diagnostik testet der Arzt einige Reflexe und tastet die Rückenmuskulatur ab, zum Ausschluss anderer Ursachen (zum Beispiel Borreliose) kann er Blut- und Nervenwasserproben ins Labor schicken. Zur Darstellung des Rückenmarks in der Wirbelsäule wird in der Regel eine Kernspintomografie (MRT) durchgeführt, die sowohl die Spinalkanalstenose direkt sichtbar macht als auch die Bandscheiben und Nervenwurzeln. Doch nicht immer, wenn auf den Bildern ein enger Wirbelkanal zu sehen ist, muss der Platzmangel auch der Grund für die Beschwerden sein. Genauso kann eine Spinalkanalstenose auch ohne Symptome bleiben.

Konservative Therapie: Gymnastik und Medikamente

In der Regel werden zunächst konservative Therapien eingesetzt, vor allem Krankengymnastik (Physiotherapie) und Schmerzmedikamente. Ziel der Physiotherapie ist, die Rücken- und Bauchmuskulatur zu trainieren, denn starke Muskeln stabilisieren den Rücken und können die Lendenwirbelsäule entlasten. Medikamente unterstützen die Krankengymnastik, indem sie Schmerzen lindern und das Verkrampfen der Muskulatur verhindern. Bei sehr starken Schmerzen kann eine Spritze mit einem Betäubungsmittel und entzündungshemmendem Kortison direkt an die betroffene Nervenwurzel Linderung bringen.

Zusätzliche Entlastung können ein gezieltes Aufbautraining der Rückenmuskulatur, Entspannungsverfahren und eine Elektrotherapie bringen.

Bewegungstherapie

Übungen gegen Schmerzen bei Spinalkanalstenose

Das Ziel ist, Stabilität um die Wirbelsäule aufzubauen - durch Training der Tiefenmuskulatur, der sogenannten Musculi Multifidii. Vibrations- und Kraftübungen helfen dabei. mehr

Wann eine Operation nötig ist

Eine Operation wird erst empfohlen, wenn sich die Schmerzen mit konservativen Maßnahmen nicht mehr lindern lassen, Lähmungserscheinungen in den Beinen oder Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang auftreten. Dabei sollte der Arzt nicht allein nach Röntgenaufnahmen entscheiden, sondern nach den tatsächlichen Beschwerden. Nicht selten sehen die Röntgenbilder schlimm aus, aber die Erkrankten haben kaum Beschwerden. Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wie groß der Leidensdruck des Erkrankten ist und ob Nerven gefährdet sind.

Versteifung der Gleitwirbel nicht immer sinnvoll

Zusätzlich zur operativen Aufweitung des Spinalkanals schlagen viele Ärzte eine Versteifung der Gleitwirbel mithilfe von Schrauben vor. Doch Experten warnen, dass die Fixierung mit Schrauben häufig eher Nachteile als Vorteile bringt. Die Operation ist aufwendiger und riskanter, als nur den Spinalkanal zu weiten. Allein das Platzieren der Schrauben birgt das Risiko einer Schraubenfehllage, die eine Nervenwurzel schädigen kann. Wichtig ist, dass genau abgewogen wird, ob hauptsächlich Rückenschmerzen oder fast nur Beinschmerzen bestehen. Denn eine Nervenkanalenge mit oder ohne Gleitwirbel kann, muss aber nicht die Ursache für Schmerzen sein.

Sinnvoller ist es, zunächst nur die Enge im Spinalkanal zu beseitigen und die Gleitwirbel nicht anzutasten. Sollten nach der Operation doch noch Beschwerden auftreten, lässt sich die Versteifung in einem zweiten Schritt nachholen. Im Zweifel sollten Betroffene vor der Operation eine Zweitmeinung bei einem Spezialisten einholen.

Alltagstipps für Betroffene

  • Fahren Sie Fahrrad, das verschafft Ihren Nerven wieder mehr Platz.
  • Setzen Sie sich hin und beugen Sie sich nach vorn, wenn unterwegs der Rücken schmerzt und die Beine nicht mehr weiterwollen.
  • Bleiben Sie sportlich aktiv, denn die Bauch- und Rückenmuskeln stützen Ihre Wirbelsäule. Untrainierte Muskeln führen dagegen zu Verspannungen und neuen Rückenschmerzen, die mit der Stenose gar nichts zu tun haben.

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Dieses Thema im Programm:

Die Bewegungs-Docs | 21.10.2019 | 21:00 Uhr

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