Stand: 24.06.2019 17:54 Uhr

Rückenschmerzen: Was tun beim Engpass-Syndrom?

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Schmerzen beim Gehen, Stehen und aufrechten Sitzen können auf eine Spinalkanalstenose hindeuten.

Verengungen des Rückenmarkkanals (Spinalkanalstenosen) treten mit zunehmendem Alter häufiger auf. Das wichtigste Symptom sind Rückenschmerzen beim Gehen, Stehen und aufrechten Sitzen, die beim Vornüberbeugen oder Fahrradfahren nachlassen. In einigen Fällen kommt ein sogenanntes Wirbelgleiten hinzu und verschärft die Probleme.

Eine ältere Dame, die Rückenübungen auf dem Boden macht.

Rückenschmerzen: Was hilft beim Engpass-Syndrom?

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Verengungen des Rückenmarkkanals führen im Alter oft zu Rückenschmerzen. Welche Übungen können die Beschwerden lindern? Und wann ist eine Operation unvermeidbar?

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So entsteht eine Spinalkanalstenose

Im Spinalkanal der Wirbelsäule verläuft das Rückenmark vom Gehirn bis in den Lendenbereich. Durch Verschleiß werden die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern flacher und breiter, bis sie gegen das hintere Längsband der Wirbelsäule drücken, das zwischen den Bandscheiben und dem Rückenmark liegt. Das wiederum erzeugt Druck auf das Rückenmark, meist im Bereich der Lendenwirbelsäule. Werden Nerven eingeklemmt, führt das zu heftigen Schmerzen.

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Die Ursache dafür sind knöcherne Vorsprünge an den Wirbelbögen, mit denen der Körper versucht, den Abstand zwischen den Wirbelkörpern zu halten, während die Bandscheiben immer flacher werden. Die Höcker verengen den Kanal immer weiter. Auch die stabilisierenden Bänder an der Wirbelsäule verändern sich mit der Zeit, bis sie den Wirbeln nicht mehr genügend Halt bieten können. Dadurch kommt es zu sogenannten Gleitwirbeln, die den Spinalkanal zusätzlich einengen und zu Schmerzen führen können.

Frühe Symptome: Kribbeln und Taubheitsgefühle

Neben den Schmerzen beim Gehen treten bei einer Spinalkanalstenose oft weitere Symptome auf, darunter Kribbeln, Schwäche- und Taubheitsgefühle in den Beinen, in späteren Phasen auch Harn- und Stuhlinkontinenz sowie Erektionsstörungen. Ein typisches Phänomen ist, dass Schmerzen beim Zurückbeugen auftreten und die Symptome nachlassen, sobald der Rumpf nach vorn kippt und so die Wirbelsäule gedehnt wird.

Zur weiteren Diagnostik testet der Arzt einige Reflexe und tastet die Rückenmuskulatur ab, zum Ausschluss anderer Ursachen (zum Beispiel Borreliose) kann er Blut- und Nervenwasserproben ins Labor schicken. Zur Darstellung des Rückenmarks in der Wirbelsäule wird in der Regel eine Kernspintomografie (MRT) durchgeführt, die sowohl die Spinalkanalstenose direkt sichtbar macht als auch die Bandscheiben und Nervenwurzeln. Doch nicht immer, wenn auf den Bildern ein enger Wirbelkanal zu sehen ist, muss der Platzmangel auch der Grund für die Beschwerden sein. Genauso kann eine Spinalkanalstenose auch ohne Symptome bleiben.

Konservative Therapie: Gymnastik und Medikamente

In der Regel werden zunächst konservative Therapien eingesetzt, vor allem Krankengymnastik und Schmerzmedikamente. Ziel der Krankengymnastik ist, die Rücken- und Bauchmuskulatur zu trainieren, denn starke Muskeln stabilisieren den Rücken und können die Lendenwirbelsäule entlasten. Medikamente unterstützen die Krankengymnastik, indem sie Schmerzen lindern und das Verkrampfen der Muskulatur verhindern. Bei sehr starken Schmerzen kann eine Spritze mit einem Betäubungsmittel und entzündungshemmendem Kortison direkt in den Wirbelkanal Linderung bringen.

