Schnappfinger: Welche Therapie hilft?

Stand: 05.07.2021 09:32 Uhr

Ein Schnappfinger oder schnellender Finger ist eine Überlastung der Fingersehnen. Krankengymnastik, eine Spritzentherapie oder eine OP können helfen. Unbehandelt kann sich die Sehne entzünden.

Lassen sich Zeigefinger, Mittelfinger oder der Daumen nur noch mit Anstrengung oder mithilfe der anderen Hand gerade stellen, wird das als schnellender, Schnapp- oder Springfinger bezeichnet. Er macht jeden Handgriff zur Qual, denn beim Greifen springt der Finger schmerzhaft hin und her. Ursache ist meist Überlastung, zum Beispiel bei der Gartenarbeit. Wer beim Schneiden von Rosen oder Büschen trotz schmerzender Finger weitermacht, statt die Hand zu wechseln oder eine andere Schere zu benutzen, überlastet seine Fingersehnen.

Ringbandstenose: Sehne hakt und kann sich entzünden

Mediziner und Medizinerinnen sprechen bei einem Schnappfinger auch von einer Ringbandstenose. Normalerweise laufen die Sehnen der Finger geschmeidig durch die sogenannten Ringbänder hindurch. Kommt es an dieser Stelle zu einer Schwellung, hakt die Sehne und es kommt zum schmerzhaften Schnapp-Phänomen. Unbehandelt kann sich die Sehne entzünden und langfristig Schaden nehmen, wenn sie ständig unter dem Ringband reibt und hakt. Bei manchen Menschen verschwindet das Problem von allein wieder, andere benötigen eine Therapie.

 

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Dr. Okka Pfisterer
4 Min

Was hilft bei Schnappfinger?

Handchirurgin Dr. Okka Pfisterer: Welche Therapien helfen bei Schnappfinger oder schnellendem Finger? 4 Min

Diese Hausmittel verschaffen Linderung

Bevor Betroffene einen Arzt aufsuchen, können Beschwerden zunächst mit diesen Hausmitteln behandelt werden und damit die Schmerzen lindern:

  • Aufhören mit Überbeanspruchung und Schonen der Hand
  • Massieren der schmerzenden Hand
  • Kühlen mit Quark-Wickel, kühlenden Tinkturen oder Cremes

Krankengymnastik lindert Schmerzen

Durch leichte manuelle Therapie und krankengymnastische Übungen lässt sich die Gelenkkapsel dehnen und die Bewegungsmuskulatur entspannen. Das sollte zu einer sofortigen Linderung der Schmerzen führen. Wenn die Beschwerden nach einer Woche nicht verschwunden sind, ist ärztliche Hilfe erforderlich.

Spritzentherapie: Kortison gegen die Entzündung

Bei einer Sehnenentzündung können Kortisonspritzen vorübergehend Linderung bringen, indem sie das Gewebe zum Abschwellen bringen und Entzündungsreize lindern.

Wann kann eine OP helfen?

Kehren die Beschwerden nach Absetzen des Kortisons wieder zurück, kann eine Operation erforderlich sein. Entscheidend ist der Leidensdruck durch den Schmerz. Betroffene sollten aber nicht zu lange warten, denn sonst kann ein gekrümmter Finger irgendwann nicht mehr begradigt werden.

Ob ein Schnappfinger überhaupt operiert werden kann, hängt auch davon ab, welches Ringband betroffen ist. Pro Finger gibt es acht Ringbänder - und nicht jedes lässt sich operieren. Zunächst muss der Handchirurg oder die Handchirurgin ohnehin prüfen, ob die Probleme wirklich von der Sehne herrühren. Dafür wird auf das Band gedrückt, wo die betroffene Sehne verläuft. Tut das weh, wird verglichen, ob es auf der Streckseite auch weh tut, wenn dort auf das Gelenk gedrückt wird, oder ob Schwellungen vorhanden sind. Denn das wäre bei einer reinen Ringbandstenose nicht der Fall. Eine Operation ist ratsam, wenn der Finger ständig oder über mehrere Monate immer wieder hakt.

Operative Therapie: Spaltung des Ringbands

Bei dem Eingriff wird das betroffene Ringband längs gespalten, damit die Sehne nicht mehr haken kann und der Finger wieder frei gleitet. Er wird unter lokaler Betäubung durchgeführt, damit die Betroffenen keinen Schmerz verspüren, den Finger aber weiterhin bewegen können. So kann der Operateur oder die Operateurin während des Eingriffs überprüfen, ob alles wieder in Ordnung ist. Eine Manschette drückt das Blut aus dem Arm, damit freie Sicht auf das Ringband ist und es gespalten werden kann.

Am Ende sorgt ein elastischer Verband dafür, dass der oder die Betroffene den operierten Finger auch in den folgenden Tagen regelmäßig sanft bewegen kann. Das ist wichtig, damit die Sehne während der Wundheilung nicht verklebt. Zwei bis drei Wochen nach der Operation ist die Hand wieder voll belastbar.

 

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Dieses Thema im Programm:

Visite | 20.07.2021 | 20:15 Uhr

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