Stand: 26.02.2018 12:06 Uhr

So kann Cannabis als Medizin helfen

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Bei verschiedenen Erkrankungen gibt es einen Anspruch darauf, Cannabis verordnet zu bekommen.

Der Extrakt der Hanfpflanze, Cannabis, ist in Deutschland verboten. Dabei ist Cannabis, als getrocknete Blüten (Marihuana) oder Harz (Haschisch), nicht nur ein Rauschmittel, sondern auch ein sehr wirksames Medikament, das vor allem in der Schmerztherapie eine besondere Rolle spielt. Bis vor Kurzem waren Cannabis-Medikamente in Deutschland nur bei Spastiken und Multipler Sklerose zugelassen. Seit gut einem Jahr gibt es nun auch bei anderen schwerwiegenden Erkrankungen einen Anspruch darauf, Cannabis-Medikamente verordnet zu bekommen.

Getrocknete Cannabisblüten.

Cannabis als Medizin

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Cannabis ist nicht nur ein verbotenes Rauschmittel, sondern auch ein sehr wirksames Medikament. Chronischen Schmerzpatienten kann es helfen, wenn andere Arzneimittel versagen.

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Wer erhält Cannabis auf Rezept?

Cannabis ist nicht das Mittel der ersten Wahl, denn es hilft nicht jedem: Ärzte verordnen Cannabis-Produkte - wie zum Beispiel Dronabinol-Tropfen - chronisch kranken Patienten, die gängige Schmerzmittel nicht mehr vertragen oder deren Schmerzmittel nicht mehr wirken. Am ehesten wirkt Cannabis gegen Schmerzen, die im Nervensystem entstehen. Vor allem spastische und neuropathische Schmerzen, die oft nach einer Strahlentherapie bei Krebspatienten auftreten, lassen sich damit recht effektiv lindern. Auch bei Phantomschmerzen nach Amputationen kann Cannabis hilfreich sein. Ärzte dürfen gegebenenfalls die reinen Blüten verschreiben oder Cannabis-Präparate in Form von Kapseln, Tropfen, Öl oder als Mundspray.

Wirkweise von Cannabis

Cannabis enthält mehr als 100 Wirkstoffe. Die beiden wichtigsten sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD):

  • THC hebt die Stimmung, verändert die Wahrnehmung (benebelt) und lindert Schmerzen.
  • CBD wirkt gegen Entzündungen, lindert Krämpfe, nimmt Angst und lindert Schmerzen.

Cannabis hat Vorteile, die andere Wirkstoffe nicht haben: Der Körper produziert selbst ganz ähnliche Stoffe, die sogenannten Endo-Cannabinoide, die ihre Wirkung über verschiedene Rezeptoren entfalten, die auch für eingenommene Cannabis-Wirkstoffe empfänglich sind. Der Rezeptor CB1 kommt im Zentralen Nervensystem und vielen anderen Organen vor, lindert Angst, Stress, Unruhe und Schmerzen. Der Rezeptor CB2 sitzt in den Immunzellen von Lunge und Darm und wirkt antientzündlich.

Erfahrungswerte fehlen

Es gibt noch zu wenige Erfahrungswerte und Studien zu Wirksamkeit, Langzeit- und Nebenwirkungen, weil Cannabis aufgrund der früheren Gesetzeslage nicht eingesetzt und untersucht werden durfte. Zu hoch dosiert, kann zum Beispiel Cannabis-Spray das Kurzzeitgedächtnis einschränken. Cannabis-Medikamente sind nicht geeignet für Patienten mit depressiven Störungen oder anderen psychiatrischen Erkrankungen sowie für Patienten mit Herzerkrankungen, wie zum Beispiel Herzrhythmusstörungen.

Interviewpartner

Dr. Jan-Henrich Stork
Chefarzt der Abteilung Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie
Krankenhaus Tabea GmbH & Co. KG
im Artemed-Klinikverbund
Kösterbergstraße 32, 22587 Hamburg
Tel. (040) 866 92-0
Internet: www.tabea-fachklinik.de/de/anaesthesie.html

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Hartmut Göbel, Chefarzt
Dr. Axel Heinze, Ltd. Oberarzt
Schmerzklinik Kiel GmbH & Co KG
Heikendorfer Weg 9-27, 24149 Kiel
Tel. (0431) 200 99-0
www.schmerzklinik.de

Weitere Informationen:
Internationale Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente
Am Mildenweg 6, 59602 Rüthen
Internet: www.cannabis-med.org

Ratgeber:
Michael Backes: Cannabis als Medizin
348 Seiten, Kopp Verlag (2016), 22,95 Euro

Wernard Bruining: Hanf heilt. Die Wiederentdeckung einer uralten Volksmedizin
290 Seiten, MobiWell (2013), 24 Euro

Franjo Grotenhermen, Britta Reckendrees: Die Behandlung mit Cannabis und THC
112 Seiten, Nachtschatten Verlag (6. Auflage; 2016), 17,50 Euro

Dieses Thema im Programm:

Visite | 27.02.2018 | 20:15 Uhr

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