Übungen bei verengtem Rückenmarkkanal

Eine Spinalkanalstenose ist ein schleichender Prozess, der sich in vielen Fällen durch spezielles Training aufhalten lässt. Übungen können Engstellen im Wirbelkanal entlasten und erweitern. Dazu wird die Wirbelsäule aktiv aufgerichtet: Der Erkrankte stellt sich an eine Wand und kippt das Becken nach vorne, um die Lendenwirbelsäule zu begradigen. Die Position wird fünf Atemzüge lang gehalten, es folgt eine Pause von zwei Atemzügen. Diese Übung sollte mehrmals am Tag jeweils fünfmal nacheinander durchgeführt werden. Zusätzliche Entlastung können ein gezieltes Aufbautraining der Rückenmuskulatur, Entspannungsverfahren und eine Elektrotherapie bringen.

Wann eine Operation nötig ist

Eine Operation wird erst empfohlen, wenn sich die Schmerzen mit konservativen Maßnahmen nicht mehr lindern lassen, Lähmungserscheinungen in den Beinen oder Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang auftreten. Dabei sollte der Arzt nicht allein nach Röntgenaufnahmen entscheiden, sondern nach den tatsächlichen Beschwerden. Nicht selten sehen die Röntgenbilder schlimm aus, aber die Erkrankten haben kaum Beschwerden. Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wie groß der Leidensdruck des Erkrankten ist und ob Nerven gefährdet sind.

Versteifung der Gleitwirbel meist nicht sinnvoll

Zusätzlich zur operativen Aufweitung des Spinalkanals schlagen viele Ärzte eine Versteifung der Gleitwirbel mithilfe von Schrauben vor. Doch Experten warnen, dass die Fixierung mit Schrauben häufig eher Nachteile als Vorteile bringt. Die Operation ist aufwendiger und riskanter, als nur den Spinalkanal zu weiten. Allein das Platzieren der Schrauben birgt das Risiko einer Schraubenfehllage, die eine Nervenwurzel schädigen kann. Zudem ist der Krankenhausaufenthalt länger und die Kosten des Eingriffs sind höher - ohne zusätzlichen Nutzen. Denn ein Gleitwirbel kann, muss aber nicht die Ursache für eine Spinalkanalstenose sein.

Sinnvoller ist es, zunächst nur die Enge im Spinalkanal zu beseitigen und die Gleitwirbel nicht anzutasten. Sollten nach der Operation doch noch Beschwerden auftreten, lässt sich die Versteifung in einem zweiten Schritt nachholen. Im Zweifel sollten Betroffene vor der Operation eine Zweitmeinung bei einem Spezialisten einholen.

Alltagstipps für Betroffene

  • Fahren Sie Fahrrad, das verschafft Ihren Nerven wieder mehr Platz.
  • Setzen Sie sich hin und beugen Sie sich nach vorn, wenn unterwegs der Rücken schmerzt und die Beine nicht mehr weiterwollen.
  • Bleiben Sie sportlich aktiv, denn die Bauch- und Rückenmuskeln stützen Ihre Wirbelsäule. Untrainierte Muskeln führen dagegen zu Verspannungen und neuen Rückenschmerzen, die mit der Stenose gar nichts zu tun haben.

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Experte zum Thema

Claudia Boie, Physiotherapeutin
Viatalis - Praxis für Krankengymnastik
Bühlstr. 34
37073 Göttingen
0551) 47704
www.praxis-vitalis.de

Prof. Veit Rohde
Neurochirurg
Universitätsmedizin Göttingen
Robert-Koch-Straße 40
37075 Göttingen
(0551) 3966033
www.neurochirurgie-uni-goettingen.de

Dr. Horst Danner
Orthopäde
RehaCentrum Hamburg
Standort Berliner Tor
Heidenkampsweg 41
20097 Hamburg
(040) 25 30 63-0
www.rehahamburg.de

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Visite | 09.07.2019 | 20:15 Uhr

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