Stand: 25.11.2019 15:36 Uhr  | Archiv

Schnupfen behandeln: Vorsicht bei Nasenspray

Frau benutzt Nasenspray © Picture Alliance Foto: Klaus Rose
Nasenspray kann bei längerer Anwendung abhängig machen.

Bei Schnupfen mit zähem Schleim greifen viele zu einem abschwellenden Nasenspray, um die Nase frei zu machen. Dadurch können Betroffene zum Beispiel besser schlafen. Doch die rezeptfrei in der Apotheke erhältlichen Sprays sollten höchstens eine Woche lang eingesetzt werden. Denn bei längerer Anwendung schädigen sie die Schleimhaut und können abhängig machen. In einigen Fällen hilft dann nur noch eine Operation. Oft sind Nasensprays mit Salzwasser, Antihistaminika oder Glucocorticoid eine schonendere Alternative. Wichtig ist es, den Schnupfen auszukurieren und das Immunsystem zu stärken.

Schnupfen: Ursache, Symptome und Therapie

Ursache für eine verstopfte Nase, Niesen und Frösteln sind sogenannte Rhinoviren. Ein einfacher Schnupfen dauert normalerweise eine Woche und die Beschwerden sind in erster Linie auf die Nase begrenzt. Ist die Nase nach einer Woche immer noch verstopft, sollte ein Arzt die Ursache klären. Denn die Ursache für den Schnupfen kann auch eine Allergie sein.

Wie Nasensprays wirken

Abschwellende Nasensprays enthalten als Wirkstoffe sogenannte Alpha-Sympathomimetika wie Xylometazolin, Oxymetazolin, Tramazolin, Phenylephrin, Tetryzolin oder Naphazolin. Diese stimulieren gezielt die Alpha-Adrenorezeptoren des sympathischen Nervensystems und sorgen dafür, dass sich die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut zusammenziehen. Dadurch schwillt die Nasenschleimhaut ab, das Atmen fällt für bis zu zwölf Stunden wieder leichter.

Wie Nasensprays abhängig machen können

Bei längerer Anwendung gewöhnt sich die Nasenschleimhaut an das abschwellende Nasenspray: Sobald die Wirkung nachlässt, schwillt die Schleimhaut übermäßig an. Das verleitet viele Betroffene dazu, das Spray erneut zu benutzen ("Rebound-Phänomen"). Das Nasenspray lindert die Symptome zwar kurzfristig, erhält sie aber gleichzeitig aufrecht. Statt die Nase zu befreien, führt der dauerhafte Gebrauch zu einem chronischen Schnupfen. Als abhängig gilt, wer ein Nasensprays länger als zehn Tage verwendet und keine dauerhafte Linderung der Symptome verspürt.

Mit der Zeit können Betroffenen Zeichen einer Abhängigkeit entwickeln, etwa Erstickungsängste und Stimmungsschwankungen. Zudem trocknet die Nasenschleimhaut langsam aus, sodass sie die Abwehrfunktion nicht mehr erfüllen kann und Keime freie Bahn haben. Das erhöht die Gefahr von Entzündungen, zum Beispiel der Stirnhöhlen. Außerdem können sich in der Nase Borken bilden und es kommt immer öfter zu Nasenbluten.

Abhängig von Nasenspray - was hilft?

Zur Entwöhnung werden in der Regel kortisonhaltige Nasensprays eingesetzt. Oft wird ein Nasenloch nach dem anderen entwöhnt. Dabei wendet man das abschwellende Spray so lange nur in einem Nasenloch an, bis sich die Nasenschleimhaut im anderen Nasenloch wieder erholt hat. Auf diese Weise können die Betroffenen in der Regel nach zwei Wochen vollends auf das Spray verzichten. In jedem Fall müssen sie aber einige Tage mit verstopfter Nase und mühsamer Atmung überstehen. In dieser Zeit ist die Rückfallgefahr besonders hoch. Sobald die Nasenschleimhaut erst einmal entwöhnt ist, erholt sie sich aber in der Regel vollständig. Funktioniert das nicht, kann eine Operation helfen. Sie verhindert, dass die vorderen Nasenschwellkörper zuschwellen und der Betroffene keine Luft bekommt.

Alternativen zu abschwellendem Nasenspray

Wer trotz einer akuten Erkältung frei durchatmen will, kann statt zu abschwellenden Nasensprays zu einer hypertonen Kochsalz- oder Meersalzlösung greifen. Hyperton bedeutet, dass der Salzgehalt der Lösung höher ist als in den Zellen und Körperflüssigkeiten. Die hypertone Lösung wird als Spray, Tropfen oder Spülung verabreicht und entzieht der Schleimhaut überschüssiges Wasser, so dass diese abschwillt. Allerdings hält die Wirkung nur etwa eine halbe Stunde an, dann muss erneut gesprüht werden.

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Experten zum Thema

Dr. Sylvia Brockhaus, Fachärztin HNO-Heilkunde, Allergologie und Laboratoriumsmedizin
Straßenbahnring 3, 20251 Hamburg
www.hno-falkenried.de

Prof. Dr. Christian Betz, Klinikdirektor
Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
Kopf- und Neurozentrum
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
(040) 74 10-52 360
www.uke.de

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